Assassin's Creed: Liberation HD im Test: Der schwache Handheld-Ableger kehrt als Download auf Konsolen zurück

Test Sandro Odak

2012 veröffentlichte Ubisoft mit Assassin's Creed: Liberation den ersten Teil mit einer weiblichen Heldin. Sie war tough. Sie war nicht übersexualisiert wie manche ihrer Kolleginnen. Aber sie blieb total blass und ihr PS-Vita-Abenteuer ein Flop. Nun gibt es Avelins Geschichte in frischem Grafikgewand und mit 15 neuen Missionen auf PC und Konsolen. Leider hat niemand dran gedacht, die inhaltlichen Schwächen auszubügeln.

Gestatten, Aveline de Grandpré. Von Beruf: Assassinin. Ja, genau. In dieser männerdominierten hatten schon im 18 Jahrhundert auch Frauen Platz. Die Erwartungen waren unter Fans 2012 entsprechend hoch. Damals veröffentlichte Ubisoft Assassin's Creed: Liberation erstmals für die Playstation Vita. Und versprochen war eine starke, unabhängige Frau. Ein Charakterkopf, so wie die anderen Assassinen. Am Ende war die Mobil-Version ein Flop. Die internationalen Wertungen waren vernichtend.

Assassin's Creed: Liberation HD im Test (1) Quelle: Ubisoft Assassin's Creed: Liberation HD im Test (1) Nun bringt Ubisoft die Geschichte rund um die Auftragskillerin als Download auf PC, Playstation 3 und Xbox 360. Verbessert haben sie das Spiel, behaupten die Entwickler. Sogar noch inhaltlich erweitert. Aber hält die großmundige PR-Versprechung dem Test stand? Eher nicht. Auf dem großen Screen fallen die eklatanten Mängel von Liberation sogar noch eher auf. Das macht sich gleich in den ersten Minuten bemerkbar. Anders als seine Konsolenvorgänger erzählt Liberation HD keine persistente, konkludente Geschichte, sondern kürzt an allen Ecken und Enden ab. Gerade noch irrt man als Kind in den Gassen einer amerikanischen Stadt umher, dann befreit man versteckte Sklaven und ermittelt in einem Fall von Diebstahl. So schnell wie die Story zu Beginn der Kampagne abgehandelt wird, kommt man gar nicht mit. Viel von der Handlung deutet Liberation HD auch nur an.

Das lässt einen an den Motiven und Aktionen der Protagonistin zweifeln. Ubisoft lässt einen im Unklaren darüber, was wirklich in Aveline steckt. Anscheinend ist eine Hintergrundgeschichte da und auch ein roter Faden, der sich durch die Erzählung zieht. Aber immer wieder brechen die Macher an entscheidenden Stellen ab, ziehen einen wie im Schnelldurchlauf durch die hübschen Umgebungen und lassen einen nicht verweilen. So bleibt Aveline immer ein unlogisches Wesen, das sich dem Spieler nicht erschließt. Die 15 neuen Missionen, die die Download-Version in HD mehr bietet als die Vita-Fassung, bringt da kein Licht ins Dunkel. Inhaltlich bewegen wir uns mit Liberation HD auf demselben Glatteis wie vor zwei Jahren: Der Download-Ableger ist der schwächste Teil der Serie, ohne Zusammenhalt und Zusammenhang in der restlichen Abstergo-Welt.

Einfach nur schlechtes Game-Design

Assassin's Creed: Liberation HD im Test (2) Quelle: Ubisoft Assassin's Creed: Liberation HD im Test (2) Und auch andere offensichtliche Schwächen haben die Entwickler aus der Vita-Fassung übernommen. So hat Aveline drei unterschiedliche "Verkleidungen", die ihr verschiedene Fähigkeiten verleiehen. Als Lady im feinen Dress kann Aveline Männer betören und sie so davon ablenken, dass sie eigentlich gerade in einer "Restricted Area" ist. Klettern und springen kann sie im Kleid aber nicht, dafür hat sie ihr Assassinen-Dress. Im Sklaven-Outfit kann sie sich teilweise durch die Bediensteteneingänge schleichen. Im Prinzip eine ganz coole Idee. Wären da nicht logische Fehler. Es nervt zum Beispiel gewaltig, das Lady Aveline keine Synchronisationspunkte erreichen kann um die Minimap freizuschalten. Und nach mehreren Missionen, die wir "flirtend" und gewaltfrei lösen, klingt der Effekt nach einer Zwischensequenz ab und die Wachen gehen zum Angriff über. Das hängt nicht am Unvermögen des Spielers und ist auch kein besonderer Schwierigkeitsgrad. Das ist einfach nur schlechtes Game-Design. Die Missions-Designer haben exakt bis zum Ende ihrer "Verantwortlichkeit" gedacht, alles danach scheint wirr und unwichtig zu sein. Solche Anschlussfehler passieren dauernd.

Grundsätzlich wäre es schön gewesen, wenn die drei Outfits inhaltlich etwas am Spiel ändern würden. Die Idealvorstellung ist dabei GTA 5: Wenn sich Liberation HD drei ganz unterschiedliche Charaktere liefern würde, verpackt in einer Hülle, dann könnte man dem Feature mehr Positives abverlangen. Aber für Wachen macht es, außer an getriggerten Stellen, keinen Unterschied wer vor ihnen steht. Ob Lady Aveline oder Sklaven Avelin, sie schubsen sie einfach herum. Im Endeffekt wäre Liberation ohne den Wechsel sogar logischer, nachvollziehbarer gewesen.

Technisch auf dem Level von Assassin's Creed 3

Assassin's Creed: Liberation HD im Test (3) Quelle: Ubisoft Assassin's Creed: Liberation HD im Test (3) Die einzigen Veränderungen an Assassin's Creed: Liberation HD, die etwas auch spürbar verbessern, sind technischer Natur. Die Download-Variante kommt in hübscher Optik als 1,7GB großer Download daher. Da kann man natürlich nicht viel erwarten, aber an die Klasse eines Assassin's Creed 3 kommt das Arcade-Game schon heran. Viele Grafik-Assets scheinen sogar direkt aus dem Pool der AC3-Engine zu stammen, schlimm ist das aber nicht. Immerhin teilen sich Liberation und Assassin's Creed 3 eine Zeitlinie und ein Setting.

Manche Zwischensequenzen sehen sogar so deutlich verbessert aus, dass sie mit dem aktuellen Black Flag mithalten können. Schade, dass Liberation HD inhaltlich nur so wenig vermittelt. Zum Budgetpreis von 19,99€ kann man aber trotzdem getrost zugreifen, wenn man Assassin's Creed schon immer nur wegen des Gameplays mochte.

Meinung

Wertung zu Assassin's Creed: Liberation HD (X360)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Assassin's Creed: Liberation HD (PS3)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
eine weibliche Heldingroßes, offenes Spielgebietgrafisch auf einem Level mit AC315 neue Missionen
völlig unlogische, abgeschnittene ErzählweiseOutfit-Wechsel inhaltlich komplett belanglosLogik- und haufenweise AnschlussfehlerSchwächen bei Game- und Missions-Designstark lineare Kampagne
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