Drakensang: Am Fluss der Zeit im Gamezone-Test

Test Sandro Odak

Für Rollenspieler, die Lust aufs Taktieren haben, ein Hit: Gutes, anspruchsvolles RPG ohne Klickorgie!

Wenn der Test zum Nachfolger von Deutschlands "Bestem Rollenspiel 2008" ansteht, der sogar 2009 noch eine Vielzahl an Preisen (von LARA bis BIU Sales Award) absahnen konnte, dann ist ein weiterer Rollenspielhit schon fast vorprogrammiert. Ein bisschen enttäuscht war ich von "Drakensang: Am Fluss der Zeit" dann schon. Kein Helles Ferdoker in der Presse-Verpackung! Wo gibt es das denn? Ob das Spielerlebnis auch nüchtern überzeugen kann, wo man doch als Kreativer immer seine "Musen" braucht, haben wir dennoch getestet.

Drakensang: Am Fluss der Zeit Drakensang: Am Fluss der Zeit In Das Schwarze Auge: Drakensang lernten geduldige Taktik-Rollenspieler 2008 den Zwerg Forgrimm und die Jungdiebin Kladdis kennen. Im zweiten Teil der Drakensang-Reihe geht es mit den beiden so unterschiedlichen Charakteren auch direkt weiter. Denn Kladdis möchte mehr über die Geschichten und Abenteuer Forgrimms hören, der mit ihrem Vater Cuano und Ardo von Eberstamm durchs schöne Aventurien zog. Forgrimm, der alte Geschichtenerzähler und Haudegen lässt natürlich keine Möglichkeit aus, um von seinen epischen Heldenstories zu berichten, und erzählt Kladdis von einem Abenteuer der Truppe mit einem noch ganz unbekannten Neuling: Dem Spieler. Um ein wenig zu spoilern: Die Geschichte geht gut aus, klar, sonst könnte Forgrimm ja auch nicht davon erzählen!

Forgrimm erzählt...

Drakensang: Am Fluss der Zeit Drakensang: Am Fluss der Zeit So setz dich hin und lass dir erzählen, von Verrat und Gier, und von dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Vor 23 Jahren, noch während der goldenen Zeit unter Kaiser Hal, begann unsere Geschichte. Im Herbst des Jahres 1009 nach Bosparans Fall waren Ardo, Cuano und ich auf dem Weg von Ferdok nach Nadoret. Während einer Rast wurde unser Lager von Flusspiraten überfallen. Dabei lernten wir einen wahrhaften Helden kennen, der noch eine große Rolle in unserer Geschichte spielen sollte... So beginnt der trinkselige Zwerg am Lagerfeuer seine Geschichte. Der namenlose Held seid natürlich ihr. Namenlos deswegen, weil der Spieler den Namen selbst festlegen kann. Ein unschöner Kniff, denn gerade in den vielen Gesprächspassagen fällt immer wieder auf, dass die Vertonung Lücken aufweist wo im Sprechtext eigentlich der Name hingehöre.

Drakensang: Am Fluss der Zeit Quelle: PC Games Drakensang: Am Fluss der Zeit Seinen Charakter kann man genretypisch mit allerhand Fähigkeiten ausstatten, grob hinzugekommen sind die Archetypen Geode und Gjalskerländer. Während Geoden jedoch zaubermächtige Zwergenpriester sind, mit Natur und Erdkräften im Bunde, setzt der Gjalskerländer aus dem rauen Hochland eher auf brachiale Gewalt. Erhalten bleiben dem Spieler aber dennoch die bereits bekannten Archetypen aus dem Vorgänger, womit Am Fluss der Zeit insgesamt auf sieben unterschiedliche Typen kommt. Weiter unterteilt wird das Charaktersystem mit Professionen. Das besondere an den Archetypen: Im Expertenmodus lassen sich die Charakterwerte durchaus noch selber anpassen, auf einen 08/15-Standardcharakter muss man also nicht zurückgreifen.

Drakensang: Am Fluss der Zeit Drakensang: Am Fluss der Zeit Sehr wohl Einbußen hinnehmen muss man aber bei der optischen Gestaltung seiner Figur. Ganz im Gegensatz zu den umfangreichen Charakterwerten ist man hier auf nur sehr wenige Einstellungsmöglichkeiten beschränkt. Da kann man mal zwischen drei oder vier Haartypen, einem mehr oder minder freundlichen Gesicht und der groben Körperform ein halbwegs passendes Ebenbild generieren, wirklich zufriedenstellend ist das aber nicht - vor allem wenn man im Genre so viel umfangreichere Einstellmöglichkeiten kennt!

Drakensang: Am Fluss der Zeit Drakensang: Am Fluss der Zeit Eigentlich aber braucht Drakensang: Am Fluss der Zeit gar nicht so viele dynamisch-neue Inhalte, der Titel kann immerhin auf eine Historie zurückgreifen, die bis ins Jahr 1984 zurückreicht und eines der beliebtesten deutschen Pen & Paper Spiele überhaupt ist. Neben zahlreichen Regelbänden, die man als Fan bestimmt auch allesamt kennt, wurden in der Fantasywelt schon über 100 Romane verortet - wer nach Drakensang und dem Nachfolger also immer noch Lust auf DSA-Fantasy hat, wird genug Stoff in der Buchhandlung finden. In der Timeline springt Am Fluss der Zeit aber etwas zurück, die ganze Geschichte spielt neun Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils und ist damit nach der extrem erfolgreichen Nordland-Trilogie der 90er Jahre angesiedelt.

Rollenspiel mal gemütlich

Drakensang: Am Fluss der Zeit Drakensang: Am Fluss der Zeit Mit Ardo, Forgrimm, Cuano und einem weiteren Charakter geht es schließlich nach einigen Erklärungen und sanften Einführungen in die Hintergrundgeschichte direkt auf große Fahrt. Gefallen hat uns dabei die interaktive Entscheidungsfreiheit, die der Spieler da hat. Welchen Charakter wir etwa aus Nadoret mitnehmen, entscheiden wir in einer recht emotionalen Szene. Obwohl man solche Entscheidungsmomente zwar nicht immer vorausahnt, sind sie etwas rar gesät. Da soll man sich etwa entscheiden, wem man nun zur Hilfe eilt oder mithilfe welchen Plans man die berüchtigte und relativ korrupte Zollfeste einzunehmen gedenkt. Welche Option man auch wählt, sie alle fallen relativ ähnlich im Schwierigkeitsgrad aus und variieren in ihrer Ausführung je nach Gruppenzusammensetzung. Hübsch anzusehen sind die Dialoge, die zu den Entscheidungsfindungen führen, aber allemal. Der störrische Zwerg etwa hat sich mit Cuano, Kladdis Vater und Meisterdieb, dauernd in den Haaren und streitet fast permanent über die klügere Angriffstechnik oder Eroberungstaktiken - ein kleiner Running-Gag, der sich bis zum Ende hält.

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