Ganz großes Kino! Technisch beeindruckend wie auch spielerisch bzw. storytechnisch höchst ansprechend.
Der Kampf ums Überleben
Dead Space Extraction
Das Spiel birgt somit nahezu denselben Charme seines Vorgängers, mit teils intensiveren Schockmomenten und vor allem einer stets beklemmenden Atmosphäre. Einziger Unterschied ist, dass das Spiel automatisch abläuft und ihr "nur" noch in aller Hektik aus der Egosicht zielen müsst. Die Hackfleischsuppe wird aber in ähnlicher Art und Weise angerichtet. Sobald sich ein Feind aus Fleisch und Blut und nicht nur als Schatten vor euch aufbäumt, heißt es zielen und den B-Trigger abzufeuern. Beste Möglichkeit - Veteranen werden dies eh intuitiv durchführen - ist das Abtrennen der Gliedmaßen, damit sich die Monster nicht mehr so schnell bewegen können. Die bis zu zehn Waffen im Repertoire sind altbekannt, bieten mit einer zusätzlich gedrehten Wii-Remote stets auch eine sekundäre funktionsweise an. Der Plasma-Cutter feuert z. B. horizontale und vertikale Geschosse ab, während die Nietpistole ein praktisches Werkzug zum "verschweißen" von Stahlplatten ist. Etwas übermächtig ist übrigens der Flammenwerfer, dessen Reichweite zwar beschränkt ist, aber selbst mächtigste Nekromorph-Kreaturen flott in die Knie zwingen kann.
Dead Space Extraction
Die Wahl der Waffe findet bequem mit dem Stick des Nunchuck-Controllers statt, wobei maximal vier Waffen gleichzeitig im Gepäck vorzufinden sind. Diese können leider nur an speziellen Punkten ausgetauscht werden, was je nach Situation ziemlich ärgerlich sein kann. Oftmals geht der Überblick über den Munitionsvorrat verloren, welcher beim Tausch nicht ersichtlich ist und darüber hinaus fällt es nicht leicht, die Effektivität zu beurteilen. So steht man in manchen Situationen vor vollendeten Tatsachen und muss sich mit dem zufrieden geben, was aktuell im Inventar vorrätig ist. Immerhin können die Waffen wie im Vorgänger ordentlich verbessert werden, was völlig automatisch beim Einsammeln von gewissen Items geschieht - die man also nicht verpassen sollte! Mit mehr Durchschlagskraft könnt ihr deutlich mehr Argumente den Kreaturen entgegen bringen. Apropos entgegen werfen: Mit Kinese, einer speziellen Fähigkeit, können wieder jeglichen losen Gegenstand hochgehoben und durch die Gegend geschleudert werden. Besonders effektiv sind natürlich explosionsgefährdete Objekte, die schnell Feuer fangen und jeglichen Feind regelrecht durchbraten.
Dead Space Extraction
Während wir uns also in bester "House of the Dead" Manier durch Schlauchlevels ballern und diverse bekannte Feinde vom Bildschirm fegen, sorgen zahlreiche Sequenzen für den Storyfortschritt. Hin- und wieder hält das Spiel auch inne, nicht um euch eine Verschnaufpause zu gönnen, sondern damit ihr per Remote sämtliche Munition, Arzneimittel und Extras wie Audiologs aufsammeln könnt. Das Zeitfenster ist aber begrenzt, so dass ordentlich Eile angesagt ist! Witzigerweise werden die gefundnen Sprachnachrichten über den integrierten Lautsprecher der Wii-Remote wiedergegeben, so dass man sich die Fernbedienung wie ein Handy ans Ohr kleben muss. Die Wii-Möglichkeiten wurden grundsätzlich bedacht eingesetzt. In besonders dunklen Abschnitten könnt ihr z. B. durch Schütteln der Remote Glühwürmchen aktivieren, die mit einem phosphoreszierenden Licht alles in einen grünlichen Schimmer tauchen. Wehe, die Lichtquelle flackert im Eifer des Gefechts und geht aus, dann steht euch die Angst trotz der Dunkelheit ins Gesicht geschrieben und Hektik bricht aus. Das Nunchuck kann wiederum als Nahkampfangriff verwendet werden, welcher aber relativ wirkungslos ist und daher nur selten zum Einsatz kommt.
Technik von einem anderem Stern
Abseits zahlreicher und schockierend blutiger Shootouts sorgen kleinere Rätsel und Minispiele für etwas Abwechslung. Häufig müssen Terminals gehackt oder Durchgänge gefunden freigelegt werden. Nach satten acht Stunden - dafür aber wirklich intensiven Spielstunden - nimmt das Abenteuer leider auch schon sein nicht ganz überraschendes Ende. Nur sammelwütige Spieler und Rekordjäger werden das Spiel nochmals bezüglich der Challenges anfassen. Immerhin lockt noch ein kooperativer Mehrspielermodus für zwei Personen. Ihr wandert nicht nur deutlich schlagfertiger durch die dunklen Gänge, sondern habt gemeinsam auch wesentlich mehr Spaß. Das Ganze läuft darüber hinaus auch recht sauber ab.
Technisch beeindruckt "Extraction" wie erwähnt mit einer detailverliebten Grafik, die nahezu an das Original heranreicht. Schatten- und vor allem Wassereffekte, Lichtspielereien und gelungen animierte Gegner lassen selbst so manchen HD-Veteranen verblassen und regelrecht alt aussehen. Auch soundtechnisch bietet uns EA einen erstklassigen Mix, der nicht mit übertönender Musik überzeugt, sondern punktuell eingesetzten atmosphärischen Klängen, Angst einflössenden Geräuschen und vor allem einer superben englischen Sprachausgabe. Rundum gesagt, bekommt ihr kaum ein technisch besseres Wii-Spiel serviert, wobei man aber auch sagen muss, dass dieses Genre den Entwicklern zugute kam. Sie konnten explizit entscheiden, was der Spieler zu sehen bekommt und was man lieber meidet. Trotz allen Tricks konnten kleinere Patzer wie plötzlich auftauchende Texturen und seltene Ladehemmungen nicht ganz vermieden werden, was unserer Meinung nach aber kaum der Rede wert und nicht weiter in unsere Wertung eingeflossen ist.
