Ein Höhenflug im Linzenzhimmel oder wieder ein gewaltiger Absturz in qualitativ niedrige Ebenen?
Zeitgleich mit dem Start des 3D-Fantasy-Kinospektakels "Die Legende der Wächter" - ein computeranimiertes Abenteuer für die ganze Familie von Zack Snyder, unter anderem bekannt durch die Filme 300 und The Watchmen - veröffentlichte Warner Bros. Interactive die passende Umsetzung für die aktuellen Konsolen. Auch im Videospiel schließen sich die Spieler und Fans des Films bzw. der beliebten Buchreihe "Guardians of Ga'Hoole" einer außergewöhnliche Gruppe von Helden an. Ein Höhenflug im Linzenzhimmel oder wieder ein gewaltiger Absturz in qualitativ niedrige Ebenen?
Die Entwickler des Videospiels haben sich zumindest geschichtlich nicht lumpen lassen. Während das bezaubernde Leinwandabteuer vor allem mit noch nie gesehenen Animationen begeistert und dabei die Geschichte des kleinen unscheinbaren Helden Soren, seines Bruders und seiner Schwester erzählt, schlüpft der Spieler in der Versoftung in die Haut einer ganz fremden Eule namens Shard und darf die Ereignisse aus einem völlig anderen Blickwinkel genießen. Er ist ein Waisenkind, wuchs unter den Wächter auf und durchlebt die üblichen Torturen eines Schülers. Dazu gehören nicht nur ausführliche Unterrichtsstunden, sondern auch Trainingseinheiten und Test, welche zu Beginn ganz geschickt die Spieler an das anfänglich doch ungewöhnliche Gameplay heranführen. Im Gegensatz zu den Varianten für die Heimkonsolen muss man auf dem Nintendo DS auf die gelungene Sprachausgabe verzichten, bekommt aber sehr hübsch inszenierte und animierte Bilder sowie gelungene Dialoge in Textform geboten.
Aller Anfang ist schwer
Ob durch einen rauschenden Wasserfall und einer dahinter gähnenden Höhle oder zwischen den Bäumen eines dunklen Waldes hindurch, zwischen den Felsen einer tiefen Schlucht entlang, über hohe Berge hinweg und über das Meer hinaus - als gefiederte Eule gleitet euer Haudegen völlig unbeschwert durch die Luft, nutzt windige Böen zur Beschleunigung und kann sich ungeniert frei in einer auch auf dem Nintendo DS meist unglaublich großen Welt hinfort bewegen. Ganz klar begrenzen hier und dort hohe Berge und das weite Meer den Spielbereich, doch keinesfalls kommt man sich wirklich eingeengt vor. Wie auf dem Heimkonsolen handelt es sich um ein 3D Flug-Abenteuer, wobei die Steuerung recht gelungen an die Gegebenheiten des Nintendo DS angepasst wurden. Mittels Stylus wird der Held geführt und per Knopfdruck eine 180° Wende durchgeführt. Dabei bleibt die Kamera immer starr hinter den Krallen des Flugviehs und sorgt nur selten für Probleme.
Spielerisch fällt der Titel deutlich einfacher aus. Weder stürmen unglaublich große Scharren an Gegner auf euch ein, noch habt ihr allzu viel zu tun bzw. mit der Steuerung zu hantieren - das Spiel läuft eher etwas gemächlicher und gemütlicher, deswegen aber sicherlich für erfahrene Spieler auch deutlich langweiliger ab. Beginnt in solch luftigen Höhe eine handfeste Auseinandersetzung mit den "Reinsten" - den bösartigen Eulen, welche die Wächter vom Baum des Ga'Hoole stürzen und an die Macht wollen - und deren Anhänger, so wird in eine Art Kampfarena gewechselt, aus der man erst wieder fliehen kann, wenn alle Feinde vernichtet sind. Dort angekommen gilt euer Hauptaugenmerk nicht mehr dem Flug und dem gewieften Ausweichen von Bäumen, sondern einzig allein den Bemühungen des Gegners, euch alle Federn zu rupfen. Shard gilt zwar noch als Grünschnabel, mit eurer Hilfe kann er sich aber prima zur Wehr setzen.
Mit kurzem schnippen des Stylus werden die bösen Kreaturen attackiert oder mittels des Tornado-Spins vorerst auf Abstand gehalten. Zusätzlich sorgen Spezialattacken sowie das Blocken für etwas mehr Taktik, aber wirklich gefährlich werden die feindlichen Klon-Kreaturen nie. Mit einigen saftigen Backpfeifen geben diese Schreihälse schnell ihr Gefieder ab und verpuffen in einer kleinen Wolke. Und trotz der Möglichkeiten, bestimmte Fähigkeiten später auszubauen, bleibt das Kampfsystem recht simpel. Die verschiedenen Variationen sind nur selten wichtig, meist reichen Standardcombos sowie das Blocken vollkommen aus, um heil aus den brenzligen Situationen zu kommen. Die aus dem großen Spiel bekannten Flügelmänner sind ebenfalls mit von der Partie, diese sorgen aber eher passiv für Vorteile im Kampf gegen die Reinsten.
