BEAM im Test: Rätselspiel kommt trotz Kugel nicht richtig ins Rollen
Test
Im ersten Spiel des deutschen Entwicklerstudios Binary Impact dreht sich alles um die Kugel. Umschlossen von einer runden Rettungskapsel müssen wir im Puzzle-Plattformer BEAM knifflige Physik-Rätsel lösen, um uns den Weg hinaus aus einem abgestürzten Raumschiff zu bahnen. Unser Verständnis für die Kräfte der Gravitation wird von den kniffligen und stellenweise sehr verwirrenden Aufgaben gehörig auf den Kopf gestellt. Wieso uns das Rätselabenteuer trotz seines vielversprechenden Konzepts nicht aus der Umlaufbahn geworfen hat, erfahrt ihr in diesem Test.
In der Redaktion gehen plötzlich alle Lichter aus. Schuld sind die kniffligen und stellenweise verwirrenden Rätsel des Puzzle-Plattformers BEAM, die unsere geistige Sicherung raushauen und mehr Birnen durchbrennen hat lassen als ein großflächiger Stromausfall. Ja, das Knobelspiel von Entwickler Binary Impact macht es uns in vielerlei Hinsicht nicht leicht. Trotz eines kreativen Konzepts hat das Spiel, bei dem sich alles um eine Kugel dreht, viele Ecken und Kanten. In unserem Test erfahrt ihr, wo wir Verbesserungspotenzial sehen und was das Erstlingsspiel des deutschen Entwicklerstudios bereits richtig macht. Dabei haben wir einen Blick in die Beta-Version des Spiels geworfen, die noch nicht bis ins letzte Detail poliert war.
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In die Kapsel, fertig, los
Nach einem selbstverschuldeten Raumschiffabsturz ist es eure Aufgabe, euch euren Weg aus dem demolierten Weltraumschlitten zu bahnen. In der Rolle des ebenso enthusiastischen wie verplanten Kadettenoffiziers Martin steigen wir hierfür ein eine runde Rettungskapsel.
Umhüllt von der schützenden Metallkugel, die auf den wenig kreativen Namen "Marble" hört, rollen wir mit wundervoll flüssigen Bewegungen durch 19 Level voller Hindernisse und Rätsel, die uns immer weiter in Richtung Freiheit führen. Marble ist jedoch nicht einfach irgendeine Schutzkapsel. Sie besitzt eine künstliche Intelligenz und versprüht neben ihrem frechen Charme auch einen Spezialnebel, der verschiede Lichtstrahlen manipulieren kann. Unsere Bewegungen mit der Schutzkapsel sind allerdings beschränkt, denn die Kugel kann lediglich vor- oder zurückrollen, sowie einen kurzen Sprung vollführen. An einigen Stellen wird diese Mechanik aber dadurch aufgebrochen, dass die Level uns einen 90°-Richtungswechsel ermöglichen.
Quelle: PC Games
Wenn sich die Strahle kreuzen, müsst ihr auf ihre unterschiedlichen Eigenschaften achten. Der gelbe Kristall-Strahl erhärtet sich bei Nebelkontakt, während ihr am grünen Schleim-Strahl kleben bleibt.
Die bereits erwähnten Lichtstrahlen begegnen uns als Hauptelement in jedem Rätsel. Sie verbinden Wege und Plattformen miteinander und müssen von uns an den Richtigen Stellen angepustet werden, damit wir mit ihrer Hilfe im Irrgarten des Mutterschiffs vorankommen. Im Laufe des Spiels lernen wir fünf verschiedene Strahlenarten kennen, die allesamt unterschiedlich auf den Wundernebel in unserem begrenzten Tank reagieren. Während sich beispielsweise der gelbe Lichtstrahl erhärtet und uns auf ihm herumkugeln lässt, verwandelt sich der rote Strahl in eine Art Trampolin, auf dem wir in ungeahnte Höhen springen können. Sich mithilfe von Strahlen mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften einen Weg aus dem beklemmenden Schiff zu bahnen, klingt zunächst nach einem interessanten Konzept. Das kaum überhörbare "aber" im vorigen Satz, hat sich seinen Platz als subtile Andeutung von Kritik definitiv verdient, denn es gibt einiges am Puzzle-Erlebnis auszusetzen.
Planlos herumkugeln
Quelle: PC Games
Die Kugel haben wir gut im Blick, ein großer Teil des Rätselraumes bleibt jedoch durch das eingeschränkte Blickfeld verborgen. So ist es sehr schwer sich in der Welt von BEAM zu orientieren.
Abgesehen davon, dass wir recht undeutlich an die Geschichte des Protagonisten in der Kugel herangeführt werden und sich uns die Story aufgrund einiger in der von uns gespielten Beta-Version noch fehlender Cutscenes nur schwer erschließt, lässt uns auch der unübersichtliche Aufbau der einzelnen Level mit verwirrter Miene vor dem Bildschirm verzweifeln. Oft ist der festgestellte Bildausschnitt so klein, das wir uns nicht ansatzweise orientieren können. Auch viele Hindernisse sehen wir dadurch nicht früh genug, sobald wir erst einmal ins Rollen gekommen sind. Immerhin bietet das Spiel mehrere Lösungswege für seine Level. Wer sich also verläuft, hat sogar von dort aus noch die Chance, die Aufgabe auf alternative Art und Weise zu absolvieren. Zwar gibt uns BEAM (jetzt kaufen 3,95 € ) einige Hinweise, aber leider nicht dann, wenn wir sie brauchen würden. Stattdessen wirft uns das Spiel die Hilfestellungen automatisch nach einer viel zu langen Zeit an den Kopf. Zudem sind die Tipps oft so offensichtlich das sie uns kaum weiterhelfen.
Quelle: PC Games
Die Aufgabe ist klar: Wir müssen Strahl für Strahl nach oben springen. Das ist jedoch gar nicht so leicht wie es sich anhört, denn die kleinste falsche Bewegung, sorgt für euren Absturz.
Als wir also auf gut Glück unsere lineare Route entlangrollen und auf die ersten leuchtenden Hürden treffen, begegnet uns direkt die nächste Schwäche des Titels. Einen besonders großen Teil des Rätselspiels dürfen wir nämlich nicht mit Knobelaufgaben, sondern mit der millimetergenauen Durchführung der Drahtseilakte auf den schmalen Lichtstreifen verbringen. Dieses von Präzision geprägte Unterfangen belastet unsere grauen Zellen zwar auch, aber eher durch die Frustration der vielen gescheiterten Versuche. Haben wir zu unserer lange zuvor gefundenen Lösung endlich auch die Ausführung geschafft, spüren wir statt einer belohnenden Befriedigung nur eine große Erleichterung. Auch mit einem ausgleichenden Abwechslungsreichtum kann BEAM nicht punkten, denn die fünf Lichtstrahlen werden häufig von Level zu Level einfach in einer anderen Umgebung neu kombiniert und bieten dadurch wenig einzigartiges Gameplay. Lange Ladezeiten und kleinere Grafik-Bugs der Beta-Version lassen unser Tiltometer zusätzlich steigen.
Stimmige Atmosphäre
Quelle: PC Games
Der Lila Magnet-Strahl zieht alle metallischen Gegenstände an und sorgt mit seinem Licht für eine kontrastreiche futuristische Stimmung im Raumschiff.
Das einzig halbwegs Runde am Konzept von BEAM ist die Atmosphäre. Visuell überzeugt der Titel mit seinen subtilen Steampunk-Vibes und der bunten Lichtstimmung, die einen erfrischenden Kontrast zu dem sonst eher dunklen Setting bietet. Die einzelnen Level sind alle optisch unterschiedlich gestaltet und bieten kugelige Abenteuer in einem säureüberflutetem Kontrollraum, auf der Außenseite des Raumschiffes oder in völliger Dunkelheit. Dabei ist die Umgebung nicht statisch, sondern verändert sich dynamisch beim Passieren bestimmter Stellen. So legt zum Beispiel eine Explosion im Raumschiff neue Wege frei, auf denen ihr in Richtung Freiheit kullern könnt.
Untermalt werden diese stimmungsvollen Bilder von einem unspektakulären Soundtrack und atmosphärischen Geräuschen, wie dem Aufeinanderprallen angeschlagener Schiebetüren oder dem Knistern kaputter elektronischer Leitungen. Etwas weniger gut lassen sich die recht unterhaltsamen Gespräche zwischen den Charakteren in das düstere Setting integrieren. Einer unserer größten Kritikpunkte ist hierbei das Audiodesign der Dialoge. Durch einen extremen Hall-Effekt wird selbst die deutsche Vertonung so unverständlich, dass wir sogar die Untertitel anschalten mussten.
Dem Jungferntitel des deutschen IT-Unternehmens fehlt es definitiv noch an Reife. BEAM steckt voller frischer Ideen und Ansätze, die jedoch nicht alle benutzerfreundlich umgesetzt sind. Auf der offiziellen Entwicklerseite wurde allerdings bereits ein Level-Editor angekündigt, der mit dem ersten kostenlosen Update ins Spiel gebracht werden soll. Zumindest das Manko der unübersichtlichen und recht repetitiven Level könnte damit bald der Vergangenheit angehören.
Wer dem komplexen Titel von Binary Impact trotz unserer Kritik eine Chance geben möchte, kann ihn für einen aktuellen Vollpreis von ca. 16 Euro auf Steam erwerben und den Puzzle-Plattformer für gute zehn Stunden als Boxsack für seine unbändige Knobelwut missbrauchen.
