Der Mäuserich mit neuem Anstrich. Kann Legende Warren Spector die einstige Disney Ikone wieder zum Leben erwecken?
Als Schauspieler hat man es nicht leicht. Kommt man in die Jahre, wird man weggeworfen wie altes Eisen. So auch die Comic-Stars vergangener Tage, welche den heutigen Figuren wie Shrek oder Woody weichen mussten. Schon in den 90ern zeigten Umfragen, dass Nintendos Maskottchen Super Mario bekannter ist als Walt Disneys weltbekannter Mäuserich, heute ist Micky fast schon komplett in Vergessenheit geraten. Ungewöhnlicherweise ist es die Aufgabe des Deus Ex Erfinder Warren Spector, eine Koryphäe im Videospielbusiness, die charmante Maus mit ihren großen schwarzen Ohren zurück in die Welt der Lebenden zu bringen - damit Kids als auch jung gebliebene Erwachse gleichermaßen wieder ihre Freude mit den lustigen Mäuserich haben!
Disney Mickey Epic
Ganz so humorvoll geht es in Micky Epic auf dem ersten Blick aber gar nicht zu. Eines Nachts klettert der Mäuserich durch einen Spiegel und beobachtet heimlich den großen Magier Yen Sid (na, schon mal rückwärts ausgesprochen?) in seinem kreativen Schaffungsprozess. Mit blauen Mantel und hoher spitzer Mütze erinnert er zwar eher an Merlin, scheint aber ein begabter Maler zu sein und mit seinem Wunderpinsel die letzte Bleibe für alte Comicstars zu schaffen. Den Eindringling bemerkt er nicht und wundert sich Tags drauf über das zerstörte Bild. Kann ja mal passieren, dass man im Eifer des Gefechts und den Freuden bezüglich schwungvoller Pinselstriche den Verdünner über das Werk verschüttet und damit alles zunichte macht, was der Großmeister für die Comic-Rentner vorgesehen hatte. Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis Micky all das Übel seines Ausrutschers erkennen soll - bis dahin ruht er bei Nacht genüsslich in seinem Bettchen und genießt die Tage seiner Erfolge!
Disney Mickey Epic
Gewaltsam wird der Mäuserich eines Tages aber in die Welt von Wasteland entführt, deren Städte nicht gerade nach einer schillernden Cartoon-Welt aussehen und die bekannten Superstars vergangener Tage wie Klarabella, Rudi Ross, Donald, Daisy, Goofy und Kater Karlo geradezu blass gegenüber den dunkel herrschenden Hintergründen wirken. Bretterbuden, meist notdürftig mit einigen Stützpfeilern zusammengehalten, Häuser, die sich krumm und bucklig der blau-schwarz bemalten Decke entgegen recken und überall giftige Dämpfe - Auswüchse des Verdünners, den Micky vor vielen Jahren über das Bild des Magier geschüttet hat und damit den Bewohner von OsTown und der Main Street eine Lebensgrundlage genommen hat. Nicht umsonst führt der schreckliche Weg uns später gar über den Mickymüll-Mountain, der seinem Namen alle Ehre macht. Warren Spector lässt seiner Phantasie freien Lauf und erschuf aus dem einst schillernden Disney-Imperium ein skurriles Abbild dessen, was heute noch von den ganzen klassischen Helden übrig ist. So müssen sich die Cartoon-Figuren fühlen, wenn sie in die Jahre gekommen sind und langsam, aber ganz sicher in Vergessenheit geraten.
Ach Micky, was hast du nur angerichtet ...
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Micky selber ist nicht gerade begeistert über die Situation, würde lieber in seinem Bett schlummern, macht aber zusammen mit Gus, den verrückten Wissenschaftler das Beste daraus und versucht den Bewohnern von Wasteland zu helfen - zumindest in einer gewissen freien Art. Witzig und für etwas ältere Semester geradezu herzzerreißend fallen die Aufeinandertreffen mit den alten Bekannten aus. Micky tut zum Beispiel erst so, als ob er Klarabella wiedererkennt, nur um danach verschmitzt doch den Kopf zu schütteln. Welch Enttäuschung für die gute Dame, Freundin von Mini Maus und somit eigentlich bestens bekannt beim Herrn Mäuserich. Dieser tut sich aber schwer, mit den Erinnerungen an die schwarz-weiß Episoden mit Karter Karlo oder Rudi Ross, dem Handwerkerfreund von Klara. Das alles scheint wie aus seinem Gedächtnis gelöscht, sorgt aber für herrlich skurrile Situationen.
Disney Mickey Epic
Vieles ging schief, nachdem Micky den Verdünner über das Bild geschüttet hat, das muss auch er recht schnell einsehen. Die Gunst der Stunde wird durch das Böse ausgenutzt - allen voran Hase Oswald, einer der ersten Figuren, die unter der Feder von Walt Disney seinerzeit ins Leben gerufen wurden. Diesem jagen wir in einem ausufernden Abenteuer hinterher. Zunächst wirkt Micky Epic wie ein gewöhnliches, mit reichlich Action garniertes, Jump & Run inklusive herausfordernder Sprung- und Geschicklichkeitspassagen sowie einigen Gegnern, denen man recht schnell Herr wird. Das Besondere ist zunächst der Pinsel des Zauberers Yen Sid, welcher einerseits Farbe bekennt, andererseits aber auch mächtig farblos wirken kann!
Disney Mickey Epic
Per Knopfdruck könnt ihr die Welt, solange noch Farbe im Container ist, anmalen und somit neue Plattformen schaffen, um über Abgründe zu kommen, Zahnräder aus dem Nichts her zaubern, um die Maschinen in Betrieb zu nehmen oder schlicht Wände zwischen Feind und Micky aufbauen. Auf der anderen Seite besitzt Micky den Verdünner und kann damit Türen verschwinden lassen, die Böden auflösen oder sich drehende Scheiben wieder zum Stillstand bringen. Allein diese kleine Auswahl ermöglicht schon derart viele kreative Schaffensmöglichkeiten, dass man ewig in ein und derselben Welt herumspielen kann, bis man sämtliche Geheimnisse aufgedeckt hat. Denn die Entwickler schufen nicht nur einen linearen, per roten Faden deutlichen Pfad durch das Abenteuer, denn wer abseits des Hauptstrangs die Ecken und Nischen durchforstet, wird zahlreiche Extras und Boni finden. Es gibt so vieles zu entdecken, so dass die eigentliche Handlung in den Hintergrund rückt und zu verblassen beginnt.
