So brutal wie Kratos und so genial wie Zelda. THQ liefert eine perfekte Mischung für Abenteurer und Actionfans.
Die postapokalyptische Traumwelt
Darksiders
Diese ist dominiert durch die zerstörte Metropole, welche mittlerweile versunken in der Natur ein völlig neues Bild abgibt und herrlich monomentale Landschaften auf den TV-Screen zaubert. Von versunkenen Abwasserkanälen, über riesige Kathedralen und staubig sandige Wüstenarealen gibt sich auch "Darksiders" wahrlich Mühe, abwechslungsreich zu sein. Das Artdesign ist, wenn auch als Mix zwischen einer realen und comichaften Welt, wahrlich gelungen. Dafür sorgte allein schon Joe Madureira's unvergleichlicher Stil, der durch einstige Comiczeichnungen unter Marvel bekannt wurde (siehe X-Man, Battle Chaser oder The Ultimate).
Darksiders
Abgesehen von rein rätseltechnischen Einschränkungen und anfänglich noch fehlenden Möglichkeiten kann die "neue" Welt nun vollkommen frei von jeglichem Zwang erkundet werden. Wie der Elfenjunge in Grün kann auch Krieg an allen Ecken und Ende versteckte Kisten aufbrechen, zahlreiche Items einsammeln und muss so manches verzwicktes Puzzle lösen. Letztere Aufgaben erfordern nicht selten den Einsatz der zahlreichen zusätzlichen Gegenstände, welche der Reiter im Laufe seines Abenteuers in seinen Rucksack wirft: Abgründe werden mit dem Greifhaken überwunden, Kristalle mit Bomben aus dem Weg geschaffen und weit entfernte Schalter mit einem überdimensionalen Wurfstern nahezu gleichzeitig aktiviert. Dazu gesellen sich witzige Ideen aus dem Shooter-Imperium, ein Einfluss auf Zeit und Raum und eine Warpmöglichkeit im Stile von "Portal". Gerade letzteres sorgt für sehr verzwickte Rätselkost, welche üble Gedankenverrenkungen vom Spieler abverlangt.
Darksiders
Während die ersten Schritte in der neuen Welt uns die Thematik biblischer Geschichten und sonstiger Mythologien serviert und sagenhafte Höllenkreaturen wie den zwielichtigen Todeshändler Vulgrim oder der verbannte Samael einen Hang zu bekannten Namen offenbaren, weicht das actionlastige Gameplay immer mehr dem Entdeckerdrang. Der blutige Kampf mit Engeln und Dämonen rückt fast gar in den Hintergrund, wie auch der durchwegs hervorragende Soundtrack, welcher zwar optimal das Geschehen untermauert, aber oftmals nur seichte im Hintergrund zu hören ist bzw. fast völlig auf atmosphärische Geräusche setzt. Das Spiel wandelt sich und man tut "Darksiders" definitiv nicht recht, dieses in die selbe Schublade wie ein "God of War" oder "Devil May Cry" zu stecken. Wie THQ es immer betonte, stellt Vigils Erstlingswerk ein grandioses Action-Adventure im Zelda-Stil für erwachsene Gamer dar!
Darksiders
Spätestens nach Antritt in der Zwielichtkathedrale wird letzteres einem jedem Spieler auch vollkommen klar. Dieses riesige Bauwerk wird von einer mächtigen Kreatur bewohnt, welche sich letztlich als knallharter Bossgegner herausstellt. Die Hauptaufgabe, den mächtigen Obermotz zu bezwingen, wird durch einen schier endlosen Gang durch das marode Gebäude verlangsamt, deren Türen oftmals verriegelt sind und eine gefundene Karte letztendlich den Weg weist. Zig Räume müssen abgeklappert, zahlreiche Gegner besiegt und vor allem reichlich Rätsel von einfachen Schalterproblemen bis hin zu komplexen Aufgaben gemeistert werden, bevor sich das Portal zum Boss öffnet. Das herrliche an "Darksiders" ist aber die ungezwungene Art und Weise, wie man die so genannten Dungeons in die tatsächliche Spielumgebung eingebettet hat. Weder die Rätsel, noch die Architektonik wirken aufgesetzt oder gar künstlich für den Zweck der Spielerunterhaltung erstellt. Die meisten Szenarien wirken wie aus einem Guss und liefern mit natürlichen Problemen wie Überschwemmungen, ausgefallene Bahngleise und eingestürzten Häuserschluchten auf schlichte Weise knifflige Kletter- und Sprungpassagen. Einzig allein der letzte Turm mutet erkünstelt an, fordert aber auch extrem das Hinterstübchen mit auf vielen Ebenen verteilten und sehr querdenkerischen Aufgaben heraus!
Von Krieg und Ruin
Darksiders
Dennoch verzichtet Krieg nicht auf die Waffenkunst, schon gar nicht bei den dicken Gegnern, die sich im fortwährend in den Weg stellen. Der Reiter kann einem Kratos oder der aktuellen Schönheit Bayonetta aber ganz sicher nicht das Wasser reichen, wenn es ums Kampfgeschehen geht. Dazu stürzt sich der Kollege viel zu schwerfällig in die Auseinandersetzung, vermöbelt die Gegner mit dennoch ansehnlichen und schnellen Argumenten. Seine Aktionen sind wahrlich bemüht und trotz seiner Behäbigkeit gar elegant anzusehen - dank herrlich flüssiger Animationen! Und wo einst ein Link per Knopfdruck das Schwert schwang und zusätzlich noch Gegenschläge parierte, versucht Krieg mit drei unterschiedlichen und verbesserungsfähigen Waffen, einer unglaublich komplexen und erweiterbaren Movepalette sowie zusätzlichen Spezialtechniken wesentlich mehr spielerischen Tiefgang für Action-Fanatiker zu liefern. Das Konzept geht weitestgehend auf. Neben der Hauptwaffe "Chaosklinge" wird auch mal zu Tods Sense gegriffen und alternativ auch ein eisbrechender Handschuh zu Rate gezogen.
