Im neuen Castlevania haben die Werwölfe und Vampire nichts zu lachen, während wir uns über einen gelungenen Reboot freuen.
Castlevania: Lords of Shadow
Da man zu Anfang des Spiels logischer Weise noch nicht über alle Fähigkeiten und Kombos verfügt, erreicht man spezielle Orte nicht immer auf Anhieb. Damit wird der Wiederspielwert jedoch ungemein erhöht, da man mit neuen Artefakten und Fähigkeiten in frühere Level zurück kehren und zuvor unerreichbaren Stellen einen erneuten Besuch abstatten kann. Manchmal ist solch ein Besuch sogar äußerst lohnenswert, da man so in den Besitz von weiteren Gesundheits- oder Magiesteinen gelangt, welche die entsprechenden Anzeigen wachsen lassen. Jeweils fünf Lebens- Licht- oder Schattenmagie-Steine gilt es von gefallenen Soldaten zu sammeln, bevor Gabriels jeweilige Anzeige etwas mehr Saft erhält. Zusätzlich kann man mit dem Töten von Gegnern Erfahrungspunkte sammeln, die anschließend in neue Kombos oder Magiefähigkeiten investiert werden können, um die 12 Kapitel meisterlich zu absolvieren. Außerdem werden nach dem Absolvieren eines Abschnitts neue Missionsziele frei geschaltet, die zusätzliche Erfahrungspunkte bringen und Gabriel noch stärker werden lassen.
Castlevania: Lords of Shadow
Abschließend wären da noch die Reittiere zu erwähnen, die Gabriel dabei helfen unüberwindbare Hindernisse zu passieren. Diese stehen aber nicht zahm und angebunden an der Ecke, sondern wollen erst einmal "dressiert" werden. Eine gehörige Massage mit der Peitsche lässt die Lebensenergie der Bestie entsprechend schrumpfen, wonach man sich ihr nähert und ein kleines Quick Time Event absolvieren muss, um auf den Rücken zu klettern. Ist man erst einmal an Bord, kann man das übergroße Vieh nicht nur dazu nutzen um durch die Gegnerhorden zu metern, sondern auch um an bestimmte Stellen zu gelangen. Ein Kampfschwein reißt zum Beispiel lästige Türen ein, während eine Spinne Brücken webt und ein Varg hervorragend springen oder an Ranken hinaufklettern kann. Geht das Reittier während eines Kampfes jedoch auf die Knie gilt es sich ein neues zu angeln und zuzureiten, um die jeweilige Stelle zu passieren.
Quelle: Konami
Castlevania: Lords of Shadow
Wie? Nur 12 Kapitel wird sich der ein oder andere fragen, während sich der geneigte Xbox 360 Spieler wundert, warum Castlevania: Lords of Shadow auf 2 Disks ausgeliefert wird. Auf der Playstation 3 hingegen findet Gabriels Abenteuer jedoch auf einer Blu-ray Disk Platz und benötigt weder lange Ladezeiten, noch eine Vorinstallation. Verfrachtet man die Spieldaten auf die Festplatte der Xbox 360, ist hier aber kein Unterschied festzustellen und auf beiden Konsolen alles läuft flüssig, schnell und ohne Zwischenladezeiten innerhalb der Level ab. Lasst euch von der mageren 12er Angabe allerdings nicht täuschen, denn das Spiel ist wahnsinnig umfangreich, da die besagten 12 Kapitel nochmals in verschiedene Level gesplittet wurden. Manchmal muss man sich somit durch mehr als ein halbes Dutzend weiterer Level kämpfen, weswegen die Spielzeit enorm hoch ausgefallen ist. Wer innerhalb von 15 Stunden den Abspann über den Bildschirm flimmern sieht kann sich selbst als "schnell" bezeichnen, doch wer alles erkunden möchte und eher gemächlich vorgeht wird nicht unter 20 Stunden bleiben. Value for Money, sozusagen. Natürlich gibt es die ein oder andere Länge im Spiel, doch die packend inszenierten Bosskämpfe trösten schnell über den ein oder anderen eher sinnfreien Laufweg hinweg. Meist gilt es die Schwachstelle des Obermotzes auszumachen, um dann gnadenlos darauf einzudreschen, doch auch wenn sich dies einfach anhören mag, muss man manchmal eine gewisse Taktik an den Tag legen, um den Übeltäter zu Fall zu bringen. Die Kämpfe gegen die übergroßen Titanen erinnern hier ein wenig an des PS2-Klassiker Shadows of the Colossus und verlangen präzise Kletterkünste und gut getimte Quick Time Events. Mitunter kann dies zu Frustattacken führen, da das Spiel generell wenig erklärt und den Spieler selbst probieren lässt. Aber wie heißt es so schön? Probieren geht über studieren. Auch die Rätsel sorgen für die ein oder andere Kopfnuss und strecken die Spielzeit, da man teilweise wahrlich gut überlegen muss, wie man diese bestehen kann. Entsprechende Schriftrollen sorgen hier für Hinweise und meist kann man die Rätsel auch überspringen, erhält dann aber keine zusätzlichen Erfahrungspunkte. Im späteren Verlauf schaltet man hiermit sogar Bonusspiele wie das XXX frei. Wer sich besonders anstrengt kann sogar mit ein paar Accessoires von Solid Snake durch das Land der Vampire und Werwölfe ziehen.
Quelle: Konami
Castlevania: Lords of Shadow
Gleich von der ersten Sekunde des Spiels sind die Schreckenstage der Vergangenheit vergessen, denn man kann ohne Zweifel behaupten, dass Castlevania: Lords of Shadow wirklich grandios inszeniert wurde. Das Charakterdesign ist ausgefeilt und die generelle Architektur des Spiel einfach großartig. Durch die starre Kamera wurde den Entwicklern zudem ermöglicht ganz besonders epische Einstellungen und Kamerafahrten zu liefern, auch wenn nicht immer der richtige Winkel gewählt wird, um Gabriel in den Fokus zu rücken. Sicherlich ist dies eine kleine Schwachstelle, doch da diese ungünstigen Einstellungen nicht an jeder Ecke auf den Helden lauern, dürfte es ein verschmerzbares Übel sein.
Quelle: Konami
Castlevania: Lords of Shadow
Grafisch braucht sich das Spiel ebenfalls nicht zu verstecken und hält einige tolle Licht- und Schatten, sowie abwechslungsreiche Umgebungen bereit. Sicher, die Gegner kommen einmal mehr aus der Klonfabrik, treten aber äußerst facettenreich und in einer großen Vielzahl in Erscheinung. Allen voran natürlich die imposanten Bossgegner, die euch ordentlich auf Trab und vor allem in Atem halten. Besondere Erwähnung sollte jedoch die unvergleichliche Architektur finden, denn den Entwicklern ist es gelungen eine eigene Welt, mit ihrer eigenen Kultur und Symbolik zu erschaffen, was wahrlich keine leichte Aufgabe ist. Alle Gebäude und Level, seien sie noch so linear, wurden wirklich hervorragend gestaltet und mehr als glaubwürdig in Szene gesetzt. Wenn man einmal einen Gabriel durch eine Bibliothek hat wüten sehen, während die zerfetzen Buchseiten im Schimmer des Kerzenlichts in der Luft tanzen, dann dürfte man diese Ansicht durchaus teilen. Die teils zerstörbaren Umgebungen wurden mit sichtlich viel Liebe zum Detail gestaltet und das Charakterdesign wohl überlegt. Manche der Endbosse wirken bedrohlich, schier unbezwingbar und lassen den Puls des Spielers während des Kampfes in die Höhe schnellen. Von einem Metzger mit blutigen Messern durch eine Gedärm bespritze Kammer gejagt zu werden ist eben kein lustiges Ereignis. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt und zwar der Darstellung von Gewalt im Spiel wären. Uncut-Freunde wird es freuen zu hören, dass Castlevania: Lords of Shadow gänzlich ungeschnitten und sogar "ab 16" in Deutschland erhältlich ist, während sich andere Fragen warum die USK den Spiel keine "ab 18" Plakette aufgedrückt hat. Gut, unnötig blutig und maßlos gewalttätig ist das Spiel nicht, doch trifft man die Gegner mit seiner Peitsche kann es schon vorkommen, dass der ein oder andere auf blutige Art und Weise zerplatzt. Und wenn Ghouls schmatzend am Menschenfleisch nagen, bzw. man Gegnern Pfähle durch die Köpfe treibt, dann ist endgültig Schluss mit den Albernheiten vergangener Tage und man erlangt die Erkenntnis, dass man definitiv eine neue Castlevania-Ära vor sich hat.
