Die Elbenfreunde unter den PSP-Spielern bekommen mit diesem Titel kein Remake, sondern ein völlig neues Strategie-RPG.
Der Herr der Eintönigkeit
Der Herr der Ringe: Taktiken
Obwohl jeder Charakter im Spielverlauf viele besondere Angriffsmethoden erlernt, welche im Fähigkeiten-Shop zwischen den Schlachten gegen bare Münze erworben werden können, sind keine besonderen Höhepunkte im Schlachtgeschehen auszumachen. Die hintereinander weg folgenden Kampfanimationen einer Runde sind sehr kurz gehalten, so dass man oft gar nicht so richtig mitbekommt, wer eigentlich gerade wen angreift. Die Spezialattacken haben zwar ihre eigenen kleinen Animationen, doch sie werden in keiner Weise hervorgehoben. Keine noch so kurze Kamerafahrt, kein Close-Up, keine hervorhebenden Spezialeffekte. Völlig phantasielos dreschen die Protagonisten einfach mit einer leicht abgeänderten Animation auf einander ein. Dadurch ist ein zügiger Spielverlauf garantiert, aber auch absolute Eintönigkeit, denn ob der Angriff nun "Balins Zorn" oder "Rumpelstilzchen" heißt, macht nun auch keinen Unterschied mehr, und abgesehen von der erwarteten Schadenhöhe hat man nichts, was einen zum Einsatz eines bestimmten Angriffs bewegen könnte. Nicht einmal die Zaubersprüche von Gandalf und Saruman sind besonders erwähnenswert. Mal ein roter Blitz oder ein blauer Feuerball ist da schon das höchste der Gefühle. Gerade bei den flächendeckenden Zaubern hätte man grafisch phantasievolleres erwarten können. Es verlangt ja keiner gleich "Final Fantasy"-Ausmaße, aber ein bisschen liebevoller hätte es schon sein dürfen. Wäre der Balrog in Moria nicht so schön in Szene gesetzt, könnte man fast meinen, EAs RPG-Abteilung wisse nicht so recht, was sie alles mit der PSP anstellen können.
Der Herr der Ringe: Taktiken
Das Einzige was einen aus der aufkommenden Monotonie herausreißt sind die kleinen Fehler, die sich scheinbar beim Release eingeschlichen haben - ein Faktor, der einem das Gefühl gibt, das EA entweder keine Beta-Tester beschäftigt oder bei "Herr der Ringe Taktiken" arg unter Zeitdruck stand. Wollt ihr zum Beispiel einen Charakter mit einer Portion Athelas heilen, so teilt ihr ihm dies einfach über das Item-Menu mit. Nach der Zuteilung der Aufgabe "heile Dich" sollte normalerweise der Cursor zum nächsten Charakter springen, damit ihr diesem seine Aufgabe zuteilen könnt, was aber nach dem Heilbefehl nicht der Fall ist, so dass ihr manuell zum nächsten Charakter springen müsst. Das ist einfach nur nervig und hat keinerlei spielerischen Hintergrund, denn jeder Charakter kann in jeder Runde nur eine Aktion ausführen. Genauso nervig ist die Tatsache, dass das Einkaufs-Menu einen anderen Button zum Bestätigen verwendet als der Rest des Spiels. Dadurch kommt man beim Einkaufen, Speichern und bei der Levelauswahl auf der spärlichen Weltkarte ständig durcheinander. Wenn im Kampfgeschehen dann auch noch Schrei-Samples durcheinander geraten (Gandalf schreit bei Verletzung wie Frodo), ist der Eindruck eine Beta-Version zu spielen beinahe perfekt.
Mehr Spaß im Multiplayer-Modus
Der Herr der Ringe: Taktiken
Geringfügig besser steht es um den Multiplayer Modus, der es erlaubt über WLAN mit drei weiteren PSP-Besitzern auf einem wählbaren Spielfeld Schlachten auszufechten. Der Host des Spiels kann dabei einige Regeln vorgeben, welche die Auswahl der Partymitglieder beeinflussen können. Generell besteht die Party im Mehrspielermodus aber aus 2 bekannten "Herr der Ringe"-Helden bzw. Schurken und einer vorgegebenen Anzahl namenloser Streiter wie Wargreiter und den Rohirim. Durch den Einsatz menschlicher Intelligenz gewinnt das Geschehen natürlich einiges an Charme, so dass die Multiplayer-Matches vom Spielspaß her deutlich besser abschneiden, als der Solo-Modus. Löblicherweise darf ein Spieler beim Spiel zu dritt oder zu viert jederzeit aus der Schlacht aussteigen, ohne den weiteren Spielverlauf zu beeinflussen. Die Gegenspieler setzen dann einfach das Match alleine fort.
