Ein Edelwestern in Videospielform der wie seine Hauptdarsteller auch Ecken und Kanten aufweist.
Grafik & Sound
Call of Juarez: Bound in Blood
Optisch gibt sich Bound in Blood kaum eine Blöße. Die Weitsicht ist mitunter atemberaubend und die Designer haben für viel Abwechslung gesorgt, so dass wir immer wieder etwas Neues zu sehen bekommen. Glanzstück jedoch sind unsere beiden Brüder Thomas und Ray, zwei richtige Charakterköpfe die im Grunde auch recht gut animiert wurden. Zwar gibt es schon den ein oder anderen Animationssprung, doch das ist vernachlässigbar. Lästig aber sind die immer wieder eingestreuten Ladeunterbrechungen, welche das komplette Geschehen ganz kurz einfrieren lassen. Dauern diese auf der Xbox 360 im Schnitt ein- bis drei Sekunden, hat man das Spiel auf die Festplatte installiert sind sie sogar noch kürzer, müssen wir auf der Playstation 3 bis zu 5 Sekunden hinnehmen, während derer mitunter auch noch der Ton aussetzt. Dies fällt deswegen so auf, weil sie relativ häufig vorkommen. Zwar seltener während der Kampfsequenzen, aber recht oft wenn wir uns schnell durch das Gelände bewegen. Etwas übertrieben haben es die Entwickler mit dem Unschärfeeffekt bei Erschütterungen. Egal ob eine Kanonenkugel neben uns einschlägt oder Dynamit explodiert, sofort beginnt das Bild zu zittern und wird ziemlich unscharf. Besonders in den Schützengräben, wo permanent irgendetwas um uns herum explodiert, kann das echt lästig sein, wenn man einfach nicht sieht wohin man schießen soll.
Call of Juarez: Bound in Blood
Während die musikalische Untermalung durchwegs begeistern kann und auch die Geräusche herrlich ins Setting passen, wie die Kirchenglocke beim Duell, die Signaltrompeten während des Bürgerkriegs oder auch das Gewieher der Pferde, hinterließ die Sprachausgabe einen zwiespältigen ja fast tragischen Eindruck. Derweil verrichten die Sprecher der Hauptdarsteller im Grunde einen guten Job, besonders Rays überbetonte Sprechweise passt herrlich zu seinem ungestümen Charakter, wohingegen Thomas auch so klingt wie er handelt, nämlich eher bedacht und ruhig. Doch ging beim Abmischen der Sprachausgabe irgendetwas daneben. Mitunter geht die Sprachausgabe im Spielsound ziemlich unter und man versteht nur noch jedes zweite Wort, wohingegen einen der Erzähler während der Ladesequenzen regelrecht aus dem Stuhl bläst, so laut spricht er, aber das ganz sanft. Den restlichen Charakteren hat man ebenfalls ganz angenehme Stimmen verliehen, doch traue ich mich sagen, dass Roys und Thomas' kleiner Bruder, der wohl zu tief in die Bibel geschaut hat, schon eine recht Milchbubi mäßige Stimme besitzt, die einen mit ihren Bibelsprüchen nervt. Das ist wahrscheinlich sogar so gewollt, ging mir persönlich aber recht schnell auf den Senkel. In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass wir nicht ganz nachvollziehen konnten weshalb das Intro des Spiels in englischer Sprache läuft, wo doch der komplette Rest des Spiels eingedeutscht wurde. Ob dies Absicht war oder aus Versehen geschah, können wir nicht sagen.
Multiplayer
Call of Juarez: Bound in Blood
Der Multiplayer-Modus bietet uns nur auf den ersten Blick bekannte Kost, denn das grundlegend Andere an ihm ist, dass sich alles um ein System aus Kopfgeld und Kills dreht, sowie den vielen verschiedenen Charakterklassen, von denen die Hälfte erst einmal freigespielt werden will. Doch weil ich euch nicht lange mit der Aufzählung dieser langweilen will, erkläre ich das System Anhand der "Schießerei", die im Grunde ein Deathmatch darstellt. Doch zählen hier nicht die Kills, sondern das Kopfgeld. Für jeden niedergestreckten Gegner erhöht sich das eigene Kopfgeld, und man selbst erhält das Kopfgeld des jeweiligen Gegners. Dabei spielt die eigene Charakterklasse insofern eine große Rolle, als dass sie über recht unterschiedliche Attribute verfügen. Da gibt es schnelle Klassen, wie den Indianer, genauso wie es Allrounder gibt, wie den Gewehrschützen, oder Taktiker, wie den Bergarbeiter, welcher der Meister im Umgang mit dem Dynamit ist, der aber auf weite Entfernungen kaum zu gebrauchen ist.
Bei den insgesamt fünf verschiedenen Spielvarianten haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen, doch besonders wenn man sich unbedacht ins MP-Spiel stürzt, kann es schon mal passieren, dass man nicht so recht weiß, worum es nun geht. Zumindest sollte man sein Headset benutzen um sich mit den Mitspielern absprechen zu können, denn speziell die Modi "Bande" und "Historische Ereignisse" können sonst schnell im Chaos für das eigene Team verlaufen. Hat man jedoch die richtigen Mitspieler gefunden, machen sie genau deswegen umso mehr Spaß.
