Sinnvolle, neue Features und die Menge an Charakteren machen den Titel zum besten DBZ bisher.
Dragon Ball Z: Budokai Tenkaichi 3
Zuletzt wandert der Blick in die "Evolution Z", bereits bekannt aus dem Vorgänger. Durch die eben erwähnten Z-Punkte ist es hier möglich, Items zu kaufen, mit denen man dann die freigeschalteten Kraftprotze ausrüsten kann, um sie so zu stärken oder ihnen neue Fähigkeiten zu verleihen. Leider kann der "neue" Evolution-Z-Modus mit seinem älteren Bruder nicht mithalten: Zwar wurden Bedienung und Übersichtlichkeit spürbar entschlackt und präsentieren sich angenehm zugänglich, dies kann jedoch nicht über die vielen verloren gegangenen Möglichkeiten hinwegtäuschen. Aus ehemals acht wurden vier Charakterattribute, an denen man mit nun merklich weniger Items drehen kann. Eine Objektfusion ist ebenfalls nicht mehr vorhanden, diese hatte in der Vergangenheit für einige Experimentierfreude sorgen können. Auch haben die Entwickler ein wenig zu hart die Schrauben bezüglich perfekter Charaktere angezogen: Nachdem in Budokai Tenkaichi 2 durch bestimmte Item-Kombinationen ein Maximum aller Werte möglich war, belegen hier viele Items bereits zwischen 2 und 5 der maximal 7 Slots. So ist diesem in der Tat zu exzessiven Aufrüsten zwar ein Riegel vorgeschoben, wirklich viele Effekte kann man dadurch aber auch nicht mehr kombinieren. Schade, dass hier so rigide gestutzt wurde.
Grafik & Sound in der Next Generation
Dragon Ball Z: Budokai Tenkaichi 3
Dass ein neuer Ableger auch ein akustisches wie optisches Upgrade mit sich bringt ist fast schon selbstverständlich. Diesem ungeschriebenen Gesetz der Videospielbranche kommen die verantwortlichen Spike Studios aber eher halbherzig nach: Ein grafischer Sprung ist zwar durchaus sichtbar. Die Charaktermodelle wurden überarbeitet und aufgewertet, sämtliche Effekte haben eine Frischzellenkur erfahren und sehen deutlich besser aus. Dennoch hätte man diese Grafik ebenso gut auf den "alten" Konsolen umsetzen können. Hierbei sei zu beachten, dass die Wii der PS2 grafisch nochmals eine Nasenlänge voraus ist. Gott sei Dank ist die Serie aber ihrem überzeugenden Cel-Shading-Look treu geblieben. Auf die Ohren gibts prinzipiell das Gleiche wie schon vor rund einem Jahr: Eigens komponierte Stücke, die das Ganze zwar diesmal ein wenig besser untermalen als zuvor, trotzdem den Wunsch nach den aus der Anime-Serie bekannten Melodien nicht verdrängen können, die leider wieder mal komplett fehlen. Sämtliche Dialoge und Kommentare wurden vertont, allerdings nur auf Englisch - wer hier nicht wie ein Chamäleon gleichzeitig den Untertitel lesen und den Gegner im Auge behalten kann, dürfte wenig Freude mit den Kommentaren während der Kämpfe haben. Die in der Wii-Version komfortabel kurzen Ladebildschirme wurden - wie auch der Playstation-Artgenosse - mit einigen lustigen Minispielen versehen. Mal kann man z.B. mit Vegeta Liegestütze machen, mal mit Goku in gewohnter Manier schalenweise Essen hinunter unterschlingen - eine hübsche Idee!
Gameplay wie von einem anderen Stern?
Dragon Ball Z: Budokai Tenkaichi 3
Doch nun zur entscheidenden Frage: Kann Budokai Tenkaichi 3 endgültig das Image eines Button-Smashers von sich weisen und mit vielseitigem Kampfgeschehen überzeugen? Kurzum: Ja. Die Vielfalt an unterschiedlichen, teils charakterspezifischen Moves und Kombos, die liebevolle Einarbeitung vieler Dragonballfinessen, wie etwa der Energiecrashes, bei denen Strahltechniken aufeinanderprallen und schneller Umgang mit dem Controller von Nöten ist, um bei solch einem "Strahldrücken" zu überleben, die nochmals ausgebauten Möglichkeiten bei Teleportation im Nahkampf, die neue Überschallneigung - eine Abfolge schneller Ausweichbewegungen - und vieles mehr runden das Bild ab. Die zahllosen Techniken, Tricks und Manöver, die einen bereits im Trainingsmenü erschlagen (welches aber leider nicht komplett über alles informiert), weisen so manches alteingesessene Beat 'em Up in die Schranken und zeigen Genregenossen, wie ein vorzüglicher 3D-Prügler auszusehen hat: Eine schier unbegrenzte Menge an Kombinationen, begleitet durch cineastische Kamerafahrten und coole Verzerrungseffekte in dem der Serie eigenen Cel Shading-Stil. Dabei untermalen die zerstörbaren Umgebungen und auch Charakteroutfits das Dragonball-Flair, denn was bereitet mehr Freude, als den besten Freund mit einem Urknall-Kame-Hame-Ha zu rösten oder ihn durch eine Felsenformation zu prügeln? Es ist diese atemberaubende Kampfgeschwindigkeit, die Budokai Tenkaichi 3 - ohne Komplexität missen zu lassen - von den vielen eher gemächlichen Beat 'em Ups abhebt. Nach mehreren brachialen Kämpfen und blitzschnellen Schlagabtauschen gerät man schon mal ins Schwitzen. Daran wirkt auch die Steuerung mit...
... denn die erlebt auf Wii zwiespältiges: Auf der einen Seite steht eine nach wie vor schwer zu erlernende Grundsteuerung, die hier - auch durch die neuen Möglichkeiten - nochmals draufsattelt. Das grenzt zwar das Spiel von den vielen Button-Smashern ab, verwehrt aber Einsteigern und Gelegenheitszockern zumindest den Zutritt zu den richtig schweren Abschnitten des Spiels z.B. in der Mission 100. Auf der anderen Seite steht eine endlich richtig gut gelungene Umsetzung der legendären Gesten, die man aus der Serie kennt: Egal ob Goku die Hände zur Hüfte führt, um das Kame-Hame-Ha zu bündeln oder Freezer lässig über dem Kopf einen Todesball auf der Zeigefingerspitze tanzen lässt - jede Bewegung wird diesmal exakt imitiert. Wem dies zu viel Bewegung nach Feierabend ist, kann auch zum Gamecube- oder Classic-Controller greifen - aber er bringt sich damit meiner Meinung nach um das einmalige Feeling, einmal selber die Hände gen Himmel zu strecken, um dem Feind die vernichtende Genkidama entgegen zu schleudern. Lediglich die eine oder andere Fuchtelei mit der Wiimote z.B. zum Greifen oder für den aufladbaren Schlag hätte man sich schenken können, da sie mit der Zeit auf die Nerven gehen kann.
Die besten Krieger der Galaxis
Dragon Ball Z: Budokai Tenkaichi 3
Ein weiteres Novum in der DBZ-Ära ist der Onlinemodus, welchen Teil 3 in seiner Wii-Version unterstützt (und für welchen sie auf den PS2-eigenen Disc Fusion-Modus verzichten musste). Dieser gebärdet sich zunächst einmal sehr adrett: Man erstellt sein Profil, ist direkt drin und kann dann ohne Umschweife loslegen. Es gibt Zufallskämpfe im World Wide Web, Scharmützel gegen Freunde, Tabellen, Ranglisten und verschiedene Untermodi, z.B. um seinen selbst kreierten Charakter ins Feld führen zu können. Einzig ein Turniermodus wird schmerzlich vermisst, auch wenn dieser kaum umsetzbar gewesen wäre. Denn: Ich hab selten einen so unausgereiften Onlinemodus wie diesen erlebt. Während auf dem Computer bereits Ende der neunziger Jahre flüssiges Onlinegaming möglich war, wird einem hier selbst bei einwandfreier Verbindung eine abgehackte, stark ruckelnde Zumutung dargeboten. Nur in sehr wenigen Fällen ist von ungestörtem Spiel berichtet worden, viel häufiger hingegen liest man wütende Beschwerdebriefe von Spielern, deren Kämpfe abbrachen oder in denen Kommandos so zeitverzögert - wenn überhaupt - umgesetzt wurden, dass praktisch keine Kontrolle über den Recken ausgeübt werden konnte. Falls Atari bzw. die Spike Studios hier nicht noch gewaltig nachjustieren, bleibt der Onlinemodus allenfalls eine hübsche Lüge auf der Packungsrückseite.
