Coraline im Gamezone-Test

Test CharLu

Das Spiel zu Coraline kommt leider nicht an die Qualität der recht gelungenen Filmvorlage von Henry Selick heran.

Tim Burton lässt grüßen

Coraline Coraline Die filmische Umsetzung von "Coraline" - die im Übrigen im Spiel nur von ihren Eltern so genannt wird (was auch ihr richtiger Name ist) und alle anderen nennen sie "Caroline" - stammt aus der Feder des britischen Autors Neil Gaiman, die bereits 2002 veröffentlicht worden ist. Dieses Jahr fand die z.T. gruselige Geschichte mit deutlich erweiterter Handlung den Weg in die Lichtspielhäuser. Wie eingangs erwähnt, darf eine passende Videospielumsetzung dazu nicht fehlen. Dabei spielt es allerdings keine Rolle, ob Film oder Spiel: Die Machart erinnert sehr stark an Werke des legendären "Tim Burton" (u.a. verantwortlich für "Nightmare before Christmas"), der allerdings mit diesem Film als auch dem Spiel nichts zu tun hat. "Henry Selick" ist der Verantwortliche hinter dem Film, und Selick hat das Schaffen von "Coraline" in Stop Motion Technik entstehen lassen. Die gleiche Basis, die ihr auch im Spiel wiederfinden werdet.

Coraline Coraline Auch wenn viele meinen, dass diese Technik ein wenig veraltet anmutet, so ist sie nicht weniger aufwändig. Dazu kommt, dass bestimmte Gegebenheiten in dieser Darstellungsform deutlich besser zur Geltung kommen als würde man klassischen Trickfilm oder die computergenerierte Animation benutzen. Auch "Coraline" ist, nicht zuletzt wegen ihrer sehr skurrilen Geschichte, ein idealer Kandidat genau in dieser Form dargestellt zu werden. Dabei präsentiert sich das Spiel durchaus sehenswert, es läuft rund und flüssig. Die Figuren wirken detailreich, sauber bis ins Detail ausgearbeitet und verfügen sogar über eine glaubhafte Mimik. Speziell letzter Punkt ist interessant, da die Figuren ohne große Details im Gesicht auskommen müssen - aber genau da liegt das Geheimnis: Oftmals ist weniger mehr und so wissen die Charaktere, angefangen bei Coraline über ihre Eltern, ihre zweite Mutter, die Katze, usw. zu überzeugen. Und selbst der fiese Bösewicht vermag es noch trotz seiner eigentlichen Widerlichkeit sympathisch zu erscheinen.

Guck was stakst von Draußen rein?

Coraline Coraline Man möchte meinen, sämtliche Figuren präsentieren sich ungelenk - ja beinahe schon steif. Weit gefehlt, beweisen die drahtigen, extrem schlanken Geschöpfe eine Weichheit in der Bewegung, die zu gefallen weiß. Leider kann das von der Steuerung so ganz und gar nicht gesagt werden, die nämlich genau für dieses Ungelenke verantwortlich ist. Es erscheint beinahe schon so, dass alle Figuren - allen voran natürlich Coraline - eine vorgegebene Bahn haben die sie ablaufen können und wehe man versucht abseits des Weges sein Glück. Nicht nur das sich der Charakter dann nicht mehr steuern lässt, man stößt auch gegen unsichtbare Wände - gemeinhin auch als Levelbegrenzung bekannt. Das ist überaus schade, bietet doch gerade so viel Fantasie großen Raum für interaktive Freiheit. Doch genau hier hat man das Spiel beschnitten und beschränkt sich auf strikt linear vorgegebene Wege, die es zu absolvieren gilt.

Ärgerlich ist auch die Tatsache, dass die Kamera bockig als auch stocksteif ist. Kein nachjustieren, kein ändern, kein gar nichts. Wenn ihr nichts seht, seht ihr halt einfach nichts. Die Kamera ändert ihre Richtung oder dreht sich dann um Coraline, wenn das Spiel an den Punkt kommt, da es vorgesehen ist, dass die Kamera ihren Blickwinkel ändert. Stellt sich die Frage was am Ende ärgerlicher ist: Gescriptete Ereignisse oder eine - wie in diesem Fall - gescriptete Kamera?!

Spartanisches Deutsch

Coraline Coraline Keine Sorge: Freunde der deutschen Synchronisation werden voll und ganz auf ihre Kosten kommen und es gibt auch keinen Grund die hier geleistete Arbeit zu schmälern. Ganz das Gegenteil ist der Fall, haben sich die Macher doch alle Mühe gegeben, den Figuren sprachliches Leben einzuhauchen - und das definitiv mit Erfolg. Abwechslungsreich, liebevoll und gut intoniert beweisen die Sprecher, dass ein Spiel um einiges attraktiver wird, wenn die Figuren nicht nur das Bild huschen sondern auch die zugehöre Kommunikation mit Eifer und Spaß über die Kanäle schallt. Vorbildlich alles in deutscher Sprache abgefasst, haben junge Spieler optimales Futter zum Lesen lernen (dank zuschaltbarem Untertitel) und ältere junge gebliebene Spieler bekommen Heimatklänge auf die Ohrmuschel.

Weniger opulent, deswegen aber nicht weniger schön ist die gesamte Optik des Spiels ausgefallen. Ganz dem filmischen Vorbild folgend, erlebt ihr düstere, in gedeckte Farben gehaltene Umgebungen, die scheinbar veraltet und längst vergessen wirken. Auf der anderen Seite habt ihr, bei der gefährlichen Mutter mit den Knopfaugen, strahlende Farben und es leuchtet und glänzt. Ein sehr schöner Effekt, der nicht nur optisch hübsch anzusehen ist, sondern auch noch seinen Sinn und Zweck hat. Welcher das allerdings ist, das müsst ihr selbst herausfinden.

Meinung

Wertung zu Coraline (PS2)

Wertung:

4.6 /10
Pro & Contra
wunderschöne, lehrreiche Geschichteliebevoll animierte Figuren mit skurrilem Designgelungene Synchronisation mit ambitionierten und leidenschaftlichen SprechernDeutsches Menü und deutsche Sprachausgabe
zu viele Zwischensequenzen, die den Spielfluss stören und keine Atmosphäre aufkommen lassen, da sie an fast jeder Stelle bzw. nach jedem Event automatisch ablaufenz.T. extrem lange Ladezeitenzu linearer Spielablaufüberall Levelbegrenzungen – keine Erkundungen möglichdie partiell extrem skurrile als auch bösartige Darstellung und Thematik ist u.U. fragwürdig und nicht unbedingt geeignet für Kinder
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk