Deadlight im Test: Das XBLA-Zombiespiel ist ein Schuss in den Ofen

Test Sandro Odak

Tequila Works ist ein frisches, junges Entwicklerteam aus Spanien. Ihr Erstlingswerk Deadlight ist nun im Zuge des Xbox 360 Summer of Arcade veröffentlicht worden. Ein ziemlich prominenter Veröffentlichungsort, wenn man bedenkt, dass das Studio noch niemand kennt. Wir haben den Xbox-Exklusivtitel getestet.

Wenn es bei Xbox-Klassikern wie Limbo klappt, warum dann nicht auch mit Zombies? Das haben sich die Tequila Studios gedacht und entwarfen Deadlight, ein zur Seite scrollendes Action-Adventure mit Jump-and-Run-Anleihen. Ganz so mysteriös wie Limbo bleibt Deadlight aber nicht: Wir erfahren Namen und Hintergrund des Hauptcharakters und in Zwischensequenzen verlassen wir sogar die zweidimensionale Spielebene und sehen unseren Protagonisten auch mal von vorn. Ein Niemand soll er nicht lange bleiben.

Zur Geschichte: In Amerika bricht Mitte der 80er Jahre eine Zombie-Seuche los. So weit, so bekannt. Randall, der Held unserer Geschichte, verliert im Zuge dieser Seuche seine Familie aus den Augen, der Familienvater wird von Frau und Tochter getrennt. Von da an, beginnt einiges schief zu laufen. Denn wie er uns im Einstiegsfilmchen weis macht, spielen wir gar keinen besonderen Tag in seinem Leben, sondern einfach nur einen exemplarisch beschissenen nach, wie er ihn jeden Tag erlebt. Glaubt ihm: Die Zombie-Apokalypse steht für keine sonderlich hohe Lebensqualität. Im Norden der USA, genauer im Gebiet rund um Seattle, sucht der verbitterte Mann also nach seiner Familie – und verliert plötzlich auch noch den letzten Halt: Freunde, mit denen er sich durchschlägt, verschwinden plötzlich. Zeit herauszufinden, was mit ihnen passiert und wo der Rest der Familie so ist…

Schwarz-weißer Scherenschnitt

Die Schwarz-Weiß-Grafik erinnert an Limbo. Das Spielprinzip ist aber eher an Shadow Complex angelehnt. Quelle: Tequlia Works Die Schwarz-Weiß-Grafik erinnert an Limbo. Das Spielprinzip ist aber eher an Shadow Complex angelehnt. Während sich die Geschichte von Limbo stark unterscheidet, fallen die optischen Gemeinsamkeiten schnell auf. Randall rennt dunkel und nur als Schatten erkennbar von links nach rechts, die Welt wirkt wie ein schwarz-weißer Scherenschnitt, voller Licht- und Schatten-Spielchen. Im Gegensatz zu seinem Vorbild sind die Hintergründe aber farbig gestaltet und Gegner, die im Spiel nicht Zombies sondern Schatten genannt werden, können aktiv angegriffen werden. Dafür stehen uns verschiedene Werkzeuge zur Auswahl: Schusswaffen, die wir toten Armeesoldaten wegnehmen, haben schnell die gewollte Wirkung, die Schatten liegen tot am Boden. Doch der laute Knall kann andere Untote anlocken und bevor man sich versieht, stehen plötzlich mehr Hirnfresser um einen, als man eben mit dem Revolver umgesägt hat. Leiser geht's mit einer Feuerwehraxt, die wir ziemlich zu Beginn einem Toten aus dem Kopf ziehen. Das sieht man zwar auch nur im Schatten-Scherenschnitt, aber es ist einer dieser Gänsehaut-Momente!

Genau damit kann Deadlight punkten. Atmosphärisch reißt mich das Action-Jump-and-Run von Beginn an in seinen Sog. Gerade die Schatten-Optik lässt einen oft im Argen, was genau vor einem liegt. Und Zombies schleifen sich gerne mal aus dem Hintergrund nach vorn ins Spielgeschehen. Da weiß man nie so recht: Gehört dieser über einen geöffneten Torso gebeugte Zombie jetzt zum ungefährlichen Bildhintergrund, oder steht er auf und zieht mir eines von meinen drei Lebensbalken ab, wenn ich an ihm vorbei will?

Die atmosphärische Grafik baut eine gute Gruselstimmung auf! Quelle: Tequlia Works Die atmosphärische Grafik baut eine gute Gruselstimmung auf! Zu Beginn klappt dieses Zusammenspiel aus Atmosphäre, Hintergrundgeschichte und Hüpfpassagen ziemlich gut. Es macht Spaß und die Minuten vergehen wie im Flug. Doch schon bald wirkt es, als hätte Tequila Works dann plötzlich schnell fertig werden müssen. Nach den ersten Szenen und einer richtigen Sogwirkung entlässt uns das Spiel in ziemlich öde Hindernisparcours. Und hier verliert sich das tolle Spielprinzip und unsere erste Begeisterung. Die Schattenoptik wandelt sich von atmosphärisch zu nervig. Nun sind es immer wieder kleine Fallen, die wir im Trial-and-Error-Verfahren erkunden müssen, die man dank der Schattenoptik nur schlecht oder gar nicht erkennt. Erst wenn man in die Falle tappt, weiß man, was man beim nächsten Anlauf besser machen muss. Das geht einem dann ziemlich schnell auf die Nerven, weil eine Falle nach der anderen bewältigt werden müssen, gerne auch mal an einem Abgrund, an dem man nicht anhalten kann. Da schlittern wir einen Hang voller Fallen herunter und müssen mehrmals neu laden, weil nach jeder Falle eine neue Gemeinheit auf uns wartet. Dabei geht es nicht mal um einen knackigen Schwierigkeitsgrad, sondern nur um fies verteilte und dank der 2,5D-Optik schwer erkennbare Fallen.

Auch die behäbige Steuerung spielt manchmal eine Rolle. Gerade an Stellen, an denen Timing und Präzision wichtig ist, versagt Randall, weil er nicht immer optimal auf Gamepad-Eingaben reagiert. Da werden Bewegungen gerne mal leicht verzögert oder falsch ausgeführt. Das ärgert einen besonders, wenn man an der letzten Falle eines Parcours mit Zeitlimit ankommt und sich im Sprung abrollen muss, nur um Randall dann beim Aufstehen in die falsche Richtung blicken zu lassen, aus der er mal wieder getötet wird.

Ladezeit ist verlorene Lebenszeit

Deadlight im Gamezone-Test: Die Scherenschnitt-Optik wirkt atmosphärisch, stört aber beim Lösen von Rätselpassagen. Quelle: Tequlia Works Deadlight im Gamezone-Test: Die Scherenschnitt-Optik wirkt atmosphärisch, stört aber beim Lösen von Rätselpassagen. Ärgerlich ist auch die unangemessen lange Ladezeit nach dem Ableben. Deadlight speichert den Spielstand zwar ziemlich fair alle paar Meter nach zusammenhängenden Rätselpassagen, aber nach jedem Tod muss das Spiel erst komplett neugeladen werden. Klar, da werden sicherlich große Datenmengen umgewälzt, aber andere Spiele schaffen es doch auch, den Spieler in Windeseile an den letzten Speicherpunkt zu setzen, der meist eh nur einige Meter von der alten Position entfernt ist. So geht viel Zeit dabei drauf, sich die gezeichneten Bildchen des Ladeschirms anzuschauen.

Und als wäre all dies noch nicht genug, gesellen sich zu den spielerischen Negativpunkten auch noch technische Schwierigkeiten. So passiert es uns häufiger, dass interaktive Objekte im Level, die nicht geskriptet sind, gerne mal das Fortkommen verhindern. An einer Stelle etwa müssen wir das Dach von Untoten befreien. Dabei fällt leider eine Kiste so doof um, dass sie genau auf dem Vorsprung landet, an dem Randall hochklettern soll. Der Weg ist versperrt und es geht erst weiter, nachdem wir neu laden. Wenn das mal passiert, nachdem automatisch gespeichert wurde, kann man seinen Spielstand eigentlich vergessen und von vorn anfangen. Außerdem nervt Deadlight einen gerne mal mit der Fehlermeldung, das Spiel könne nicht gespeichert werden, weil die Festplatte voll beziehungsweise nicht mehr verfügbar sei. Das hat uns beim Test ziemlich irritiert und lange davon abgehalten, das Spiel zu beenden. In Wirklichkeit ist die Fehlermeldung aber selbst der Fehler: Gespeichert wurde unser Spielstand nämlich trotz der Meldung immer. Clippingfehler, wie beispielsweise durch die Wand ragende Zombiehände uns komisch ausgeführte Moves von Randallgehören da schon wieder zu den weniger auffälligen Fehlern.

Meinung

Wertung zu Deadlight (X360)

Wertung:

6.8 /10
Pro & Contra
atmosphärisches Zombie-Spielziemlich toller Ersteindruck zu Beginn des Spiels (der dann leider schnell der Frustration weicht)Art Design ist eine Art Limbo meets Shadow Complex
technische Probleme: Spiel gibt Konsolenfehler aus, die gar nicht existierennach dem ersten Drittel weicht das abwechslungsreiche Gameplay einem nerivgen Trial-and-Error-Hindernisparcoursunfaire Fallenverteilung, weil man sie dank Schattenoptik schlecht sehen kannfehlende oder defekte Spieltrigger, man muss ab und an mal den Spielstand neu laden

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