Wer noch Lust auf den zweiten Weltkrieg hat, bekommt dank neuer Steuerung eine überaus interessante Erfahrung spendiert.
Merkwürdige Kollegen & schießfaule Gegner
Call of Duty 3
Zunächst sollte man eine grundlegende Frage klären: War es Absicht oder nicht? Die Rede ist von den eigenen Teamkollegen, die in der Xbox 360 Version durchaus als dumm und hinderlich beschrieben werden können. Oft und gerne standen sie einem im Weg und haben dann und wann den Rückzug verhindert und somit den eigenen virtuellen Tod auf dem Gewissen. Anders hingegen beim Wii-Vertreter, bei dem der Spieler augenscheinlich in der Lage ist, die jeweiligen Kriegswirren durch seine Kollegen erledigen zu lassen. Na ja, teilweise jedenfalls. Zwar stehen die Kumpel immer noch im Weg und hindern einen daran, dass man sich zurückziehen kann - aber immerhin ballern sie dabei was das Zeug hält, womit die Gegner in Schach gehalten werden und wenig Gelegenheit haben euch eine auf den Pelz zu brennen. Außerdem kommt hinzu, dass die Widersacher an sich auch ein sehr merkwürdiges Verhalten an den Tag legen und die Kämpfe in Frankreich eher wie Kindergeburtstag denn wie kriegerisches Treiben erscheinen lassen. Denn am Ende spielt es keine Rolle, ob eure Kollegen einen richtigen Job erledigen oder nicht, denn die Gegner haben scheinbar nicht gelernt mit der Waffe umzugehen. Oft stehen sie einfach wie in die Landschaft gepflanzt da, den Schießprügel im Anschlag und ihr könnt seelenruhig vorbei laufen und es passiert ... genau, nichts. Auf der anderen Seite bleibt es allerdings nicht aus, dass euch dann und wann doch die Kugeln um die Ohren fliegen - vorzugsweise dann, wenn ihr genügend Deckungsmöglichkeiten in der Nähe habt. Denn einen Obolus könnt ihr voll und ganz genießen: Selten bis gar nicht werdet ihr den virtuellen Tod sterben - dafür sorgen allein die eher schießfaulen Gegner, die meistens auch zu wenig Zielwasser getrunken haben.
Schwierigkeiten - wo?
Ein vermeintlich hoher Schwierigkeitsgrad ist noch lange kein Garant dafür, dass die daraus resultierende Herausforderung auch wirklich spannend und hochkarätig ist. Oftmals kann auch genau das Gegenteil der Fall sein, wie auch der vorliegende Fall einmal mehr eindrucksvoll beweist. Angesichts der Tatsache, dass die eigenen Leute als auch die Gegner über keinerlei Hirn verfügen von dem sie wüssten, erweist sich der kriegerische Auftrag als eher einfaches unterfangen. Dank der geringen Gegenwehr bzw. der unzureichenden Trefferquote der feindlichen Soldaten, könnt ihr sogar einfach durchlaufen - so fern ihr das wolltet - und würde dabei nicht nur keinen Schaden nehmen, ihr könntet euch auch darauf verlassen, dass eure Teamkameraden die Arbeit verrichten. Es braucht zwar dann ein wenig länger, aber am Ende zählt nur das Ergebnis und wenn ihr den nächsten Checkpoint erreicht habt, kräht ohnehin kein Hahn mehr danach, was im letzten Abschnitt wichtig gewesen wäre.
Call of Duty 3
Und unterm Strich scheint dieses Vorgehen auch ganz nützlich zu sein, vor allem dann, wenn man sich die eher missglückte Steuerung einmal näher zu Gemüte führt. Denn das am Ende die Wii-Version von Call of Duty 3 im Verhältnis gesehen überaus einfach, ja sogar kinderleicht geworden ist, liegt ohne Zweifel an der Steuerung. Bockig, z.T. mit Verzögerungen und meistens eher ungenau lässt sie Shooter-Spieler eher in die Wiimote beißen als das sie sich über eine neue Möglichkeit freuen könnten. Sehr schnell vermisst man die butterweiche und vor allem überaus sensible 2-Stick-Steuerung, mit der man nicht nur besser zielen kann, sondern die sich auch als deutlich zuverlässiger hinsichtlich des Anvisierens beweist. Vor allem stört es die Sticks nicht, wenn man mal einen eher unruhigen Arm vom ewig langen ausstrecken bzw. hoch halten hat. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Passage überaus kompliziert gelöst worden sind, wobei man auch klar sagen muss: Dem Spiel Action durch die Steuerung zu verpassen ist die eine Sache, aber dann sollte die Ausführung auch stimmen und nicht zu Frustanfällen führen. So bleibt es dann auch nicht aus, dass die Quick-Time-Events eine - sagen wir - merkwürdige Art an den Tag legen, wie sie gehandhabt werden sollen. Allerdings ist es nicht unbedingt die Ausführung, die nervig erscheint, vielmehr die Umsetzung bzw. Reaktion, welche zu wünschen übrig lässt. Ein Feintuning in Sachen Timing wäre hilfreich gewesen und hätte den neuen Steueroptionen auf jeden Fall gut getan. Bis man das Spiel der Quick Times raus hat und die z.T. verlangten Wechselbewegungen so ausführt, dass das Spiel sie auch akzeptiert, werden einige Versuche verschlingen und mit jedem Mal mehr setzt die Unzufriedenheit ein. Und so wünscht man sich nichts mehr als zwei Trigger, die nicht nur gut sondern auch im ersten Anlauf den gewünschten Erfolg geliefert haben.
Gleiches gilt leider auch für die durchaus interessanten Panzer-Intermezzos, da man seine Fähigkeiten als Späher unter Beweis stellen kann. Einfach und präzise geht die Steuerung mit dem Pad vonstatten - und wieder einmal kann die Wii-Steuerung nicht mithalten, da zu viele Aktionen für die Späherei auf die Wiimote gelegt worden sind. Nicht nur das Anvisieren muss mit der Wiimote ausgeführt werden, auch das zoomen sowie die Zielbestätigung. Klingt einfach, stellt sich in der Praxis allerdings als wenig tauglich dar, denn dank der eher unglücklich gewählten Tastenbelegung ist eine Ein-Hand-Bedienung so gut wie nicht möglich, denn diese hat meistens zur Folge, dass die Zielerfassung verzogen wird und der Panzerfahrer euch anmault, wohin er denn jetzt endlich schießen darf. Denn nur einwandfrei erfasste als auch bestätigte Ziele werden - so fern erfolgreich initiiert - unter Beschuss genommen.
Das kenn' ich doch?
Wiederholungstätern in Sachen Call of Duty wird sehr schnell auffallen, dass viele im Spiel vorhandenen Sprachsamples 1:1 identisch mit denen des Vorgängers sind. Warum auch immer hat man sich bei Activision / TreyArch dazu entschieden, vorhandene Tonspuren nochmals zu recyceln. Leider bekommt ihr - zumindest bezogen auf die rein deutsche Fassung - auch nur deutsche Sprachausgabe serviert, die zusammengenommen und im Vergleich mit dem englischen Original, eher lustlos und partiell auch uninspiriert über die Lautsprecher kommt. Glänzt das Original u.a. auch mit den verschiedenen Akzenten, welche eure Verbündeten auszeichnen, hört man in der deutsche Synchronisation leider gar nichts davon. Immerhin stimmen die kraftvolle Umgebungs- und Aktionsgeräusche. Hierbei sind u.a. die heftigen Schusswechsel zu nennen, die Explosionen oder aber das Brummen von Fahrzeugen, Panzern sowie Flugzeugen. Und auch die wieder sehr episch gewordenen orchestralen Begleitungen, die - je nach Situation - das Geschehen antreiben bzw. auch mal einen akustischen Moment der Ruhe offenbaren, sind einfach gut geworden.
