Auch im aktuellen Teil der Emergency Serie steckt wieder mehr Strategie drin als man auf den ersten Blick meinen möchte.
Wer rettet eigentlich die Retter?
Emergency 2012
Keine Frage, sämtliche Unglücke brillieren erschreckenderweise mit einer Intensität, die durchaus ihres Gleichen sucht. Atmosphärisch beweist Emergency 2012, dass ein Spiel mit vergleichsweise geringem Aufwand einen absolut zu 100% in den Bann ziehen kann und atmosphärisch auf ganzer Linie überzeugt. Dazu tragen nicht nur die verschiedenen, unterschiedlich ausgefallenen Katastrophen in den europäischen Metropolen bei, sondern auch die immer wieder zunächst einleitenden Sequenzen, in denen das Geschehen grundlegend vorgestellt wird. Während des Einsatzes habt ihr es dann nicht nur immer wieder mit besagten Scriptings zu tun, sondern ergänzenden, kleineren Filmchen. Auf diese Weise wird die ausgehende Gefahr und der damit verbundenen Notwendigkeit, dass Hilfe dringend erforderlich ist, nachhaltig unterstrichen.
Emergency 2012
Bekanntlich arbeiten Retter jeglicher Bereiche stets gegen die Uhr, denn je länger etwas dauert, desto größer ist die Chance, dass etwas schief geht. Womit wir bei einem leider negativ springenden Punkt angekommen sind. Je umfangreicher die Aktionen sind, die ihr koordinieren müsst, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eure Rettungstrupps selbst Hilfe brauchen. Der Grund dafür ist das nicht einwandfrei funktionierende Wegfindungs-System im Spiel. Nicht selten passiert es, da eure Einheiten den Weg im schlimmsten Fall gar nicht zum Einsatzort finden oder aber sie treffen unterwegs aufeinander, verkeilen sich, bilden ein Chaos und sorgen für Staus und die eigentlich zu Rettenden hoffen vergeblich auf Hilfe. Na ja, und ihr ärgert euch, seid gefrustet - vor allem da ihr ohnehin schon unter Strom steht, denn es gilt die Katastrophe einzudämmen und am Ende scheitert die gesamte Mission wegen einer solchen technischen Unzulänglichkeit. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, so dass für euch, treffen die Helfer z.B. zu spät ein, nichts anderes übrig bleibt als die Mission von vorne zu beginnen, denn Checkpoints oder Ähnliches gibt es leider nicht und wenn das Kind einmal in den Brunnen gefallen ist, dann säuft es dank einer solchen Verspätung auch garantiert ab. Abgesehen davon, dass eben Checkpoints nicht vorhanden sind, lässt sich ein abgeschlossener Einsatz natürlich, wenn auch umständlich, aber immerhin speichern.
Darf's a bisserl mehr sein?
Emergency 2012
Optisch erweist sich Emergency 2012 auch ein klein wenig wankelmütig - fast schon wie das Wetter. Schaut es in einem Moment noch richtig gut aus, kann der nächste Augenblick dem Zockerauge das Fürchten lehren. Gut, wirklich katastrophal - wie die Geschehnisse - ist die gebotene Grafik nicht, sie leidet aber dennoch unter kleineren und größeren Schwächen. Während die Abwechslung im Bezug auf die Szenarien großgeschrieben wurde, lässt sich selbige in der eigentlichen Darstellung nur partiell wiederfinden. Der Kölner Dom wirkt imposant, der Kreml weiß zu beindrucken und die Franzosen machen ein herrliches Gewese um ihren Eifelturm, aber leider mit immer wieder auftretenden Clipping-Fehlern, verwaschenen Texturen und viele, aus der Distanz noch ansehnliche Bereiche, Objekte und/oder Personen (Einsatzkräfte) erweisen sich bei näherer Betrachtung als schwach sowie detailarm. Dafür machen hinreichend vorhandene Effekte wie Feuer, Rauch, usw. die kleinen Einbrüche in Sachen Detailschwäche wieder wett. Dass während der gesamten Rettungsaktionen "ganz nette Musik" vor sich hin plätschert, welche sich beinahe schon grotesk mit schreienden Opfern als auch realistisch anmutenden Funksprüche mischt, ist zwar der Atmosphäre dienlich, da sich aber vieles mit der Zeit wiederholen, wird es auf Dauer ein wenig langweilig.
Emergency 2012
Emergency 2012 ist in zwei Varianten verfügbar: Einmal die Standard-Edition, mit der Spieler gesamt zwölf Missionen serviert bekommen. Wer zur Deluxe-Edition greift, erhält zusätzlich die Option drei weitere Einsätze, u.a. in der Sahara und in Amsterdam zu koordinieren. Generell für beide Fassungen gültig sind die verschiedenen Spiel-Optionen. Neben der Kampagne (Singleplayer) steht auch ein Mehrspieler-Part zur Verfügung und wer sich nicht an Vorgaben halt will, nutzt einfach das freie Spiel, auch als Endlos-Modus beschrieben, in dem eine ganz Stadt darauf wartet vom Chaos zurück in die Ordnung geführt zu werden. Leider krankt dieser Bereich ein wenig daran, dass sich wie zufällig gesäte und immer wieder eintretende Ereignisse nach einer Zeit wiederholen.
