Crysis 3 steht in den Startlöchern und kommt Ende Februar 2013 in den Handel. Wir haben schon vorab die PC-Version anspielen können und waren begeistert von der detaillierten Grafikleistung - wirklich eine Wucht! Aber steckt hinter dem fantastischen Gerüst auch ein guter Shooter?
20 Jahre sind seit den Geschehnissen aus Crysis 2 vergangen. 20 Jahre, in denen sich die Welt groß verändert hat. Die Ceph sind noch immer auf der Erde, jedoch unter riesigen Nanodomes eingeschlossen, die CELL-Corporation hält sie darunter unter Quarantäne. Irgendwann wird Prophet klar, dass CELL das nicht aus reiner Nächstenliebe macht – das geld- und machtgeile Unternehmen hält die Außerirdischen unter den Kuppeln, um deren Technologie an sich zu reißen. Der Plan: Die Weltherrschaft!
Quelle: Crytek
Schummriges und diffuses Licht sorgt in dunklen Levels für eine gruslige Atmosphäre.
Da hat CELL aber nicht mit Prophet gerechnet. Vielleicht geht die Welt um ihn herum unter, aber der Ex-Marine ist dank seinem Nanosuit noch so tödlich wie immer. Und er will Rache! Mit neuen Waffen macht er sich auf den Weg zum Big Apple, um seinen Feinden einen Strich durch die Rechnung zu machen. Womit er nicht gerechnet haben könnte: Unter dem New York City Liberty Dome hat sich einiges getan. Die Natur hat in 20 Jahren das urbane Stadtgebiet zurückerobert, in den sieben Arealen herrschen nun komplett unterschiedliche Bedingungen. Wir starten im sumpfigen Stadtgebiet, Wasser steht hüfttief auf den Straßen, hohes Gras liefert perfekten Sichtschutz. Die Gebäude, früher Beton-gewordene Affronts wider der Natur, sind nun überwuchert von Farnen, Sträucher und Bäume ragen aus den Fenstern – New York ist nun ein urbaner Urwald.
In den anderen Arealen, die klimatechnisch kontrolliert werden, herrschen unterschiedliche Bedingungen. Einen eiskalten Arktisbereich wird es ebenso geben, wie einen Savannen-Bezirk, in dem die Hitze sichtbar von der aufgeplatzten Straße heraufflimmert. Grandiose Bilder sind das und ein herrlicher Sandkasten für Shooterfreunde, die sich in Crysis 2 durch viele enge Schlauchpassagen eingeengt fühlten!
Neue Waffen machen Prophet zum lautlosen Killer
Quelle: Crytek
Der Detailreichtum und die Animationen von Charakteren sind so real, dass man fast vergisst, dass es sich nur um ein Spiel handelt.
Neue Kräfte hat Prophets Nanosuit auf den ersten Blick nicht. Wir spielen zwar die PC-Version an, steuern den Alien-Killer mit dem Xbox-Gamepad. Das heißt: Auf der einen Schultertaste aktiviert man den Tarnmodus, auf der anderen den Panzermodus. Weites Springen wird automatisch aktiviert, wenn man lange auf A drückt, Nahkampf-Killmoves lösen nur kontextsensitiv aus. Große Einstellungen am Suit muss man also nicht vornehmen. Dafür kann man auf Knopfdruck aufgesammelte Waffen verändern. Benötigt man in einer Situation ein Zielfernrohr auf der Wumme, kann man es – solange man die Technologie freigeschaltet hat – einfach aufmontieren und später zurück zu Iron Sights wechseln. Ebenso lassen sich andere Komponenten austauschen: Munition, Aufsätze und Magazine sind alle modular, sodass Prophet eigentlich für jede Gefahr gewappnet ist.
Sein neuestes Spielzeug ist besonders gemein: Ein Compoundbogen mit mehreren Feuermodi ist Prophets neuer Schleich-Freund. Mit Pfeil und Bogen lassen sich Gegner auch im Tarnmodus ausschalten – lautlos und ungesehen, selbst wenn Feinde in der Nähe sein sollten. Achten muss man natürlich trotzdem auf die Anzugenergie. Bei unserem Anspieltermin werden wir beispielsweise mehrmals entdeckt, weil uns die Energie ausgeht, bevor wir Prophet aus der Sichtlinie anderer Feinde bringen. Wenn einer von ihnen plötzlich nicht mehr antwortet, suchen seine Kollegen nämlich nach ihm – vor allem wenn sie wissen, dass Prophet in der Nähe ist. Im Vergleich zur KI von Crysis 2 ist das durchaus ein Sprung nach vorn. Spieler sollten sich dennoch in Acht nehmen: Auch wenn man unsichtbar ist, wirft man einen Schatten. Gegner oder Geschütze können das wahrnehmen, dann hilft aber vielleicht ein alternativer Bogen-Modus weiter. Aktiviert man ihn, feuert man explodierende Pfeile ab. Beim Aufprall werden sie aktiviert und jagen einige Sekunden später selbst gepanzerte Ziele in die Luft.
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Die Waffen in Crysis 3 lassen sich modular verändern - so kann Prophet auf jede Situation individuell reagieren.
Die Weitläufigkeit der Spielareale ist sicher eines der auffallendsten Merkmale von Crysis 3. Im Vorgänger fühlte man sich schnell eingeengt, viele Areale sahen zwar offen auf, nahmen einen aber an der Hand und führten Spieler durch einen Schlauch. Wer abseits des vorgewählten Weges wandelte war oft im Nachteil, wurde dann doch gezwungen, die andere Spur zu wählen. Soweit wir Crysis 3 bislang anspielen konnten, hat sich das umfassend geändert. Zu Beginn unseres Demo-Levels bekommen wir lediglich die Aufgabe, die Alienstation in 200 Metern Entfernung zu erreichen. Wie wir da hinkommen, ist dem Spiel egal. Vor unseren Füßen erstreckt sich ein kleines Sand-Box-Gebiet, in dem mehrere Patrouillen unterwegs sind. Denen kann man im Tarnmodus ausweichen, ihre Fußwege analysieren und ausweichen oder lieber auf den Dächern der heruntergekommenen Stadt wandeln. Aber Vorsicht: Auch hier oben sind vereinzelt noch Feinde. Sie haben dort Lager, Sniper, die das Gebiet überwachen und automatische Geschütztürme. So sehr man es auch versucht, einen adrenalinfreien Weg gibt es nicht.
Wenn Crysis 3 dieses Pacing auch in den folgenden Levels beibehält, fällt einer größten Kritikpunkte des Vorgängers weg. Mit primären und optionalen Zielen gibt es feste Wegpunkte, die man erreichen muss, wie man aber dort hingelangt, bleibt einem selbst überlassen.
Durchgehend ein Wow-Moment: Die Grafik
Quelle: Crytek
Köln - vollkommen heruntergekommen und verlassen: So sehen nun viele Großstädte der Welt aus!
Optisch ist Crysis 3 der absolute Hammer. Selten ist uns bereits im ersten Moment eines Spiels dermaßen die Kinnlade runtergefallen, wie hier. Wir starten im Abenddunkel New Yorks, die überschwemmte Straße wird nur von einigen Flutlichtstrahlern und den Taschenlampen von CELL-Soldaten erleuchtet. In einer flüssigen, sanften Bewegung, rutscht Prophet aus einer Hausruine in das schwarze Nass. Plötzlich steht einer der Feinde vor uns! Schnell das Messer gezückt, den Mann ausgeschaltet und aus Geräusch-Gründen unter Wasser verfrachtet. Eine zweite Wache folgt nur wenige Schritte dahinter. Wir schalten also unseren Tarnmodus an und versinken im Wasser, verstecken uns im hohen Gras, das aus dem Sumpf ragt. Ein Shadereffekt simuliert herabfließendes Wasser am Visier des Nanosuit, verzerrt das Bild etwas. Als der feindliche Soldat dann wirklich fast vor uns steht und nur noch ein paar Blätter und drei Balken der Energieanzeige uns trennen, bekommt er den erlösenden Funkspruch: Rückzug! Puh! Was für ein Moment! Der Finger am Abzug war schon fast durchgedrückt, wäre der Befehl etwas später gekommen, hätten wir uns ein Feuergefecht mit der ganzen Truppe liefern müssen.
Ebenso atmosphärisch geht es später weiter. Feuer und Explosionen sehen traumhaft aus, das diffuse Lichtsetting in unserer Nacht-Demo trägt gut dazu bei. Wer nicht immer wieder auch zur Wärmesicht wechselt, kann schon mal am Boden kauernde Feinde übersehen, bis er nicht wirklich direkt vor ihnen steht. Das gefällt uns, denn auch Gegner nutzen natürliche Deckungen. Sie verstecken sich hinter Mauern, können über Höhenebenen klettern oder sich im Dickicht verstecken.
