Bravely Second: End Layer im Test – Wie eine aufgewärmte Liebesbeziehung

Test Michael Stadler
Bravely Second: End Layer (1)
Quelle: Nintendo

Nach dem Überraschungserfolg von Bravely Default vor knapp drei Jahren schickt Entwickler Silicon Studio im Verbund mit Square Enix den Nachfolger Bravely Second: End Layer hinterher. Während im ersten Teil vor allem der Retro-Charme, das geniale Kampfsystem und das Gamedesign die Kritiker zu überzeugen wusste, gilt es nun herauszufinden, ob wir mit Bravely Second aufgewärmte Kost oder einen komplett neuen Gang serviert bekommen.

Neuer Held, alte Bekannte

Kaum angefangen nimmt das Spiel auch schon Fahrt auf. In einem Stimmungsvollen Intros werden wir noch einmal mit den Geschehnissen des ersten Teils konfrontiert. Ideal für Einsteiger - denen man eigentlich den ersten Teil zuerst ans Herz legen sollte - und für Fans des ersten Teils die nochmal alle Plot-Twists ins Gedächtnis geführt bekommen müssen. Anders als es beispielsweise in vielen Final Fantasy Ablegern der Fall war, müssen wir uns in Bravely Second nicht vollständig an eine neue Heldenbande gewöhnen. Zwar haben wir mit Yew, einem stinkreichen Alleinerben und Ritter der Kristallwache sowie der geheimnisvollen Magnolia, einer Kriegerin des Mondvolkes zwei neue Charaktere, jedoch haben auch Tiz und Edea erneut eine große Rolle innerhalb der Party.

Bravely Second: End Layer (3) Quelle: Nintendo Bravely Second: End Layer (3) Der Aufhänger des neuen Abenteuers ist die Entführung von Agnes, die es nach den Geschehnissen in Bravely Default zur Päpstin der Kristall-Orthodoxie gebracht hat. Wir hetzen also die komplette Spielzeit von mindestens 30 Stunden hinter einer schwebenden Festung und dem übermächtigen Anführer eines dunklen Imperiums her und versuchen Agnes aus der Gefangenschaft zu befreien - Star Wars wir hören dir trapsen, irgendwie!

Das können wir alles noch verwenden

In Sachen Gameplay sind ähnlich der Hauptfiguren lediglich wenige Verbesserungen zu erkennen. Zum Großteil ist der Schuster nämlich bei seinen Leisten geblieben. Wie im Vorgänger erwartet uns ein durchweg klassisches JRPG-Erlebnis mit dem bewährten Brave und Default Kampfsystem und allen angenehmen Features einer modernen Interpretation des Genres. So können wir beispielsweise die Spielgeschwindigkeit ebenso jederzeit beeinflussen wie den Schwierigkeitsgrad und die Zufallskämpfe. Wer mit dem Kampfsystem adhoc noch nichts anfangen kann, dem sei ein kurzer Einblick an dieser Stelle gewährt:

Bravely Second: End Layer (7) Quelle: Nintendo Bravely Second: End Layer (7) Brave und Default beschreiben zwei Kampfhaltungen der Partymitglieder, wobei Brave den offensiven und Default den defensiven Part übernimmt. Brave verbraucht "BP" genannte Kampfpunkte, Default spart sie an. Der Twist an der Mechanik ist jedoch, dass wir mit unseren BP auch auf Kosten einer mehreren Runden andauernden Untätigkeit ins Minus gehen dürfen. So ist es beispielsweise möglich, vermeintliches Kleinvieh sehr schnell zu besiegen oder in einem Bosskampf eine letzte, siegbringende Offensive zu starten. In unseren Brave-Momenten können wir dann wahlweise Standard-Angriffe oder Zaubersprüche einsetzen. Pro Charakter können wir maximal vier dieser Aktionen hintereinanderschalten. Dass Spezialmanöver nach wie vor mit Zeit oder echtem Geld erkauft werden müssen stößt uns auch nach drei Jahren noch etwas sauer auf. Gut, dass diese Spezialattacken nach wie vor kein zentrales Element im Hinblick auf das Erreichen des Abspanns darstellen.

Die angesprochenen Verbesserungen verbergen sich also bei Bravely Second im kleinen Detail. So heilen uns die Abenteurer bei denen wir unseren Spielstand speichern im Vergleich zum Erstling endlich vollständig.

Bei den Berufen stehen unserer Party insgesamt 30 Professionen zur Auswahl. Neben klassischen Jobs wie dem obligatorischen Magier stechen gerade die vielen Kombinationsmöglichkeiten heraus. Der auf die jeweilige Situation abgestimmte Jobwechsel ist umso wichtiger, je länger und vor allem schwieriger die Reise wird. Hilfreich ist dabei eine weitere Neuerung, die es Yew und Co. erlaubt bis zu vier Waffen zeitgleich mitzuführen.Malerisch melodramatisch

Bravely Second: End Layer (3) Quelle: Nintendo Bravely Second: End Layer (3) Optisch führt Bravely Second den charmanten, malerischen Stil des Vorgängers weiter. Die Kulissen überzeugen dank eines eigenständigen Designstils auf ganzer Linie. Sowohl Städte als auch Dungeons versprühen einfach einen Charme der uns sofort wieder vereinnahmen konnte. Das kann aber auch an einem Fakt liegen, mit dem sich Bravely Second viele Pluspunkte erarbeitet und zeitgleich wieder vergibt: Das Spiel verwendet zum einen zu viele Kulissen des ersten Teils und schickt uns innerhalb des Spielverlaufs viel zu oft wieder in bereits durchkämmte Gebiete. Nicht falsch verstehen: Wir haben nichts gegen diese Art der künstlichen Spielzeitverlängerung, hätten aber gerne eine bessere Aufgabe/Problemstellung damit verknüpft bekommen. Abseits der Optik kann Bravely Second mit einer angenehmen Vertonung und den aus Bravely Default bekannten überzogenen Dialogen punkten. Diese werden höchstwahrscheinlich die Spieler erneut in zwei Lager spalten.

Meinung

Wertung zu Bravely Second (3DS)

Wertung:

7.8 /10
Pro & Contra
Tolles KampfsystemAuthentische VertonungStimmungsvoller SoundtrackAusgereiftes JobsystemHübsche KulissenSpielgeschwindigkeit, Schwierigkeitsgrad und Zufallskämpfe anpassbar
Update-CharakterErneutes BacktrackingRecycling alter Schauplätze in zu hohem Maß

Bildergalerie

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