Der Mäuserich mit neuem Anstrich. Kann Legende Warren Spector die einstige Disney Ikone wieder zum Leben erwecken?
Die Macht des Pinsels
Disney Mickey Epic
Einzige Tücke dabei ist die Steuerung und die Kamera. Der verantwortliche Kameramann sollte zumindest auf der stelle gefeuert werden, denn nicht selten springt und hüpft er mit seiner Linse derart ungünstig durch die Gegend, dass uns sämtliche Übersicht über die verschachtelte Plattformberge flöten geht. Selbst manuelles Nachjustieren klappt nicht immer und das ist bei einem solchen Jump & Run doch recht ärgerlich. Auch der Pinsel unterliegt nicht ganz dem Willen des Spielers. Das mag daran liegen, dass Micky diesen dem guten Zauberer ohne ein Wort entwendet hat, vielleicht aber auch an der inkonsequenten Programmierung. Nicht selten möchte man mit der Remote auf den Bildschirm zeigend eine Fläche mit bunter Farbe anmalen oder den Boden direkt unter den Feinden verschwinden lassen, doch der Strahl landet direkt vor Mickys Füßen auf dem Boden oder trifft haargenau das Geländer einer morsch aussehenden Brücke. Die ungenaue Handhabe ärgert und bietet vor allem im späteren Verlauf des Abenteuers noch reichlich Potenzial für Frust - vor allem bei den jüngeren Spielern.
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Was anfänglich trotz aller Geheimnisse noch recht linear ausfällt und mit pseudohaften Aufträgen einen spielerischen Tiefgang vorgaukelt, entfaltet sich spätestens nach den ersten paar Hüpfwelten und sorgt für Abwechslung. Völlig abgehetzt und ausgelaugt gelangt Micky in zentrale Gebieten, in denen man die Behausungen der Bewohner, zum Beispiel der Kobolde oder aber der alten Stars findet. Vogelfrei wandert man in den Haushalten herum, erkundet die Gassen und Wege und unterhält sich mit den Leuten. Diese geben nicht nur Smalltalk und gewisse Anspielungen von sich, sondern haben auch ab und an einen kleinen Auftrag für den Mäuserich parat. Ob ihr dem Gefallen nachkommt, ist manchmal vollkommen euch überlassen. Bisweilen gehören diese Missionen aber auch zur Hauptstory und schmücken den eigentlichen Verlauf nur etwas aus. Zugegeben, zumeist gilt es nur von A nach B zu kommen, um Gegenstand C zu finden und diesen dann wieder bei A abzugeben - nicht gerade tiefsinnig und sicherlich auch nicht sonderlich spannend. Das Spiel versucht aber aus dem Klischee reiner Plattformer herauszukommen und schafft dies eben mit einem gewissen Reiz an Freiheit.
Gefeierter Held oder unreinem Herzens?
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Überspitzt wird diese freie Wahl des Spielers in den Momenten genossen, in denen brenzlige Situationen mal bewusste, mal auch völlig unbewusste Entscheidungen abverlangen, die sich kurzweilig auf den Spielverlauf auswirken. Denn nicht jedes Ziel ist stur mit dem Kopf durch die Wand zu erreichen, es gibt bisweilen ein paar andere Möglichkeiten, um das Abenteuer zu bestehen. Nehmen wir als Beispiel einfach mal den schiefen Turm (wohl aus Pisa). Schön macht er sich, vor dem Eiffelturm, ist manchen Leuten aufgrund seiner nicht mehr ganz senkrechten Lage aber ein Dorn im Auge. Man kann nun versuchen, die andere Seite der Ebene über einen zusätzlichen Weg zu erreichen. Dies erfordert einiges an Geschick und ein wachsames Auge für Vorsprünge und Plattformen, auf die Micky springen kann. Mitunter kommt auch der Pinsel zum Einsatz, welcher Wolken aus dem Nichts zaubert und somit das Weiterkommen sichert. Rabiate Naturen nutzen stattdessen die wackeligen Säulen vor dem Turm, um diese mit einem Domino-Effekt umzuwerfen und somit den Turm zu Fall zu bringen - schon hat man nahezu mühelos den Abgrund überwunden.
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Warren Spector gewährt unglaubliche Freiheit, doch wirkliche Konsequenzen ziehen wir aus den Entscheidungen nicht. Mag sein, dass sich Karter Karo hinterher mal darüber aufregt, dass wir ihm das Fahrtenbuch nicht ausgehändigt haben, doch wirklich ernst wird die Situation nie. Meist geht die Spielwelt nicht einmal auf eure Handlungen ein, sondern verblasst nachdem die Passage verlassen wurde. Kehrt man in den jeweiligen Raum wieder zurück, ist es gut möglich, dass vormals mühevoll verteilte Farbe wieder zu blassem holzgrau wurde und alles in seinen ursprünglichen Zustand zurück versetzt wurde. Schade, dass die Handlungen kaum wirkliche Auswirkungen zeigen und sich das Spiel deshalb auch im zweiten Durchgang recht ähnlich anfühlen wird. Einzig allein die Bosskämpfe, recht rätsellastige Auseinandersetzungen mit teils richtig großen Figuren, haben eine Nachwirkung. Je nachdem ob ihr diese mit mehr Farbe oder Verdünner bearbeitet habt, bekommt ihr einen größeren Vorrat genau derselben Mixtur. Die Feinde werden übrigens nicht nur benommen durch eine Drehattacke, die schwarzen Kleckse, sofern sie noch klein sind, kann man mit Farbe zu Freunden machen, oder aber mit Verdünner geradezu ausradieren - na, wer spielt hier den Sadist und lächelt schelmisch, wenn die kleinen Kreaturen dampfend vom Bildschirm gefegt werden?
