Das modernisierte Gameplay sorgt für reichlich Zündstoff unter den Fans, das audiovisuelle Popcorn-Kino liefert aber definitiv den Kaufgrund!
Die Gier nach Kristallen
Quelle: Square Enix
Final Fantasy 13
Geführt durch die Mutter "Final Fantasy", oder doch der Göttlichkeit Fal'Cie, ergeben sich automatisch über weite Strecken des nahezu völlig linearen ersten Spielabschnittes die Gruppierungen, ohne euch einen Einfluss in irgend einer grundlegenden Form zu gewähren. Weder Sympathie & Antipathie, noch die Fähigkeiten dürfen dabei eine Rolle spielen - als passionierter Rollenspieler müsst ihr euch schlichtweg dem Schicksal fügen. Zähneknirschend, aber zielstrebig wird die diesbezügliche Wut an den jederzeit sichtbaren Feinden ausgelassen. Zufällige Begegnungen, sieht man von einigen wenige überraschende Momente mal ab, gehören ebenfalls der Vergangenheit an. Ähnlich des Vorgängers ist es möglich, die kunterbunte und abwechslungsreiche Schar an Kreaturen und Gegnern zu umgehen. In der Praxis wird trotz fehlender konkreter Charakterspezialisierung aber kaum eine Auseinandersetzung gemieden. Ob nun gewollt oder durch eine unvermeidbare Fügung: Sobald der Atem des Feindes im Nacken zu spüren ist, wird die eigentliche Kampfhandlung ohne merkliche Ladezeiten in eine gesonderte Arena verlagert. Optisch gleicht diese dem zuvor durchwanderten Gebiet, präsentiert sich aber wie gewohnt als üppige Spielwiese für taktische Argumentationsschlachten. Erst jetzt fällt so richtig auf, wie ausgefallen die Vielfalt an Monstern ist und mit welcher Liebe zum Detail die Entwickler den einzelnen Kreaturen und Soldaten Leben eingehaucht haben. Butterweiche Animationen wechseln sich mit effektvollen magischen Aktionen ab und sobald eine der sechs Esper ihre opulente Videosequenz einleitet, kracht zumindest beim ersten Anblick das Kinn zu Boden! SquareEnix serviert nach wie vor ein Action-Potpourri aller erster Güte!
Final Fantasy 13
Unter Freudentränen erblicken alle Freunde der klassischen "Final Fantasy" Ableger den dünnen, sich beständig ladenden ATB-Balken (Active Time Battle), dessen Funktionalitäten dank Runderneuerung geradezu taktische und strategische Wege offenbart. Zu Beginn ist dieser in zwei Abschnitte unterteilt, bis zum Ende hin können aber bis zu fünf Stücke eine komplette Ladung ausmachen. Darauf werden nun passend aus dem Menü ausgesuchte Angriffe, magische Zauber oder spezielle Aktionen ausgewählt, bisweilen sogar zu einer mehrfachen Combo kombiniert. Einfache Standardangriffe verbrauchen nur einen Teil des Balkens, während mächtigere Argumente und vor allem höher gestufte Zauber wie Feura mehr Energie benötigen. Diese bildet der ATB-Balken und steht nicht mehr als Mana zur Verfügung! Endlich werden mächtige Beschwörungen einzig allein durch Zeitdruck und Kampftaktik voherbestimmt. Aber auch bei der Selektion der möglichen Aktionen sorgt eine einfache "Autowahl" für ein gewisses Casual-Feeling, vor allem weil diese nach der Analyse des Gegners tatsächlich optimale Kombinationen aus Angriffen und Zaubern erstellt. Wer sich trotz allem weiterhin stur stellt und diesen Zugewinn an Spielbarkeit verdrängen möchte, kann die Standardauswahl des Cursors auf die manuelle Liste stellen und sich durch die Menüs plagen - jedem das seine!
Final Fantasy 13
Gespielt wird tatsächlich aber nur die Hauptfigur, alle anderen Mitstreiter agieren autonom und greifen meist denselben Feind an. Der Clou des Kampfsystems steckt letztendlich im Detail. Mit verschiedenen Angriffen müssen die Kämpfer den Serienbalken füllen und ihren Gegenüber in den Schock-Zustand zwingen. Was gegen einfache Soldaten dem schnellen Sieg dient, ist spätestens gegen mächtige Endgegner geradezu ein muss! Nur im Schockzustand lassen sich zig tausende Lebenspunkte effektiv abbauen, da sich der zugeführte Schaden je nach Dauer und Trefferquote extrem vervielfacht. Darüber hinaus gilt eine genaue Vorabplanung, welcher Charakter sich wie zu verhalten hat. Diese agieren gemäß ihrer zugeteilten Rollen und dreschen als Brecher oder Verheerer auf den Feind ein, sorgen als Heiler für die nötige Lebensrückgewinnung, als Verteidiger für den passenden Schutzwall und als Augumentor bzw. Manipulator für zusätzliche Statuseffekte, je nachdem negativ bezogen auf den Feind oder positiv bezüglich der eigenen Mannen. Dabei dürfen mehrere unterschiedliche Rollen kombiniert und als so genannte Paradigmen abgespeichert werden, auf die man im Kampf jederzeit Zugriff hat. Kaum versehen, brodelt auch schon der Kessel! Die Übersicht an der Front ist stellenweise nicht gegeben, es herrscht ein hitziger und vor allem extrem schneller Schlagabtausch, in welchem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Offensive und Defensive sowie ständiger Heilung herrschen muss. Blitzartige Reaktionen, schnelle Auffassungsgabe und die Kenntnis über die Fähigkeiten entscheiden vor allem bei den mächtigen Bossen über Sieg und Niederlage.
Final Fantasy 13
Zur Belohnung winkt eine Bewertung, ein paar basierend auf der Score verteilte Items wie Heiltränke, aber auch Rüstgegenstände, sowie reichlich Kristallpunkte. Diese sind prinzipiell der Erfahrung gleichzusetzen und werden parallel an alle Personen verteilt. Wer also die Ersatzbank drückt, bekommt dasselbe Stückchen vom Kuchen ab - es entfällt Gott sei Dank endlich mal der nervige Zwang eines Charakterwechsels, welcher in sehr vielen J-RPGs nur für den Erfahrungsgewinn inaktiver Personen bitter nötig war! Das kostbare Gut der Kristalle wird im Kristarium für Skillbäume der einzelnen Rollen investiert, welches entfernt an das bekannte Sphärobretts aus "Final Fantasy X" erinnert. Innerhalb der ebenfalls geradlinigen Weiterentwicklung der verschiedenen Bereiche werden neue Aktionen und Zauber für den aktiven Kampf freigeschalten, zusätzlich aber auch passive Fähigkeiten sowie Attribute bezogen auf die jeweilige Rolle. Somit erhöhen sich die Lebenspunkte bzw. werden die Angriffe stärker. Die Krux dabei die Tatsache, dass die Ausgaben auf den jeweiligen Kristallbaum bezogen sind und sich der Sprung in ein anderes Paradigmaschema und somit der Wechsel der strategischen Rolle "on-the-fly" drastisch auf die Charakterwerte im Kampf auswirken kann. Das Kristarium ist aber recht simpel zu bedienen und wer fleißig seinen Mut in den zahllosen Auseinandersetzungen mit den gefährlichen Kreaturen der Welt und den Soldaten des Sanktums beweist, kommt ganz gut voran. Die neuen Aktionen und Effekte sorgen für zahlreiche weitere spielerische Möglichkeiten und offenbaren letztendlich ein äußerst gelungenes und strategisch angehauchtes Kampfsystem, welches mehr Wert auf die jeweilige Rolle des Kriegers setzt, als seine erlernten Angriffe.
