Formel 1 2009 im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

... fiel gar nicht so übel aus, doch leider wirkt das Spiel sowohl technisch als auch spielerisch ein wenig unfertig.

Die Regeln der Formel 1

Formel 1 2009 Formel 1 2009 Wenn man das Strafsystem aktiviert, erwartet man eigentlich, dass man von den virtuellen Kommissaren irgendwie bestraft wird, doch das trifft zu selten ein. Man darf rempeln und abkürzen, eine Flagge wird man weniger häufig erblicken. Teilweise sind einige Flaggentypen, die im Handbuch beschrieben werden, völlig unnütz, da sie nur in Ausnahmesituationen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel das gelbe Fähnchen. Wie soll dieses Signal eingesetzt werden, wenn die KI völlig fehlerfrei wie an einer Perlenschnur die Strecke abklappert? Und wenn wir schon dabei sind, die KI ist mitunter die grausamste, die ich in den letzten Jahren in einem Rennspiel gesehen habe. Bei nahezu jeder Kurve knallt uns ein Fahrer ins Hinterteil. Es ist also empfehlenswert die Schäden auszustellen, um möglichen Frust zu vermeiden. Weiterhin sind die Fahrer sehr überholfaul. Wir können mit 50 km/h über die Strecke tuckern, wenn wir ein paar Schlenker machen, traut sich keiner an uns vorbei zu fahren. Selbst wenn wir geradeaus daher schleichen, braucht die KI eine Menge Bedenkzeit. Spannende Positionskämpfe sind deswegen Wunschdenken, obwohl die KI auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchaus aggressiv vorgeht, allerdings dümmlich aggressiv und mit zu vielen Aussetzern.

Formel 1 2009 Formel 1 2009 Das Strafsystem ist nicht nur völlig inkonsequent, teilweise werden die grundlegendsten Formel 1 Regeln über den Haufen geworfen. Ein Beispiel: Wir qualifizieren uns für die dritte Qualifying-Session, nehmen an dieser aber nicht mehr Teil. Normalerweise müssten wir von dem 10 Startplatz ins Rennen gehen, doch zu Beginn sieht man sich auf Position 7 wieder, warum auch immer. Dieser Eindruck zieht sich durch das komplette Spiel, weswegen dem Formel 1-Kennen viele Feinheiten negativ ins Auge stechen werden. Immerhin hat man an KERS gedacht, ein System, das dafür sorgt, dass man pro Runde einige Sekunden mehr PS zur Verfügung hat, man könnte es auch einen Boost nennen. Im Großen und Ganzen macht F1 2009, auch wenn man ein Auge zudrücken muss, recht viel Spaß. Das liegt am sehr guten Geschwindigkeitsgefühl, das tatsächlich vermittelt, dass man mit über 300 Sachen über die Piste rast. Besonders motivierend ist außerdem der Multiplayer-Modus, bei dem man mit einem Freund im Splitscreen eine komplette Rennwochenende durchleben kann. Leider sind keine Online-Modi verfügbar.

Wenn die inneren Wert zählen

Formel 1 2009 Formel 1 2009 Neben der unterirdischen KI ist auch die Technik auf einem sehr bescheidenen Niveau. Einige der Strecken weisen kaum Details auf, während das Bild von sehr matschigen Texturen dominiert wird. Teils sind die Ergebnisse äußerst schwankend. Während die Wagenmodelle ganz OK aussehen, hat man bei der Cockpitansicht offenbar gestreikt. Einen derartigen Matsch habe ich lange nicht gesehen. Zudem ist F1 2009 ein Spiel, bei dem das fehlende Anti-Aliasing extrem negativ auffällt. Die Kantenbildung ist extrem und wirkt auf Bildschirmen jenseits der 32 Zoll einfach nur grausam. Leider ist auch die Framerate nicht sonderlich konstant. Vor allem in Kurven fällt das Dauerruckeln ziemlich unangenehm auf. Besonders übel sehen die Zuschauerränge aus, die nur einen flachen, bunten Matsch darstellen. Ganz gut getroffen sind hingegen die Regeneffekte und der sich spiegelnde Asphalt.

Formel 1 2009 Formel 1 2009 Technisch wirkt F1 2009 wie ein Schnellschuss, was auch auf die Präsentation der Menüs zutrifft, die äußerst trocken wirken. Richtige TV-Atmosphäre will ohnehin nicht aufkommen, da man nicht einmal eine kleine Siegerehrung oder einen Schwenk durch die Startaufstellung geboten bekommt. Der Boxefunk ist gut gemeint, hört sich allerdings unfreiwillig komisch an, da man sofort merkt, wie der Kollege seine zusammengewürfelten Phrasen und Satzfragmente von sich gibt und uns beispielsweise über den Zwischenstand informiert. Immerhin ähneln die Motorgeräusche den echten Vorbildern. Über die Menü-Musik hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens. Da habe ich in Fahrstühlen schon Besseres gehört. Auf der Wii darf man recht kurze Ladezeiten vermelden, was sich bei der PSP ins Gegenteil umkehrt. Dafür sieht die Optik auf dem kleinen Bildschirm des Handhelds deutlich weniger grobkörnig aus und ruckelt erstaunlicherweise nicht ganz so merklich. Was die Steuerung angeht, zeigt sich der Racer ebenfalls zeimlich gutmütig, obwohl die digitale Gasannahme nicht unbedingt von Vorteil ist, vor allem bei Regen oder ausgeschalteten Fahrhilfen. Wii-Spieler dürfen sich aussuchen, ob sie mit Wiimote und Nunchuk, dem Klassik-Controller oder einem Lenkrad loslegen. Mit der Wiimote kann zwar auch gelenkt werden, hier empfiehlt es sich jedoch auf einen Analog-Stick zurückzugreifen, der weitaus präziser ausfällt.

Meinung

Wertung zu Formel 1 2009 (Wii)

Wertung:

6.8 /10
Pro & Contra
Karriere-ModusHerausforderungengroßer Umfangdie aktuelle Lizenz der Formel 1 mit allen Fahrern und Streckenkomplette Rennwochenendengutmütiges FahrverhaltenFahrhilfenabwechslungsreiche Kursegutes GeschwindigkeitsgefühlSplitscreen-Modus
Formel 1-Feeling wird nicht besonders gut eingefangenRegeln werden nicht konsequent umgesetztsehr biedere Präsentationschrecklich dumme KIunausgegorenes Schadenssystemunglaubwürdige PhysikKarriere bleibt weit hinter ihren Möglichkeitennur eingeschränkte Setup-MöglichkeitenEinstellungen wirken sich kaum auf das Fahrverhalten auslasche Soundkulissepeinlicher Boxenfunkkein Online-Modusruckelige und detailarme Grafik
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