Trashige Videos und verirrte Sammler zeichneten schon seit jeher die C&C-Serie aus.
Gameplay vom anderen Stern?
Command & Conquer 3 Tiberium Wars
Nein, wahrlich nicht. In der GDI-Kampagne gilt es NOD zu besiegen, während die Bruderschaft selbiges mit der Globalen Verteidigungs-Initiative versucht. Dabei werden die Ereignisse aus der jeweiligen Sicht der Dinge in abgewandelter Form nochmals erzählt. Neben den typischen Missionen, in denen ihr ein Basis aufbauen müsst, um dann den Feind zu vernichten, müsst ihr in einigen Aufträgen mit einer vorgegebenen Einheitenanzahl die Missionsziele erfüllen. Dabei schalten sich in Videobotschaften oft eure Vorgesetzten zu, um das weitere Vorgehen zu erklären. Erfüllt ihr Subquests, die es so ziemlich in jeder Mission gibt, werden Hintergrundinformationen zum C&C-Universum frei geschaltet. Während ihr ohne Basis noch recht vorsichtig mit den Einheiten umgehen solltet, ist der Rest des Spiels purer Tankrush. Im Prinzip heißt es immer Stützpunkt ausbauen, sich hinter Defensivanlagen verschanzen und mit möglich viel Kriegsgerät den Gegner überrennen. Zwar haben viele Einheiten ihre Schwächen und Stärken, doch in Massen ist jeder Nachteil vergessen. Vor allem der Mammut-Panzer ist im Dutzend fast unbesiegbar, da er sich gegen Lufteinheiten, Infanterie und gepanzerte Fahrzeuge gleichermaßen stark zeigt. Demnach kommt es nicht so stark auf einen intelligenten Mix, sondern lediglich auf die zahlenmäßige Überlegenheit an. Der taktische Anspruch bleibt dabei leider zu sehr auf der Strecke. In diesem Zusammenhang geht die Tatsache, dass Einheiten im Rang aufsteigen gnadenlos unter. Wer sich allerdings nicht am monotonen Basenbau stört, bekommt ein sehr actionorientiertes und motivierendes RTS, dass mit abwechslungsreichen Missionen punkten kann.
Command & Conquer 3 Tiberium Wars
Die beiden Kampagnen benötigen jeweils eine Spielzeit von ca. 10 Stunden. Danach wird die ziemlich kurze Scrin-Kampagne frei geschaltet, die nur eine Handvoll Missionen bietet und im Großen und Ganzen sehr enttäuschend ausfällt. Scheinbar will sich EA die Aliens für ein Add-On warm halten. Dennoch ist die Ankunft der Scrin ein bombastisches Spektakel, das es in einem Strategiespiel in dieser Form noch nie zu sehen gab. So muss ein Krieg gegen Aliens aussehen und nicht anders. Besonders motiviert werden die Deutschen sein, da das gemeine Weltraumvolk Deutschland in Schutt und Asche legt. Befreit ihr Köln, München, und Stuttgart von der Brut, bekommt ihr auch allerlei bekannte Gebäude wie die Köln-Arena oder den Dom zu Gesicht. Der Multiplayer-Modus funktionierte während des Tests noch nicht besonders gut. Lags und häufige Spielabstürze waren leider die Regel. Wenn es denn mal klappte, kam aber ein actionorientiertes und schnelles Gameplay zu Stande. Die Karten sind alle recht abwechslungsreich und bieten bis zu acht Spielern Platz. Der Online-Modus hat mit seinen zahlreichen Funktionen viel Potential. Da EA bereits drei Patches nachgereicht hat, könnte Command & Conquer 3: Tiberium Wars zum Dauerbrenner werden. Wer vor dem Onlinespiel noch etwas üben will, kann sich auch mit der KI ins Gefecht stürzen.
Wie damals 1995: KI & Interface
Die Bedienung gibt Veteranen der Serie keine Grund sich neu einzustellen. Das Interface blieb über die Jahre nahezu unangetastet. Aber es wäre auch nicht besonders klug gewesen das komfortable Baumenü umzustricken. Maus-Steuerung in Verbindung mit den Hotkeys geht gewohnt präzise von der Hand. Was der Übersicht allerdings schadet, ist der Umstand, dass man nicht besonders weit aus dem Geschehen herauszoomen kann. Dadurch kommt es oft zu Schwierigkeiten, wenn man größere Armeen gruppieren will.
Command & Conquer 3 Tiberium Wars
Was in der heutigen Zeit allerdings nicht vorkommen darf, ist die ziemlich debile KI und die teils katastrophale Wegfindung. Einheiten schlagen dabei oft abenteuerliche Routen ein und latschen schnurstracks in ihr Verderben. Zudem bleiben sie gerne an Objekten hängen. Ein Highlight in negativer Hinsicht sind mal wieder die Sammler, die sich zu gerne abschlachten lassen oder in die feindlichen Stellungen fahren. Aber seien wir mal ehrlich, Tradition ist Tradition und auch C&C 4 wird die Suizid-Sammler in den sicheren Tod schicken. Die Gegner-KI gibt sich auch nicht besonders gerissen. Der Feind greift ständig auf die selbe Weise mit den selben Einheiten an, wodurch ihr euch sehr schnell darauf einstellen könnt. Dadurch gleitet der Schwierigkeitsgrad in machbare Sphären ab, wobei man auf "leicht" sowieso keine Probleme haben dürfte, selbst als Genreneuling. Dennoch nervt es zeitweise, dass einige Missionen lächerlich einfach sind, während plötzlich der nächste Auftrag erst nach dem fünften Versuch erfolgreich beendet werden kann, um danach wieder von sehr leichten Aufgaben abgelöst zu werden.
Das Jahr 2007: Die Grafikreferenz?
Command & Conquer 3 Tiberium Wars
Das Gameplay mag man noch als ein wenig überholt bezeichnen, die Grafik ist allerdings im Jahre 2007 angekommen und das nicht zu knapp. Während ihr bei der direkten Konkurrenz meist austauschbare Landschaften zu Gesicht bekommt, bietet euch Tiberium Wars abwechslungsreiche und detaillierte Kriegsgebiete. Seien es das Weiße Haus samt näherer Umgebung, das zerstörte München, staubige Wüsten oder zerklüftete und unwirkliche Felslandschaften, jedes Areal ist einzigartig. Zudem könnt ihr Gebäude effektvoll in Schutt und Asche legen und störende Zäune, Laternen und Gestrüpp einfach überrollen. Die Einheiten und Gebäude selbst sind fein animiert und auch bei näherem Reinzoomen noch sehenswert. Kleine Details wie das Hitzeflimmern über den Kraftwerken, die netten Wasseranimationen oder die Schatten der Wolken, welche am Boden vorbeiziehen, geben ein äußerst positives Gesamtbild ab. Hinzu kommen noch die messerscharfen Texturen und die überaus gute Performance. Ab 3 Ghz, 1 GB Ram und einer halbwegs aktuellen Grafikkarte lässt sich Tiberium Wars bereits bei der höchsten Detailstufe recht gut spielen. Nur selten dürften Ruckler bei großem Einheitenaufkommen auftreten. Der einzige negative Aspekt sind die unschönen Schatten, die bei näherem Betrachten sehr pixelig und grob wirken. Betrachtet ihr die fulminanten und teilweise bildschirmfüllenden Explosionen, ist dieses Manko allerdings schnell wieder vergessen.
Command & Conquer 3 Tiberium Wars
Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen. Michael Ironside und Co. haben alle ihre gewohnten Synchronstimmen bekommen, wie man sie aus dem Kino und dem Fernsehen kennt. Die kurzen Funksprüche, die von den einzelnen Einheiten abgegeben werden, sind wie immer herrlich überzogen und passen dabei perfekt in die trashige Story. Die Hintergrundmusik ist zwar nicht besonders eingängig, wirkt aber dennoch Atmosphärefördernd. Im großen und Ganzen bietet uns EA in dieser Hinsicht solide Arbeit, an der es kaum etwas zu bemängeln gibt. In Deutschland ist Command & Conquer 3: Tiberium Wars in zwei Fassungen erschienen. Während die normale Version ab 16 Jahren freigegeben ist und gekürzt daher kommt, bietet die Kane Edition ungekürzten Spielspaß für volljährige Spieler. Dazu gibt es noch einige exklusive Multiplayerkarten, neue Skins und exklusives Making-Of-Material auf einer Bonus-DVD.
