Die HD-Fassung von Chinatown Wars ist mit Abstand die hübscheste und beste Version des Handheld-GTAs!
Die Freiheiten des iPads
Grand Theft Auto: Chinatown Wars HD
Im Gegensatz zu den anderen Versionen von Chinatown Wars setzt die HD-Fassung komplett auf Touchscreensteuerung. An drei verschiedenen Positionen (oben, unten oder in der Mitte des Screens) werden dazu Steuereinheiten eingebelendet, die dann so öhnlich funktionieren wie ein Analogstick. Bewegt man den Finder auf diesem Steuerungspad nach links rennt Huang nach links, wählt man auf der rechten Seite die Sprungtaste aus, springt er. Das funktioniert ganz gut, vollstöndig intuitiv und teilweise kontextsensitiv. So wird etwa die Taste zum Einsteigen in Autos nur eingeblendet, wenn das gerade auch möglich ist. Dadurch wirkt der Screen nicht mit Tasten überladen. Will man eine Granate werfen, muss man mit dem Finger einfach die Richtung festlegen und mit Schwung eine gerade Geste Richtung Ziel ausführen. Je länger und schneller unser Strich auf dem Touchpad ausfällt, desto weiter fliegt das Molotow-Cocktail oder die Granate - was aber durchaus eine sehr fummelige Sache ist und im Eifer des Gefechts gerne mal daneben geht. So richtig kompliziert wird dies, wenn wir in einem Hubschrauber sitzend unsere brennende Fracht auf die bösen Jungs herabregnen lassen. Damit ist auch klar, weshalb der Titel keine Jugendfreigabe bekam, denn GTA - Chinatown Wars HD ist sich trotz der vorhandenen Comicgrafik selbst treu geblieben und verkauft nach wie vor das knallharte und actionreiche Gangsterleben.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars HD
Benutzt Huang regulären Schusswaffen wie die Shotgun, das Maschinengewehr, einen Flammen- bzw. Raktenwerfer oder die einfache Pistole, müssen wir den Touchscreen einzig allein zur Auswahl bemühen. Der Gegner wird anschließend automatisch ins Visier genommen und per Touch mit Blei zugepumpt. Bluttriefend werden die kleinen Bitmapfiguren alsbald den Asphalt zieren und Munition sowie selten auch mal ein paar Moneten hinterlassen. Ein Blick auf die Lebensanzeige, die mit herumliegenden Heilpacks aufgefrischt und Schutzwesten verstärkt werden kann, sollte man aber stets haben, um nicht selber im Krankenhaus zu landen.
Ähnliches wie bei den Waffen gilt auch für die Steuerung der Fahrzeuge. Steigt man in ein Auto schaltet sich (in den Standardeinstellungen) der virtuelle Analogstick ab und wird durch zwei Richtungstaste (links und rechts) vertauscht. Mit der anderen hand gibt man per Druck auf den Touchknopf Gas oder bremst - das ist stellenweise sehr kompliziert und wegen des begrenzten Sichtradius häufig alles andere als Vorteilhaft. Praktischerweise kommen die Entwickler dem Spieler entgegen und bieten eine sehr gelungene Fahrhilfe an. Mit dieser Unterstützung wird der Wagen, das Motorrad oder der LKW - es gibt mal wieder riesigen Fuhrpark, deren Fahrzeuge sich sehr unterschiedlich im Verkehr verhalten - trotz einer etwas schwammigen Zweiwegesteuerung gekonnt in der Spur gehalten.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars HD
Richtige Touchgesten kommen bei den häufigen Minigames zur Sprache. Die Schlösser geparkter Autos müssen aufgebrochen, Tormechanismen überwunden, irgendwelche Objekte aufgeschlitzt, oder Passwörter geknackt werden. Das passiert, indem markierte Objekte angefasst werden und man mit speziellen Handgriffen die Aufgabe meistern muss (etwa eine Kreiselbewegung ausführen, um Schrauben rauszudrehen. Dies ist zwar meist in einigen wenigen Sekunden erledigt, lockert den spielerischen Alltag aber gewaltig auf.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars HD
Was für Nico Belic aus "GTA IV" noch das Handy war, ist für Huang der PDA. Stets mit einem Satelliten und dem UMTS-Netz verbunden, dient das kleine handliche Gerät (das ein wenig an ein iPhone erinnert) als Navigationsgerät inklusiver komfortabler Touchscreensteuerung. Ein Doppelklick auf die gewünschte Koordinate, schon wird eine passende Route angezeigt. Zur besseren Orientierung dienen eingetragene "Points of Interest" wie erwerbbare Eigenheime, Tankstellen, aber auch persönliche Daten wie Dealer und die Wohnorte der wichtigsten Personen. Das praktische daran: Es reichen zwei kurze Handgriffe und das PDA leitet euch direkt zum gewünschten Zielort. Außerdem verfügt das Gerät über einen virtuellen Internetzugang, welcher euch Mails am laufenden Band beschert. Neben selten aufkommendem Spam wird Huang von seinen Arbeitgebern, Dealern und registrierten Händlern kontaktiert. Neueste Angebote bei AmmuNation? Dann folge gleich dem angehängten Link und stöbere im Onlineshop. Mit dem nötigen Kreditrahmen liefert der Händler die Ware sogar frei Haus und stellt die Waffen in einer Kiste vor die Türe ab! Im Gegensatz zum Handy erweist sich der PDA als deutlich komfortabler: Übersichtlicher, mehr Text und in der Handhabe extrem einfach.
Und was machen wir in unserer Freizeit?
Grand Theft Auto: Chinatown Wars HD
Trotz der vielen spielerischen Möglichkeiten überfordert Chinatown Wars HD nicht. In angenehm kleinen Schritten offenbart sich die freie, facettenreiche Welt, welche mit ihren zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten auch abseits der etwa 15 Stunden umfassenden Haupthandlung reichlich Unterhaltung zu bieten hat. Der Drogenhandel in Liberty City boomt und wir können uns diesem ebenfalls nicht so richtig widersetzen. Zu hoch scheinen die Dividenden, wenn Ware von einem Viertel der Stadt in das nächste gebracht und dort vertickt wird. Das Warenwirtschaftssystem funktioniert prima! Angebot und Nachfrage regeln den Preis - auch die Präsenz der Ordnungshüter hat einen Einfluss auf das Geschäft. Kameras, installiert auf Häusern, in dunklen Ecken und auf irgendwelche Bruchbuden bespitzeln die Drogendealer und sollte den Bullen etwas verdächtiges zu Ohren kommen, wird die Bande auch gerne mal hops genommen. 100 solcher Spionagekameras finden sich in der gesamten Stadt und können vorsorglich zerdeppert werden. Anschließend sollte der Deal ohne Zwischenvorfall, verängstigten Kunden und Gefahr ablaufen.
Grand Theft Auto: Chinatown Wars HD
Der Drogenhandel war wohl nur als ein kurzes Intermezzo gedacht, um reichlich Kohle aufs Konto zu scheffeln, kann euch aber für Stunden fesseln. Und was machen, mit den erwirtschafteten Millionen? Na in der ganzen Stadt gibt es hübsche Buden, teilweise sogar inklusive Garage für Fahrzeuge, zu erwerben. Ein sicherer Unterschlupf, ein Dach über den Kopf bei Regen, eine Bleibe zum Ausruhen - das kann doch sicherlich nicht schaden! Zudem offeriert das Heim stets ein Schwarzes Brett. Alle bisher absolvierten Missionen können dort nochmals angewählt und gespielt werden - ein bis dato einmaliges Feature in der "Grand Theft Auto" Serie. Und wenn wir nicht gerade eine Meinungsverschiedenheit mit irgendeinem Unterweltboss und seinen Handlangern bleihaltig klären, sorgen zahlreiche weitere Freizeitaktivitäten für Unterhaltung: Heiße und trickreiche Straßenrennen bzw. Checkpointrennen, bluttriefende Amokläufe, Geld einbringende Taxifahrten oder Nudellieferungen, Überfälle auf Warentransporter oder die Leerräumung von Lagern! Selbst dem eifrigsten Gangster sollte es in Liberty City nicht langweilig werden.
