Auch nach der x-ten gespielten Landung in der Normandie kann dieser Weltkriegs-Shooter bis zu Letzt an den Bildschirm fesseln.
Ein noch realistischeres Spielgefühl?
Call of Duty 2
Um noch mehr Realismus zu vermitteln, haben die Entwickler den feindlichen Soldaten eine noch bessere KI verpasst, welche auch geübten Spielern auf dem normalen Schwierigkeitsgrad einiges abverlangt: Die deutschen Soldaten gehen in den meisten Fällen geschickt in Deckung, werfen Handgranaten zurück, rufen sich gegenseitig Statusmeldungen zu und greifen ganz besonders im Nahkampf erbittert an. Aber auch die eigenen Teammitglieder, von denen man eigentlich ständig umgeben ist, agieren schlau und kämpfen glaubhaft mit euch Seite an Seite. Trotzdem fällt irgendwann auch auf, dass die Kameraden alleine keinen einzigen Kampf gewinnen würden, das Spiel verlässt sich logischerweise einzig und allein auf das Geschick des Spielers. Schon kurz nach Spielbeginn bemerkt man in "Call of Duty 2" das Fehlen jeglicher Anzeigen für Lebensenergie oder Schutzwesten. Zu Gunsten eines realistischen Spielgefühls gibt es in diesem Shooter auch keine "Medipaks" oder Sanitäter - wer zu viele Treffer einsteckt, stirbt sofort. Auch die von vielen Spielern gern und oft eingesetzte Quicksave-Taste, wurde wegrationalisiert, dafür aber jede Menge gut platzierte Checkpoints in den Levels verteilt. Der spielbare Krieg wird durch diese fehlenden Hilfen zwar etwas glaubhafter, jedoch ist es auch genau dieses Spielelement, das wiederum einige Logikfragen aufwirft. Wer nämlich nur hin und wieder eine Kugel fängt, scheint sich nach einer kurzen Verschnaufpause automatisch wieder davon erholt zu haben und kann ohne Nachteile weiterkämpfen. Nur wenn man innerhalb sehr kurzer Zeit zu viele Treffer kassiert, ist das Spiel vorbei und man muss am letzten Checkpunkt neu beginnen. Wer also wie "Rambo" höchstpersönlich durch die feindlichen Linien und damit den vorgegebenen Missionsablauf brechen möchte, hat keine Chance zu überleben. Wer jedoch nach jedem Treffer eine kurze Pause einlegt, kann auch mehrere Salven eines MG 42 ohne Probleme wegstecken.
Wenig Umfang - viel Mehrspielermodus
Call of Duty 2
Wer sich auf die beiden Schwierigkeitsgrade "Leicht" und "Normal" beschränkt, hat "Call of Duty 2" auch ohne Quicksaves und Medikits in ca. 6-8 Stunden durch. Das ist nicht gerade viel, auch für einen Shooter nicht. Entschädigt wird dieses Manko allerdings durch einen hervorragenden Mehrspielermodus, welcher keinerlei Wünsche offen lässt. Gleich im integrierten Serverbrowser fallen einige der Vorteile auf: integrierter Sprachchat, gute Filter- und Sortiermöglichkeiten sowie Servergrößen von bis zu 60 Spielern gleichzeitig. Im Spiel selbst ist uns dann noch die geniale Idee der "Abschusskamera" aufgefallen, welche euch nach dem Bildschirmtod die letzten Sekunden aus der Sicht eures Gegenspielers zeigt und damit sehr deutlich und komfortabel auf Camper, Cheater oder einfach nur gutes Können aufmerksam macht. Die gebotenen Spielmodi sind größtenteils typische Standardkost wie "Deathmatch", "Team Deathmatch" oder "Capture the Flag" und werden auf insgesamt 13 verschiedenen und trickreich gestalteten Maps ausgetragen. Außerdem stehen der von "Counter Strike" inspirierte Modus "Suchen und Zerstören" und der völlig neue Spielmodus "Hauptquartier" auf dem Programm. Hierbei sammelt ein Team nur dann Punkte, solange es einen bestimmten Ort auf der Karte halten kann. Das Ganze läuft rundenbasiert ab und in jeder neuen Runde wechseln die Basispunkte für das aufzubauende Hauptquartier ihre Position. Die nötige Taktik für diesen Spielmodus macht ihn zu weitaus mehr als simplem Geballere und dank integriertem Sprachchat sind die Teams vom Fleck weg bestens organisiert.
Trickreich und beeindruckend: Die Technik
Call of Duty 2
Angeblich haben die Macher von Infinity Ward dem Spiel eine völlig neue und selbst programmierte Grafikengine spendiert, jedoch finden sich auf der Packung immer noch Hinweise auf lizenzierte ID Software-Technologie. Viel hat das Spiel aber wirklich nicht mehr mit "Quake 3" zu tun, die Entwickler haben dem Spiel ein ausgiebiges DirectX9-Facelifting verpasst und eine Unmenge von neuen Spezialeffekten hinzugefügt, wodurch das Ganze absolut aktuell und konkurrenzfähig aussieht. Nahezu jede Oberfläche wurde mit hochauflösenden Texturen und Bump-Mapping überzogen, zudem setzt "Call of Duty 2" auf HDR-Rendering, welches sehr realistische Lichteffekte möglich macht. Seht ihr beispielsweise von einem dunklen Raum durch ein helles Fenster, kommt ein leichter aber sehr authentischer Blend-Effekt hinzu, ähnliches passiert wenn ihr direkt in die virtuelle Sonne blicken solltet. Noch besser wird dieser Effekt, wenn die Umgebung mit Nebelgranaten verdunkelt wurde und man dann in den Himmel blickt: Durch den eindrucksvoll gerenderten Rauch hindurch erkennt man dann noch die Korona der Sonne - ein verblüffend realistischer Effekt. Sehr hilfreich fanden wir die "DirektX7"-Einstellung im Optionsmenü: Hierbei wird anscheinend die komplette Grafikengine ausgetauscht und macht das Spiel somit auch auf älteren Rechnern ohne Probleme und Ruckler lauffähig. Auf die genialen Licht- und Raucheffekte muss man dann natürlich verzichten und das Spiel gleicht seinem Vorgänger dann fast wie ein Ei dem anderen - dafür kann man sich aber auch die Anschaffung einer neuen Grafikkarte sparen.
Call of Duty 2
Natürlich dürfen wir auch die geniale Soundkulisse des Spiels nicht ohne Lob entlassen, denn ein Großteil der von uns so oft gepriesenen Atmosphäre des Spiels entsteht einzig und allein durch die authentischen Waffeneffekte, die professionelle Vertonung der Soldaten und den schrecklich-realen Kriegslärm. Ganz besonders die in einiger Entfernung tobenden Kämpfe werden allein durch die Soundkulisse zum Leben erweckt und machen die düstere und oftmals verzweifelte Kriegsatmosphäre nur noch erdrückender. Auch die Lokalisierung ist auf einem hohen Niveau und wurde von professionellen Sprechern realisiert. Schade nur, dass man das Spiel nicht auf Englisch umstellen kann, da die in der lokalisierten Version natürlich nicht nur die deutschen Soldaten, sondern auch die Alliierten Teammitglieder Deutsch sprechen, was mitunter zu etwas Verwirrung führen kann.
