Herr der Ringe: Peter Jackson hat Legolas' coolste Fähigkeit komplett ignoriert

Special Philipp Sattler
Herr der Ringe: Peter Jackson hat Legolas' coolste Fähigkeit komplett ignoriert
Quelle: Warner

Elben sind in Herr der Ringe den Menschen in fast jeder Hinsicht überlegen. Peter Jackson hat das in seiner Filmtrilogie eindrucksvoll gezeigt - aber eine der spannendsten Fähigkeiten von Legolas ging dabei fast komplett unter.

Lange Zeit galt Der Herr der Ringe als unverfilmbar. Dann kam Peter Jackson, schnappte sich Tolkiens Fantasy-Monument und machte daraus eine der bekanntesten Filmtrilogien aller Zeiten. Seitdem haben wir Mittelerde nicht nur auf der großen Leinwand gesehen, sondern auch in Der Hobbit und Amazons Die Ringe der Macht. Eine Konstante gab es dabei fast immer: Elben. Mal geheimnisvoll, mal wunderschön, mal tödlich elegant - und meistens so, als hätten sie bei der Charaktererstellung ein paar Punkte mehr bekommen als der Rest von Mittelerde.

Gerade Legolas wurde durch Peter Jacksons Filme zur Fantasy-Actionfigur schlechthin. Orlando Bloom schoss Pfeile, als hätte jemand den Cooldown entfernt, lief leichtfüßig durch Gefechte und wurde später endgültig zur Legende, als er auf Schilden, Treppen und Olifanten herumturnte. Kurz gesagt: Wenn irgendwo ein Elb besonders spektakulär aussehen konnte, war Legolas nicht weit. Dabei hat Jackson ausgerechnet eine seiner nützlichsten Eigenschaften fast komplett im Hintergrund gelassen.

Herr der Ringe: Elben sind nicht einfach nur Menschen mit schönen Haaren

In Tolkiens Welt sind Elben den Menschen in vielen Dingen überlegen. Sie leben nicht nur unfassbar lange, sie nehmen die Welt auch anders wahr. Sie sind ausdauernder, anmutiger, oft weiser und körperlich erstaunlich widerstandsfähig.

Ein Teil davon kommt natürlich durch ihr Alter. Wer mehrere Jahrhunderte oder gar Jahrtausende Zeit hat, um Bogenschießen, Reiten, Kämpfen, Singen und vermutlich auch besonders dramatisches In-die-Ferne-Schauen zu üben, der hat gegenüber normalen Menschen einen krassen Startvorteil.

Legolas ist zur Zeit von Der Herr der Ringe kein junger Abenteurer, der gerade erst den Waffenschein für Bögen gemacht hat. Er ist ein erfahrener Elb aus dem Düsterwald, der deutlich mehr gesehen hat als Frodo, Sam, Merry und Pippin zusammen - inklusive zweitem Frühstück.

Peter Jackson zeigt einige dieser elbischen Vorteile durchaus. Legolas sieht weiter als die anderen Gefährten. Er bewegt sich fast lautlos. Und auf dem Caradhras läuft er über den Schnee, während sich Menschen, Hobbits und Zwerge mühsam hindurchkämpfen. Das ist einer dieser Momente, in denen der Film ohne große Erklärung sagt: Ja, Elben funktionieren einfach anders. Aber eine Fähigkeit bleibt fast unsichtbar.

Legolas braucht Schlaf nicht so wie Menschen

Habt ihr in Peter Jacksons Herr der Ringe jemals Legolas richtig schlafen sehen? Vermutlich nicht. Und das ist kein Zufall.

Bei Tolkien ruhen Elben anders als Menschen. Sie können zwar schlafen und auch träumen, aber sie sind nicht auf dieselbe Art darauf angewiesen. Legolas kann sich erholen, ohne sich wie ein Mensch stundenlang komplett auszuklinken. In den Büchern wird beschrieben, dass er manchmal still daliegt, die Hände gefaltet, die Augen geöffnet und den Blick in die Ferne gerichtet. Für Menschen sieht das nicht unbedingt nach Schlaf aus - für einen Elben reicht es aber offenbar.

Noch spannender: Elben können sogar während langer Märsche in eine Art wachen Ruhezustand fallen. Sie ruhen, ohne völlig unaufmerksam zu werden. Das ist keine Superkraft im Marvel-Sinn. Es ist eher die Fantasy-Version von "Ich schlafe, aber wenn jemand den Kühlschrank öffnet, bin ich sofort wach".

Für die Gefährten ist das enorm praktisch. Während Menschen, Hobbits und Zwerge irgendwann einfach Pause brauchen, kann Legolas weiter wachsam bleiben, Wache halten oder marschieren, ohne sofort zusammenzuklappen. In einer Welt voller Orks, Warge, Nazgûl und sonstiger Dinge, die man nachts nicht im Garten haben möchte, ist das ziemlich hilfreich.

Warum zeigt der Film das kaum?

Dass Peter Jackson diese Fähigkeit nicht groß erklärt, ist eigentlich nachvollziehbar. Sie ist nützlich, aber schwer spektakulär zu inszenieren.

Ein Elb, der nicht richtig schlafen muss, ist für die Reise der Gefährten spannend. Für einen Film ist das aber komplizierter. Eine Szene, in der Legolas reglos herumliegt und dabei irgendwie ruht, wäre vermutlich nicht ganz so ikonisch geworden wie sein Auftritt auf dem Schnee oder seine Kämpfe in Helms Klamm.

Jackson musste Elben vor allem visuell verständlich machen. Also zeigte er ihre Überlegenheit dort, wo man sie sofort sieht: in ihren Bewegungen, ihrer Haltung, ihrer Präzision, ihrer Eleganz. Legolas wird in den Filmen nicht dadurch besonders, dass er besser ruht als andere. Er wird dadurch besonders, dass er scheinbar nie daneben schießt, nie stolpert und selbst mitten im Chaos aussieht, als hätte er gerade frisch die Haare gemacht.

Trotzdem ist es schade, dass dieser Aspekt kaum eine Rolle spielt. Denn gerade diese ruhigere Fähigkeit zeigt, wie fremd Elben den Menschen eigentlich sind. Sie sind nicht nur hübschere, ältere und bessere Kämpfer. Sie erleben Zeit, Erschöpfung und Wachsamkeit auf eine andere Weise.

In den Büchern sind die Elben weiter von den Menschen entfernt, als es in den Filmen dargestellt wird. Quelle: Warner In den Büchern sind die Elben weiter von den Menschen entfernt, als es in den Filmen dargestellt wird.

Aragorn, Gimli und Legolas laufen drei Tage ohne Pause

Ein interessanter Vergleich kommt später, als Aragorn, Gimli und Legolas die Uruk-hai verfolgen. Drei Tage lang jagen sie ihre Gegner, ohne Rast und Schlaf. Das ist auch im Film einer der Momente, in denen klar wird: Diese drei sind keine normalen Wanderurlauber.

Aber bei Legolas steckt mehr dahinter als reine Willenskraft. Aragorn ist als Nachfahre Númenors ohnehin außergewöhnlich widerstandsfähig, Gimli ist ein zäher Zwerg, der sich von ein bisschen Erschöpfung nicht beeindrucken lässt. Legolas hingegen ist ein Elb - und muss sich nicht auf dieselbe Weise erholen wie seine Gefährten. Genau das macht die Szene im Rückblick noch spannender. Für Aragorn und Gimli ist dieser Marsch eine brutale körperliche Leistung. Für Legolas ist er immer noch anstrengend, aber auf einem ganz anderen Level.

Peter Jackson machte Legolas spektakulärer - aber auch menschlicher

Peter Jacksons Entscheidung passt am Ende zu seiner gesamten Darstellung der Elben. In den Filmen wirken sie zwar edel, fremd und überlegen, aber oft auch deutlich menschlicher als in Tolkiens Vorlage. Das macht sie zugänglicher. Arwen, Elrond, Galadriel und Legolas sind keine völlig entrückten Wesen, sondern Figuren mit erkennbaren Emotionen, Konflikten und Schwächen.

Das war für die Filme vermutlich die richtige Entscheidung. Zu viel elbische Andersartigkeit hätte schnell distanziert gewirkt. Zuschauer sollen mit diesen Figuren mitfühlen, nicht nur ehrfürchtig vor ihnen zurückweichen.

Trotzdem bleibt Legolas' fast schlaflose Natur eines dieser kleinen Tolkien-Details, die zeigen, wie viel in den Büchern zwischen den Zeilen steckt. Und sind wir mal ehrlich: Das ist vielleicht weniger spektakulär als ein Pfeil in letzter Sekunde oder ein Spaziergang über Schnee. Aber im Alltag wäre es wahrscheinlich die bessere Fähigkeit.

Wir wären jedenfalls schon zufrieden, wenn wir nach dem Mittagessen nicht jedes Mal kurz überlegen müssten, ob ein kleines Nickerchen jetzt wirklich nötig ist. Vermutlich sind wir eben doch näher an den Hobbits als an den Elben.

Welche Fähigkeit aus Tolkiens Welt hättet ihr im Alltag am liebsten: Legolas' Wach-Ruhemodus, elbische Adleraugen - oder doch lieber die Hobbit-Gabe, nach jedem Essen ein Nickerchen zu rechtfertigen? Wir sind auf eure Ideen in den Kommentaren gespannt. Beachtet beim Kommentieren bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet . Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken , die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube , Instagram und Tiktok .

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