Das irische und düstere Märchen steht im Handel. Heraus kam ein stilvolles und einzigartiges Action-Adventure für die Playstation 3.
Mangel an Abwechslung
Folklore
Ellen und Keats bringen außer ihrer persönlichen Belange auch spielerisch einige Unterschiede mit sich. Als Frau sieht sich Ellen dem persönlichen Kleiderschrank hingezogen und kann in verschiedene Mäntel schlüpfen. Spätere Raritäten sorgen für magische Abwehrkräfte und stärken dadurch die Widerstandskraft der zierlichen Dame. Der robuste Reporter Keats erhält dagegen eine unglaubliche und vielleicht auch bösartige Kraft, deren Verwandlung ihn unbesiegbar macht. Auch die Aktionen seiner Folks strotzen nach seiner Metamorphose kurzzeitig vor unbändiger Macht. Beides unverzichtbare Elemente im Kampfe gegen mächtige und äußerst imposante Bossgegner der Unterwelt, den so genannten Folklores. Diese gilt es stets mit Raffinesse und Ideenreichtum zu besiegen, um anschließend ein Stück der vergessenen Erinnerung ermordeter Personen zu erlangen. Erfreulicherweise ist auch der Variantenreichtum an Fabelwesen sehr üppig ausgefallen. Über 100 Kreaturen beheimaten die unterschiedlichen Unterwelten und so kommt es auch, dass Ellen und Keats nicht dieselben Figuren ins Inventar aufnehmen. Beide werden sie spezielle und nur für den Charakter erhältliche Folks ihr eigen nennen können und nutzen daher auch andere Argumentationsverstärker in kämpferischen Auseinandersetzungen.
Folklore
Eintöniger wird es schlussendlich aber im Spielverlauf. Zwar gehen beide Charaktere ihre eigenen Wege, doch kreuzen sich diese stetig und dieselben Situationen werden durchleuchtet. Immerhin betrachtet man die Zusammenkunft dann meist aus einer anderen Sicht. Empfehlenswert ist es übrigens, erst mit Ellen zu spielen, da im Storystrang von Keats vorab sehr viel bekannt wird. Dummerweise durchwandern beide Hauptdarsteller dieselben und stets linear aufgebauten Unterwelten. Schon einmal gesehene Parallelwelten verändern sich nur marginal durch die Anwesenheit einer anderen Person und führen zu einer immerwährenden Wiederholung. Auch die alltägliche Arbeit weist nur wenig Variationen auf. Zuerst erkundigt man sich bei den Dorfbewohnern und sammelt neben Informationen auch hilfreiche Gegenstände verstorbener Personen. Anschließend besucht man eine der zahlreichen Unterwelten, um dort die Toten über die Vergangenheit auszufragen. In diesen Unterwelten bekommt man es schlussendlich mit den zahlreichen Folks zu tun, welche gesammelt und anschließend im Kampf eingesetzt werden. Rätseleinlagen, Knobelaufgaben und interaktive Objekte sucht man vergeblich, obwohl man eben solche Dinge bei einem Adventure dieser Art durchaus erwarten würde. Immerhin gibt der Wirt neben Bier auch kleine Zustatzquests aus. Es gilt spezielle Gegenstände in den Unterwelten zu finden, bestimmte Gegner auszuschalten oder ähnliche belanglose Dinge zu erledigen, um schlussendlich ein paar Mineralien als Belohnung zu bekommen. Doch leider wird man zur Lösung dieser Aufgaben abermals in bekannte Gebiete geschickt.
Folklore
Das Hauptmenü bietet mit den Verlies-Prüfungen noch eine keine Besonderheit, welche objektiv betrachtet nichts mehr mit der mystischen Geschichte von "Folkore" zu tun hat. Hinter dieser Option verbirgt sich ein Leveleditor, mit dem Verliese erstellt werden können. Das Ziel innerhalb eines solchen Labyrinthes ist es stets, den Ausgang innerhalb eines Zeitlimits zu finden. In einigen Räumen warten gierige Folks auf euch und schneiden euch den Weg ab. Diese gilt es natürlich erst einmal zu besiegen. Bedauerlicherweise ist die kreative Freiheit stark eingeschränkt. Entstehen werden immer wieder dieselben Muster und optisch bekommt man einen Einheitsbrei serviert. Zwar nett, dass man sich die Verliese anderer Spieler aus dem Internet laden kann, sonderlich lange wird Modus aber nicht motivieren können. Das Hauptspiel bietet dagegen je nach Spielgeschwindigkeit über 20 Stunden Spielspaß, auch aufgrund eines durchaus happigen Schwierigkeitsgrades.
Zweischneidiges Schwert
Folklore
Einzigartig ist das Spiel aber nicht nur aufgrund der Steuerung und seiner kreativen Geschichte, auch die Präsentation hat ihren eigenen Charme. Ganz deutlich ist im Charakter- und Leveldesign die Handschrift von Kouji Okada zu erkennen. Wer schon mit der "Shin Megami Tensei" Serie vertraut ist, wird sich durchaus gleich heimisch fühlen. Die Schöpfer verbanden hier die kreative Kunst mit irischen Volksmärchen und heraus kam eben "Folklore" - ein Spiel mit sehr kräftigen und bunten Farben, welches zum Teil wie ein Bilderbuchmärchen daher kommt, andererseits sieht man sich mit dunklen und fast horrorartigen Welten konfrontiert. Vor allem die Folks strahlen eine unerschöpfliche Kreativität aus. Auch wenn sich einige Tierchen in einer Evolution in unterschiedlichen Rassen weiterentwickelten, so ist die Artenvielfalt dennoch außergewöhnlich. Butterweiche Animationen hauchen den Folks letztendlich Leben ein. Die Liebe zum Detail wird aber auch im Design der Unterwelten ausgelebt. Detaillierte und vor allem auf einem HD Fernseher sehr kräftig strahlende Blumenwiesen wechseln sich mit dem mystischen und sehr düster gehaltenen Ort Doolin ab, währen zahlreiche weitere Welten für Abwechslung sorgen. Es geht in die Tiefen des Meeres, wo sich seichte die Wasserpflanzen im fahlen Sonnenlicht aalen und wilde Fische hausen. Genauso stolpert man auch über eine postapokalyptische Endzeit, die dem böse Gedankengut vieler gestorbener Menschen entsprungen scheint.
Folklore
So schön die Pracht auch daher kommt, den Vergleich mit einem Bilderbuchmärchen haben wir nicht wahllos aufgegriffen. Zwar tummeln sich immer wieder Insekten in der virtuellen Luft und leuchtende Kügelchen schmücken den Wald der Fareys, während anderen Orts ekelhafter Schleim von der Decke sabbert. Wer letztendlich aber mal einen Augenblick inne hält, um einen blendenden Ausblick zu genießen, stellt auch zahlreiche Schwächen fest. Trotz optisch angezeigten Windböen krümmt sich zum Beispiel kein Grashalm, keinerlei Blütenblätter werden weggetragen und auch das Fell der Tiere scheint davon nichts zu spüren. Die Umgebung ist oftmals bis auf Nebel und den vorhin erwähnten Dingen einfach starr und leblos - eben wie in einem Bilderbuch. Selbst Titel wie "Untold Legends - Dark Kingdom" - ganz sicher auch kein Vorzeigetitel - können mit solchen Details verzücken. Ins Gewicht fällt zudem ein unkonstanter Bildaufbau. Vor allem, wenn die oftmals sehr mürrische Kamera manuell justiert wird, wird die optische Pracht mit einigen Ruckeleinlagen garniert.
Hervorragen, wenn auch oftmals aus atmosphärischen Gründen sehr minimalistisch gehalten, ist der Soundtrack. Ähnlich wie beim Charakterdesign fällt auch hier ein ungewohntes Arrangement auf, das aber stets passend auf das jeweilige Thema der Unterwelt abgestimmt wurde. Im Reich der Fareys erklingen fröhliche Jahrmarktklänge, im postapokalyptischen Zeitalter dirigierende militärische Trommeln und Kampfgetümmel das ohrenbetäubende Geschehen, während das Dorf Doolin düster und dennoch bescheiden mit dem Klavier bedacht wurde. Wenn auch ab und an gewagt skurril, so sind die Kompositionen durchaus von hoher Güte und stimmig ausgefallen. Die Sprachausgabe ist zwar nicht immer das Gelbe vom Ei, kommt aber eh viel zu kurz in dem Spiel, um darüber urteilen zu dürfen.
