Colin McRae: DIRT im Gamezone-Test

Test Peter Grubmair

DiRT ist anders als die vorhergehenden Colins. DiRT ist laut, schnell, dreckig und macht unglaublichen Spaß.

Das Online-Gaming

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Es besaßen auch schon die vorherigen Colins Ansätze eines Online-Gamings, zwar kein richtiges, aber wenigstens eines mit Ghosts aus Drahtgittermodellen, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man sich bei Codemasters auch in der Richtung Gedanken gemacht hat wie man einen vernünftigen Online-Mode in ein NextGen Colin McRae integriert. Was dabei herausgekommen ist, darf man ungestraft als einmalig bezeichnen. Vielleicht nicht einmalig gut, aber ganz sicher einmalig. Das beginnt schon mit der Bezeichnung auf der Verpackung, die uns einen Online-Mode für 2 bis 100(!) gleichzeitig fahrenden Spielern anpreist, was einem Rallye-Freak sowieso schon seltsam vorkommt, denn auf einer Rallyepiste ist man nun mal alleine unterwegs, bzw. starten die Fahrer mit einem gewissen Zeitabstand um sich nicht gegenseitig ins Gehege zu kommen. Ist es das etwa, was Codemasters tatsächlich geschafft hat? Ein richtiger online Rallye-Event mit nacheinander startenden Teilnehmern?

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Leider nicht, bei Codemasters ist man stattdessen auf eine ganz andere Idee gekommen, die Idee der gigantischen Lobby. Denn starten wir den Multiplayer-Mode per Xbox LIVE, können wir uns gerade mal zwischen einem bewertetem oder einem unbewertetem Spiel entscheiden, und schon befinden wir uns mit irgendwelchen Spielern in einer Lobby, die wie angegeben bis zu 100 Spieler aufnehmen kann. Die hören wir aber nicht, insofern wir nicht einen expliziten Sprachkanal zu einem anderen Spieler öffnen, und sehen können wir sie auch nur in der Lobby-Liste. Dort wird nicht nur angezeigt wer welche Punkte und welche Zeiten errungen hat, dort können wir auch an der Wahl der nächsten Strecke teilnehmen, welche gleichzeitig vorschreibt welches Auto zu benutzen ist. Genau 60 Sekunden wird uns dafür Zeit gegeben, dann wird die von dem meisten Spielern gewählte Strecke gestartet.

Und wer nun glaubt im Rennen selbst irgendwas von den bis zu 100 Mitspielern mitzubekommen, wird leider enttäuscht werden, denn bei dem was sich Codemasters ein Online-Rennen nennen traut, handelt es sich in Wirklichkeit um Zeitrennen die man alleine vor dem Schirm abspult, während einem die Zeiten der anderen Fahrer eingeblendet werden, so dass wir unsere Position im Feld einschätzen können. Das war es leider auch schon. Es gibt auch keine andere Spielvariante für zwei Spieler beispielsweise, oder ein Ghost-Rennen oder ähnliches. Es gibt nur die gigantische Massenlobby für 100 Spieler.

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Das alleine ist im Grunde nicht schlecht, denn nur wenn man alleine auf der Piste ist erreicht man Bestzeiten, trotzdem hätte man dem Spiel wenigstens eine weitere Variante bei der man von der Existenz der Mitspieler wenigstens etwas mitbekommt, spendieren sollen. Denn auch wenn das Genre der Rallyespiele auf der 360 noch mehr als dünn besiedelt ist, muss sich auch ein Colins an den bereits erhältlichen Rennspielen orientieren, und speziell was den Online-Mode angeht, muss man leider sagen, dass die 100 Spieler-Lobby sicher eine gute Idee war, sich in der Praxis aber einem Project Gotham Racing 3 oder einem Forza Motorsport 2 geschlagen geben muss. Denn wenn ich Bestzeiten erringen will, bemühe ich die "Rallye-Welt", online aber möchte man mit den anderen Fahrern spielen, und nicht alleine vor dem Screen vereinsamen.

Die Technik

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Technisch begeistert die Xbox 360 Version vor allen Dingen wegen der brillanten Grafik und der praktisch immer flüssigen Wiedergabe. Zwar hat man es mit dem Dynamic Lightning ein ganz klein wenig übertrieben, was das Gesamtbild mitunter etwas überbelichtet erscheinen lässt, und an wenigen Stellen verliert das Spiel auch mal ein Frame, ansonsten jedoch kann man sich an der hohen Detailfülle, den realistisch zerstörbaren Objekten wie Zäune und Bäume erfreuen, und nicht zuletzt am aufwändigen Schadenssystem. Speziell letztgenanntes ist wirklich eine Schau und dürfte in dieser Detailverliebtheit bis dato einmalig sein. Fahren wir beispielsweise ein Verkehrsschild über den Haufen, verformt es zuerst unsere Front, bricht sodann ab und schlägt in die Windschutzscheibe ein, welche in Tausend Teile zerbricht, um sodann komplett mit der aufgelösten Scheibe über unser Dach hinweg zu segeln.

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Ein Punkt der die Colin-Spiele schon immer auszeichnete war der hervorragende Beifahrer. Auch wenn es durchaus andere gute Rallyespiele gibt, eine so gute Ansage wie in Colin gab es nirgendwo. Und so ist es auch mit Colin McRae DiRT, wenn auch mit einer gewissen Einschränkung, denn den vielen neuen Rallyes und den neuen Fahrzeugen haben wir es zu verdanken, dass wir nicht selten alleine im Fahrzeug sitzen und ganz ohne Beifahrer auskommen müssen. Dem Arcade-Gedanken haben wir es wohl zu verdanken, dass sich unser Beifahrer, insofern auf seinem Platz, auch zu diversen Bemerkungen hinreißen lässt. Entweder ein Lob, weil wir die Bestzeit eingefahren haben, oder eine Rüge, wenn wir ein Rennen abbrechen zum Beispiel. Als Simulationsfreak könnte einem das missfallen, da aber auch der komplette Rest des Spiels deutlich "arcadiger" ausgefallen ist, passt es gut ins Gesamtbild hinein.

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Aus den Fünf plus einen dicken Lautsprechern tönt während der Rennen eine sehr gelungene Surround-Kulisse, die uns nicht nur jeden einzelnen Stein der durch die Cotflügel scheppert hören lässt, sondern auch Defekte hörbar macht und generell mit ihrer Dynamik begeistern kann. Zwar gibt es durchaus einige Fahrzeuge die durch ihre permanent hohe Drehzahl eher wie Nähmaschinen als wie Rallyeboliden klingen, dafür liefern andere das erwartete Sounderlebnis aus tiefen Bässen und aggressivem Brummen. Wie gewohnt gibt's während der Rennen keine Musikuntermalung, auch nicht bei denen wo wir auf den Beifahrer verzichten müssen.

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Dafür passt die verwendete Musik im Menü hervorragend zum Spiel, auch wenn sich das eine Stück natürlich andauernd wiederholt. Auf die Dauer eher etwas irritierend ist dieser Forrest Gump, der es mit seinen Tipps sicher nur gut meint die er uns während des Navigierens durch die 3D-Menüs gibt, trotzdem wartet man ständig auf die Aufforderung endlich zu laufen, statt zu fahren. Vielleicht wäre an dieser Stelle eine weniger sympathische dafür etwas rauere Stimme angesagt gewesen, schließlich spielen wir hier ein Colins und keine Sims oder Tierklinik. Davon abgesehen aber leistet der Synchronsprecher ganze und professionelle Arbeit und sollte eigentlich nicht dafür gescholten werden.

Colin McRae: DIRT Colin McRae: DIRT Die Steuerung per Pad funktioniert gut, wenn man sich erst einmal an das überrealistische Ansprechverhalten der Wagen gewöhnt hat. So kommt es, dass man oft mit Vollausschlag lenkt und voll auf dem Gas steht oder voll in die Eisen steigt. Es dauert nur wenige Rennen und man hat ein Gefühl dafür entwickelt. Die verschiedenen Kameraperspektiven sollten für jeden Spieler die ideale bereithalten, wobei es mir persönlich so erging, dass ich die "echten" Rallye-Herausforderungen mit dem Beifahrer an der Seite am liebsten mit der Motorhaubensicht gespielt habe, auch wenn uns einzig die Helmsicht die Möglichkeit bietet zur Seite zu blicken, wohingegen ich bei den anderen Rennen die Verfolgerkamera benutze, weil einem diese die beste Übersicht gewährt.

Mit dem Microsoft FF-Wheel hingegen gewinnt man keinen Blumentopf. Man kann es zwar problemlos anschließen und benutzen, aber bei DiRT handelt es sich wie bei NfS: Carbon um eines jener Rennspiele, bei denen man ständig vom einen Vollausschlag zum anderen kurbeln müsste, was auf die Dauer nicht nur das Lenkrad belastet, sondern auch unsere Arme, weswegen man schon bald wieder zum Pad greift und sich das Wheel für PGR und Forza aufspart.

Meinung

Wertung zu Colin McRae: DIRT (X360)

Wertung:

8.8 /10
Pro & Contra
Die hochdetaillierte Umgebungebenso hochdetaillierte Fahrzeugedas Schadenssystemder Beifahrerder generelle Umfangdie sehr verschiedenen Fahrzeuge und zugehörige Herausforderungendas Streckendesign im Allgemeinendie 3D-Menüsdie zugängliche PräsentationFullscreen 4:3
Der Online-Mode für bis zu 100 Fahrer gleichzeitig bietet uns im Grunde nur ein Zeitrennen gegen die anderen Spieler
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