Der aktuellste Titel aus der Def Jam Reihe bietet uns in erster Linie eine komplett überarbeitete Kampfsteuerung.
Break ya neck
Def Jam: Icon
Keine Panik, trotz der gewöhnungsbedürftigen Änderungen ist auch das neuste Def Jam am Ende durchaus ein brauchbarer Prügler, denn es hat auch Vorteile, wenn man nicht hunderte von Spezialattacken auswendig kennen muss, sondern sich ganz und gar der Deckung und der Distanz zum Gegner widmen kann, um im Takt der Musik den richtigen "Beat" abzuwarten. Man wünscht sich bloß etwas mehr von allem. Mehr Schlagvarianten, noch mehr Interaktion mit der Umwelt und vor allem mehr Spielstages, denn schon nach sehr kurzer Zeit hat man alle sieben Spielumgebungen (plus eine freispielbare) gesehen. Trotzdem macht Def Jam Icon durchaus Spaß . Wer die Vorgänger mochte, wird sich nach einiger Umstellung jedenfalls ziemlich gut zurecht finden, denn sonst gibt sich Def Jam Icon relativ klassisch und weist neben dem dargestellten Milieu noch viele weitere Gemeinsamkeiten mit seinen Vorgängern auf. Allem voran der Ablauf des unterhaltsamen Storymodus. Im "Build a Label" Modus nehmt ihr mit einem selbst angelegten Charakter die Rolle eines frisch gebackenen Hip Hop Produzenten ein, der weit mehr macht, als nur die Finanzen zu verwalten. Bevor die nachempfundenen Charaktere aus dem Business bei euch einen Plattenvertrag unterschreiben, wollen nämlich einige Neider wie Boyd oder Sticky Fingaz erst mit schlagkräftigen Argumenten dazu überredet werden, gestohlene Demotapes herauszurücken, oder euren frisch unter Vertrag genommenen Schützling in Ruhe zu lassen. Klingt zwar etwas hanebüchen, aber was soll's, irgend einen Grund für einen Kampf muss es ja immer geben.
Def Jam: Icon
Für die Keilereien trefft ihr euch mit den anderen bösen Jungs in einem Club, auf einer Straße oder an einer Tankstelle, während ihr zwischendurch in eure Wohnung zurückkehrt, um die Platten eurer Künstler durch Finanzspritzen zu promoten. Das geht alles von eurem Privatrechner aus und ist auch nicht besonders kompliziert, denn ihr müsst einem Song lediglich die Gelder für Radioausstrahlungen, Marketing, PR-Arbeit und Produktionskosten zuteilen und könnt anschließend zusehen, wie gut er sich verkauft. Wer ein geschicktes Händchen hat, macht so aus den Songs große Hits mit Gold oder Platinum Auszeichnung und finanziert sich so einen angenehmen Lebensstil mit einer schicken Wohnung und (wie sollte es in diesem Milieu anders sein) mit mehreren Sexualpartnerinnen. Wie in den Vorgängern könnt ihr auch Unmengen von Kleidungstücken und Accessoires erstehen, mit denen ihr euren persönlichen Style verbessert, doch werdet ihr euer Geld vornehmlich für kleine Gefälligkeiten, wie einen Einkaufsbummel für eure Freundin oder die Anwaltskosten eines Künstlers ausgeben, die dafür sorgen, dass sie sich auch bei euch wohl fühlen und nicht zur Konkurrenz überlaufen. Damit euch eure Stars und Verehrerinnen aber nicht die Haare vom Kopf fressen, muss die Geldmaschine arbeiten, was euch zwingt, neue Talente anzuwerben und Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen, und euch wiederum zu den Kämpfen führt, deren Reihenfolge ihr aber selbst bestimmt. Hin und wieder bekommt ihr zusätzlich auch eine der wirklich aufwändig inszenierten Cutscenes präsentiert, die euch lose Teile der Story näher bringen, manchmal aber auch nur ein besonderes Ereignis, wie z.B. ein Date mit einer eurer Gespielinnen ankündigen. Wie im Rest des Spiels ist die Grafik dank exzellentem Texturing und noch besserer Beleuchtung auch hier hervorragend und nur kleine Macken wie z.B. nicht am Körper liegende Ketten oder die an Bodypainting erinnernde Kleidung eurer Freundinnen geben Grund zur Kritik an der Optik. Inhaltlich ist das klischeegefüllte Geschehen jedoch nicht wirklich ernstzunehmen, daher verpasst ihr auch nicht wirklich viel, wenn ihr die Zwischensequenzen aus versehen wegdrückt.
Weitere Spielmodi
Def Jam: Icon
Soweit der Story Modus, der wie nicht anders zu erwarten, von mehreren kompakten Spielvarianten begleitet wird. Neben den Modi "Throwdown" und Beating with Bass", die beide nur Quick Match Abwandlungen darstellen, steht euch der Practice Mode zur Verfügung, in dem ihr euch mit der Steuerung vertraut machen könnt. Im umfangreichen F.A.C.E. - Charaktereditor dürft ihr in aufwändiger Kleinarbeit mehrere Fighter selbst erschaffen und die Xbox 360 exklusive "My Soundtrack" Option erlaubt euch, zu einem eigenen Soundtrack zu fighten, den ihr über das Dashboard abspielt. Da das Spiel aber eure eigenen Tracks nicht wirklich kennt und somit eher zufällig Höhepunkte setzt, macht dieser Spielmodus, so gut er auch gemeint ist, nur begrenzt Sinn. Viel sinnvoller ist es dagegen, sich über den Online Modus einen menschlichen Kontrahenten zu suchen. Xbox Live bietet hier die üblichen Spirenzchen wie Headset Kommunikation, freie Spiele und Ranglistenfights, die den sehr gut und beinahe lagfrei ablaufenden Onlinefights die nötigen Rahmenbedingungen verpassen. Zudem stehen mehrere Lobbies zur Verfügung, in denen ihr potentielle Gegner herausfordern könnt. Soweit wir sehen konnten gab es in diesem Bereich keine erwähnenswerten Kritikpunkte.
