Kompromisslos wie Rambo und schamlos wie Austin Powers zieht Matt Hazard alles durch den Kakao!
Yippie ya yay - Schweinebacke ...
Eat Lead
Daneben sollte man seine Lauscher wirklich gut spitzen, denn nicht nur in der Levelarchitektur spiegeln sich zahlreiche humorvolle und genial umgesetzte Persiflagen, auch die Sprüche von Matt haben es in sich. Dabei veräppelt er sich nach einigen Abschnitten auch selbst, da er seiner überdrüssig wird und vom Rambokonzept abweicht - sitzt in dem Muskelberg tatsächlich ein fühlendes Herz? Die deutsche Sprachausgabe ist recht gelungen, doch sollte einem die englische Variante zu Ohren kommen, wird man diese der Deutschen definitiv vorziehen. Der Spielwitz und Humor kommt in englischer Form einfach deutlicher herüber. Am auffälligsten dürfte dies bei Sting Sniperscope sein, einer der witzigen Endgegner, welcher eine Splinter Cell Brille etwas verdreht auf dem Kopf trägt, einen Panzeranzug an hat und im englischen Original mit Arnold Schwarzenegger Akzent den Spieler belabert. Vor allem wir schmunzeln über diesen "Dialekt", welcher komischerweise in deutscher Form zwar gut interpretiert, aber akzentfrei wiedergegeben wird.
Eat Lead
Ach in spielerischer Form dürft ihr extrem unübliche Konzepte erwarten, die vom einheitlichen Aufbau der 3D-Shooter, wie wir sie seit "Duke Nukem 3D" (oder besser gesagt dem Original "Matt Hazard 3D") kennen, abweicht. Es werden Multiplayer-Duelle parodiert, Sniper-Spiele integriert und als Höhepunkt japanische Rollenspielmkunst mit dem Hazard-Rambo-Ballerkonzept kombiniert. Der Endkampf gegen einen fernöstlichen Obermufti stellt womöglich der Höhepunkt des kompletten Spieles dar, der zugleich bizarr wie auch einfallsreich ist. Auf einem Podest prangert der weißhaarige, mit einer mächtigen Klinge ausgestattete Gegner und wühlt sich mühevoll, nachdem Matt entnervt einige Textboxen weggeklickt hat, durch ein mit Hieroglyphen versehenes Menü. Wir beackern den Guten mit üblichen Ballereinlagen und sehen, wie sich die Lebensenergie auf dessen Tafel dezimiert und rote Zahlen über seinem Kopf aufsteigen, während seine Zauber und mächtigen Angriffe die MP-Leiste belasten. Einfach genial!
Spielerisch flaches Niveau
Eat Lead
Halt macht der Titel auch nicht vor den Erfolgen, die es sowohl auf der Xbox 360 und Playstation 3 gibt. Mehr oder weniger sinnvoll vergebene und meist leicht zu ergatternde Punkte lockern das Geschehen auf und sorgen mit ihren Beschreibungen abermals für den einen oder anderen Lacher. Die aberwitzige Parodie kann aber nicht über die tatsächlichen Schwächen von "Eat Lead" hinwegtäuschen. Denn auch wenn der Humor uns bis zum Ende bei Laune hält, so liefert 3D Publisher nur ein mäßiges Ballerspiel ab. Die Handhabe ist nicht durchdacht und vor allem sehr gewöhnungsbedürftig und das Spieldesign ziemlich schlicht. Stupides Kanonenfutter ohne jegliche Intelligenz, sowie ein zwar thematisch geniales, technisch aber eher mattes Leveldesign erinnert an vergangene Tage und nicht an Genregrößen der heutigen Generation. Vor allem die ersten Abschnitte wirken optisch einfach nur lahm. Eine Steigerung können wir zwar garantieren, wirklich grandios wird die Grafik aber zu keiner Zeit. In diesem Zusammenhang unverständlich sich auch Framerate-Einbrüche sowie technische Bugs, die Spiel und sogar Konsole zur Aufgabe zwingen können.
Eat Lead
Neben der recht geringen Spielzeit sorgen zudem viele kleine Patzer im Spieldesign für frustrierende Momente. Manch ein Endgegner, sei er noch so witzig und abwechslungsreich dargestellt, lässt sich nur mit einer gehörigen Portion Glück und Geduld über den Jordan schicken. Oftmals muss stundenlang das Verhalten studiert werden, um möglichst effektiv bzw. rechtzeitig den todbringenden Attacken ausweichen und den Gegner besiegen zu können. Unfaire Stellen gibt es immer wieder, die mit zahlreich gesetzten Rücksetzpunkten tuschiert wurden. Dennoch kann häufiges Ableben die Nerven stark strapazieren und den Frust aufkommen lassen. Ein kleiner Trost stellen die Quick-Time-Events dar, die allesamt recht human ausfallen. Sie gehen sehr flott von der Hand, werden sehr amüsant in Szene gesetzt und erfordern nur selten einen erneuten Anlauf.
Eat Lead
Sieht man von einigen nicht ganz sauber gelösten Übergängen mal ab, überzeugt zumindest der Soundtrack auf ganzer Länge. Das Titelthema geht ins Ohr und wird je nach Spielsituation neu abgemischt. Treibende Beats in der Disco, mit Westerngitarren gespielte Jingles im Duell gegen die Cowboys und als gedämpft blechende Variante im Fahrstuhl - trotz der ständige Widerholung wird die Matt Hazard Theme kaum langweilig. Sobald ein Raum von feindlichen Schergen gesäubert wurde, ertönt in bester "Final Fantasy"-Manier eine Siegeshymne. Während das restliche Spieldesign Qualitätsschwankungen verzeichnen muss, bleibt der Sound und die Sprachausgabe auf konstant hohen Niveau.
