Der Berg ruft. Aber lohnt es sich auch, sich auf diesen Horrortrip in die unheimlichen tibetanischen Klöster einzulassen?
Gruselatmosphäre und spielerische Abwechslung?
Cursed Mountain
Die ersten Begegnungen mit den Geistern haben durchaus noch etwas Gruseliges. Man weiß nicht wie stark diese sind, wie man sie am besten besiegen kann und was sie so alles auf dem Kasten haben. Deshalb erschreckt man sich anfangs noch, wenn plötzlich eines dieser Wesen vor einem steht. Leider ändert sich das aber sehr schnell. Sobald man bemerkt hat, dass die Geister leicht zu besiegen sind, dass man unendlich magische Energie verschießen kann und unzählige Räucherstäbchen besitzt, hält sich die Panik bei einer Geisterbegegnung in Grenzen. Die Inszenierung ist wirklich klasse und erinnert ein wenig an "Project Zero", aber nach kurzer Zeit lässt einen das kalt, da es immer wieder nach dem gleichen Schema abläuft. Das nimmt die ganze Spannung und die Angst oder Panik stellt sich schnell ein. Man ist eher genervt als schockiert und für eine Gänsehaut reicht es längst nicht mehr. Meist tauchen die nebelhaften Wesen auch genau dann auf, wenn man gerade mit einem kürzlich gefundenen Schlüssel eine verschlossene Tür öffnen möchte. In vielen Fällen ist es also total absehbar, wann der nächste Geist erscheinen wird. Selten tauchen diese in wirklich unerwarteten Momenten auf.
Cursed Mountain
Und die Sache mit dem Schlüssel und der verschlossenen Tür ist ebenfalls keine Seltenheit. Mehr als ein Mal muss man einen Schlüssel für die Kellertür, einen für diese Tür, einen für jene Tür und so weiter... finden. Dieses simple hin und her Gerenne macht wirklich keinen Spaß mehr. Das ist heutzutage absolut überholt und reißt niemanden mehr vom Hocker. Wo bleibt da die Abwechslung? Hinzu kommt die Tatsache, dass es kaum Pfade gibt, die man erkunden kann, ohne dass dies zwingend nötig ist. Der Spielverlauf ist sehr linear und lässt keine Erkundungstouren zu. Hier und da gibt es einen zweiten Weg, der zu einer magischen Statue führt, die eure Energie erhöht. Ansonsten folgt man stets linear der Geschichte. Manchmal muss man an Wänden hinauf klettern oder schmale Felsvorsprünge passieren. Das wäre die Gelegenheit gewesen, neue Impulse zu liefern. Doch anstatt Spannung einzubauen, sind auch diese Abschnitte langweilig und ohne jede Action. Man bewegt lediglich den Analog-Stick nach links oder rechts um den Vorsprung entlang zu laufen. Manchmal muss man kurz warten, weil beispielsweise Hände aus der Wand nach einem greifen, aber danach kann es auch schon wieder weiter gehen. Auch beim Klettern gibt es keine Abwechslung. Man schüttelt abwechselnd die Wii-Remote und den Nunchuk und das war's. Keine Geister, die versuchen einen nach unten zu stoßen, keine Felsen, denen man ausweichen müsste. Genau diese Eintönigkeit macht es dem Spiel nach einem relativ guten Anfang so schwer. Egal ob im Kampf mit den Geistern oder bei den (nennen wir es mal) Rätseln - es ist alles viel zu monoton und einfallslos. Man langweilt sich irgendwann, weil einfach zu wenig Abwechslung geboten wird. Selbst die Story kann das nicht ändern, denn diese hat eigentlich Potential, welches sie dummerweise ein wenig verschenkt. Die Zwischensequenzen werden nur in Standbildern/Collagen erzählt und unterwegs findet man immer wieder Notizen, die Teile der Geschichte erzählen. Allerdings müssen diese umständlich im Menü gelesen werden (auf einem "normalen" 4:3 Röhren-TV ist dies sehr anstrengend, da die Schrift nicht sonderlich groß ist).
Authentizität und außergewöhnliche Perspektiven - die Stärken des Spiels
Quelle: Deep Silver
Cursed Mountain
Man mag nun den Eindruck bekommen, als hätte das Spiel nur Schwächen und keinerlei Stärken. Das ist nicht so! Es gibt zwei ganz große Punkte, bei denen man wirklich alles richtig gemacht hat. Einer davon ist die Authentizität und die Umsetzung der Thematik. Man hat verdammt gut recherchiert und die Architektur der buddhistischen Klöster und der kleinen tibetanischen Dörfer sehr originalgetreu nachgebildet. Außerdem gibt es viele Dinge aus dem Buddhismus, die man im Spiel detailgetreu eingebaut hat. So trifft man beispielsweise auf zahlreiche Statuen von Gottheiten und auch bestimmte Rituale und Objekte sind aus dem Buddhismus vollkommen perfekt übernommen worden. Die Stimmung des Spiels ist in dieser Beziehung also wirklich sehr real und überzeugend. Wer sich mit dem Buddhismus ein wenig auskennt oder sich dafür begeistert, der wird nicht nur einmal denken: "ah, das kenne ich doch!".
Cursed Mountain
Ein weiteres Lob verdienen die kreativen Kameraperspektiven. Während die Kamera meist frei hinter eurem Charakter angesiedelt ist gibt es immer wieder Momente, in denen diese eine starre Position einnimmt und somit das Augenmerk gezielt auf gewisse Aspekte lenkt. Wenn man beispielsweise zum ersten Mal vor dem gigantischen Kloster inmitten der Berge steht, zeigt die Kamera dieses in seiner vollen Größe, sodass man zunächst ins Staunen versetzt wird. Manchmal sieht man das Geschehen auch aus einer leicht schrägen Perspektive oder aus dem Fenster eines Hauses, dem man sich gerade nähert. Meist wird damit etwas Bestimmtes in den Vordergrund gestellt oder die Spannung ein wenig erhöht. Man kennt das noch von "Silent Hill 1". Auch dort gab es oft einen schiefen und ausgefallenen Kamerawinkel, welcher die Atmosphäre beklemmender werden ließ.
