Kein Sprung auf Next-Gen und keine großartigen Neuerungen - was man schon nach den ersten Ankündigungen von Codemasters zur neuesten Rennspielumsetzung ahnen konnte, ist nun Gewissheit: F1 2014 ist nicht mehr als eine fade Kopie des letzten Jahres.
Und jährlich grüßt...
Bezüglich Neuerungen beim Fahrgefühl und der Steuerung werdet ihr schnell feststellen, dass ihr nichts feststellt. Spielerisch hat sich wenig, nein wir würden sogar fast behaupten gar nichts Entscheidendes getan. Ok, Puristen, aber auch nur die, werden die dem neuen Reglement geschuldeten V6-Turbomotoren bzw. deren etwas anders integrierte Beschleunigung bemerken. Und ja, selbst weniger Rennspielaffine, aber Kenner des Vorgängers, werden merken, dass es nun kein manuell zuschaltbares KERS mehr gibt, sondern stattdessen automatisch das neue ERS bei entsprechendem Ladezustand für mehr PS sorgt. Wirklichen Mehrwert bringt das aber Alles natürlich nicht.
Quelle: Codemasters
F1 2014 im Test (2)
Und sonst? Wir blicken auf Altbekanntes und wundern uns wie dreist Codemasters uns hier alte Software als neue verkaufen will - noch dazu mit schon länger bekannten Problemen. Etwa dem schon fast lächerlichen Schadensmodell, welches zwar durchaus toll aussieht, aber praktisch nichts mit der Realität zu tun hat. Oder der extrem unausgewogen integrierten KI, die einem tolle Überholmanöver genauso, wie dümmliche Auffahrunfälle zeigt. Oder dem nach wie vor kaum nachvollziehbaren Strafsystem, das einem weiterhin kaum ein Feedback über verhängte Verwarnungen bzw. gezeigte Flaggen gibt. Es hätte wirklich genug Ansatzpunkte für Verbesserungen gegeben, nur gemacht wurde halt leider nichts.
Gut ist allerdings, dadurch dass sich nichts geändert hat, gibt es natürlich auch weiterhin genug Positives in F1 2014. Etwa das durchweg gelungene Fahrverhalten der Boliden, das nach wie vor dieses grandiose Mittendrin-Gefühl erzeugen kann und eigentlich nur begeistert. Ebenfalls sehr gut wird der Reifenverschleiß simuliert, zumindest soweit wir das überhaupt beurteilen können. Auch wie sich die unterschiedlichen Reifenarten auf den entsprechend unterschiedlichen Untergründen - nass oder trocken - verhalten, gibt kaum Anlass zur Kritik. Und natürlich ist auch wieder das Highlight enthalten: Die Positionskämpfe gegen menschliche Gegner, aber auch gegen die CPU, sind so mitreißend integriert und präsentiert, dass man sich wirklich wie ein richtiger Rennfahrer fühlt. Aber dafür hat Codemasters jetzt schon über die letzten Jahre genug Lob eingesteckt.
Eine wirkliche Neuerung gibt es dann aber tatsächlich doch noch. Und wenn sie auch nur sehr klein sein mag, erwähnt werden soll sie von uns zum Schluss trotzdem. Gelegenheitsspieler dürfen sich nämlich nicht nur über die weiterhin vorhandenen, zuschaltbaren Hilfen, freuen, nein, es gibt auch einen neuen, (noch) leichteren Einsteiger-Schwierigkeitsgrad. Mit selbigen sollte es selbst den unerfahrensten Rennfahrern nun möglich sein, die ersten, für den Spielspaß enorm wichtigen Erfolge einzufahren.
Aktuelle Regeln, Fahrer und Strecken, aber keinen Classic-Modus mehr
Quelle: Codemasters
F1 2014 im Test (3)
Viel Recycling begegnet uns dann auch beim Umfang. Einzelrennen, das spaßige Zeitfahren oder eine etwas mehr fordernde Saison sind ebenso weiterhin möglich, wie sich im Szenario-Modus den diversen Herausforderungen für Ruhm und entsprechende Medaillen zu stellen. Die Spielvariante Legenden gibt es hierbei übrigens nicht mehr, d. h. wem es besonderen Spaß gemacht hat, mit Boliden der F1-Vergangenheit mit Regeln der F1-Vergangenheit über Strecken der F1-Vergangenheit zu düsen und hierbei Szenen der F1-Vergangenheit nachzuspielen, der wird eine herbe Enttäuschung erleben - oder einfach am besten gleich beim Vorgänger bleiben.
"Beim Vorgänger bleiben" ist bei der Betrachtung des gesamten Umfangs der aktuellen Umsetzung wohl grundsätzlich eine gute Option. Alles sehr bekannt - alles aber auch nicht wirklich schlecht. Online etwa, bietet euch F1 2014 wieder die volle Ladung an Rennspielspaß. Hier könnt ihr nicht nur mal eine schnelle Runde hinlegen, sondern eben auch private Lobbies, vor allem aber auch komplett eigenständige Meisterschaften erstellen. Auch, dass das Onlinespiel nahezu fehlerfrei läuft, selbst wenn mal wieder extrem viel auf der Strecke los ist, kann man kaum kritisieren. Und dass selbst Duelle außerhalb von PSN und Xbox Live möglich sind und ihr so gegen einen Freund vor einer Konsole und einem Bildschirm im klassischen Splitscreen im den Sieg fahren könnt ist sehr löblich. Löblich ja, aber auch extrem schaden. Schade, weil über all dem immer dieses berühmte, meist kaum positiv gemeinte "Wie gehabt" schwebt.
Quelle: Codemasters
F1 2014 im Test (5)
Übrigens, wie gehabt spielt sich auch die Karriere im neuesten Ableger der Rennspielserie. Nach bekanntem, extrem langweilig aufgebautem Schema sucht ihr euch aufgrund diverser Angebote ein Team aus, versucht euch auf diesen Fahrerplatz gegen die Konkurrenz zu behaupten, helft durch das Erfüllen von Aufgaben bei der Weiterentwicklung und kämpft ganz nebenbei um eine möglichst gute Platzierung in der WM. Gute Positionen bringen wiederum neue Vertragsangebote und irgendwann dann auch die Möglichkeit sich den Weltmeistertitel zu sichern. Als ob uns das in der x-ten Auflage dann noch wirklich begeistern könnte.
Dafür sind mehr oder weniger im Gegenzug wenigstens alle Daten komplett auf den neuesten Stand gebracht worden. Das neue Motoren- bzw. Technikreglement hatten wir ja schon angesprochen, aber natürlich sind auch alle aktuellen Fahrer, Teams und Strecken komplett und ohne Abstriche im neuesten F1 enthalten. Unter anderem habt ihr somit die Möglichkeit auf den neuen Rennpisten von Sotchi und Spielberg einen heißen Reifen hinzulegen. Mit dem Young Drivers Test zu Spielstart müsst ihr euch hingegen nicht mehr auseinandersetzen, der wurde mehr oder weniger tatsächlich komplett und ohne großem Ersatz gestrichen. Ob das jetzt ein Verlust ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Wie gehabt: Tolles Fahrzeugdesign, schlichte Präsentation
Quelle: Codemasters
F1 2014 im Test (6)
Schönes Fahrzeugdesign sind wir ja schon von jeher von den F1-Umsetzungen aus dem Hause Codemasters gewohnt. Auch das die Wetter- bzw. Lichteffekte durchaus passend und sehr realistisch integriert sind. Kritik wegen technischen Problemen, wie etwa störende Ruckler oder besonders auffällige Clippingfehler, gab und gibt es ebenso wenig. Einzig der gerade auf der PS3 flimmernde Hintergrund nervt bei mancher Spielsession. Überhaupt hält sich, wie immer, die Begeisterung über die integrierten Strecken bzw. wie selbige im Spiel eingebaut wurden arg in Grenzen. Sicher, sie sind originalgetreu abgebildet, zumindest soweit wir das beurteilen können, bieten aber im Gegenzug praktisch keine Details oder grafischen Highlights abseits des flimmernden Asphalts. Tristesse am Streckenrand war und ist seit Beginn der Serie schon immer das Motto gewesen. Und Tristesse bei der Präsentation. Großartige Zwischensequenzen vor dem Rennen gibt es ebenso wenig, wie eine ansprechende Siegerehrung nach dem Überschreiten der Ziellinie. Selbst die Wiederholungen sind mittlerweile deutlich in die grafischen Jahre gekommen. Überhaupt fehlt es an den gewissen optischen Reizen, um etwa den Spielmodi, allen voran natürlich der Karriere, die nötige zusätzliche Motivation zu geben. Stattdessen wird alles dermaßen trocken serviert, dass meist nach wenigen Rennen schon irgendwie die Luft heraus ist.
Auch bezüglich der Akustik wird es nicht nur Jubel in der Fangemeinde geben. Die Motoren klingen häufig satt und auch so, wie man es aus den Übertragungen her gewohnt ist. Der Boxenfunk hingegen gibt sich meist wenig inspiriert, kann dafür aber wenigstens für manchen Lacher sorgen, wenn etwa mal wieder irgendwelche komplett falsche Meldung über den Äther geschickt werden.
Wirklich schlimm ist, dass wir die gesamte Technik bereits aus den diversen Vorgängern kennen. Noch schlimmer allerdings, dass F1 2014 nicht mal den Versuch macht etwas zu verbessern, stattdessen tritt der Titel komplett auf der Stelle. Ergebnis: Wirklich entscheidende Unterschiede bei der Optik und Akustik sind nicht auszumachen.
