Guitar Hero World Tour im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Großangriff der Rocklegende auf den Platzhirsch. Stößt das Urgestein den amtierenden König der Rock-Sims vom Thron?

Die Welttournee

Guitar Hero World Tour Guitar Hero World Tour Kaum verlassen wir das grundsätzliche Spielprinzip und werfen einen Blick auf mannigfache Modi, erschleicht sich uns abermals der Gedanke, dass die Entwickler eindeutig zu viel "Rock Band" gespielt haben. Das Herzstück von "Guitar Hero World Tour" ist einmal mehr der Karrieremodus, welcher uns zugleich durch die ganze Welt jagen wird. Angefangen bei kleinen Konzerten, wandert man von Stadt zu Stadt und heizt die größten Hallen und Clubhäuser ein. Der Modus wurde in vier, zählt man den auch online spielbaren Bandmodus mit bis zu vier Teilnehmern noch mit sogar fünf, unabhängige Karrieren für Gitarrist, Bassist, Drummer und Sänger ausgelegt. Wer also alles durchhaben will, muss wie in "Rock Band" (Achtung: Nicht zu vergleichen mit "Rock Band 2"!) den Titel mehrfach durchspielen. Alle Modi haben eines gemeinsam: Jederzeit kann der Schwierigkeitsgrad angepasst werden, sei es direkt im Tourmenü oder gar während eines ausufernden Gigs. Sorgen einige Hammersongs dafür, dass der Karriere zunächst ein jähes Ende gesetzt wird, so kann man an dieser Stelle vorerst auf ein niedrigeres Niveau ausweichen und muss deshalb nicht alles nochmals von Anfang an durchspielen. Nur ärgerlich, dass ein verpatzter Song entweder solange wiederholt werden muss, bis er geschafft wurde, oder der komplette Gig erneut aufgerollt wird.

Guitar Hero World Tour Guitar Hero World Tour Im Gegensatz zu den "Rock Band" Ablegern trumpft "World Tour" eindeutig mit einem hervorragenden Editor. Bevor eine Karriere ansteht, muss zunächst einer der vorhandenen Rocker ausgewählt, oder aber ein Individuum geschaffen und eine Band gegründet werden. Aber nicht nur das virtuelle Ego kann erstellt werden, man schraubt auch an den Instrumenten bis ins letzte Detail herum. Innerhalb der Karriere werden zahlreiche Zusatzobjekte freigeschalten, welche anschließend im Editor Verwendung finden. Der individuelle Superstar steht alsdann direkt auf der Bühne, nutzt die selbst angemalte und verzierte Gitarre oder grölt in das optisch sehr ausgefallene Mikrofon. Vor allem in den Onlinedellen macht es Spaß, mit den eigenen Helden und Instrumenten anzutreten. "Rock Band 2" offeriert ebenfalls einen Charaktereditor, dieser beinhaltet aber nicht die Instrumente und bietet für die Charaktererstellung unserer Meinung nach deutlich weniger Möglichkeiten als "World Tour".

Guitar Hero World Tour Guitar Hero World Tour Euer virtuelles Ego wird auf der Welttournee auf zahlreiche Gitarrenlegenden treffen, die sich die Show nicht stehlen lassen. Sie fordern euch wieder zu einem knallharten Duell heraus. Erfreulicherweise wurden die kitschigen und sinnlosen "Mario Kart" Extras zumindest aus der Karriere entfernt (in der Gitarrenschlacht sind sie weiterhin vorhanden). Das simple Duell gibt es auch im freien Spiel, sobald ein Freund ebenfalls dasselbe Instrument oder das Mikrofon in die Hand nimmt. Einfache Duelle, die bekannten Pro-Duelle und auch Schlachten sind wieder mit von der Partie, die vor allem auch online gezockt werden können. Dort wird das Angebot noch mit Bandduellen angereichert, so dass man als Team gegen weitere Teams aus aller Welt antreten darf. Die besonderen Onlineschmankerl stelle der auch über das weltweite Netz spielbare Band-Karrieremodus sowie "Battle of the Bands" dar. Letzteres ist ein Duell zwischen acht Teilnehmern, jeweils vier auf eine Band aufgeteilt. Doch eines muss man "World Tour" entgegenhalten: Die Menügestaltung, vor allem im Onlinebereich ist alles andere als intuitiv und gelungen. Zu tief verschachtelt, völlig unübersichtlich und einfach überdimensioniert wurden alle Optionen irgendwie ineinander vermischt. Bis man hier kapiert hat, dass jeder für sich einen eigenen Schwierigkeitsgrad einstellen kann, hat man schon die ersten Gigs verloren. Ebenfalls mehr als ärgerlich ist der lange Counter vor dem Spielwechsel, welcher uns sinnlos auf das nächste Duell warten lässt.

Freakware oder massentauglich?

Guitar Hero World Tour Guitar Hero World Tour Eine Band muss natürlich auch ein umfangreiches Repertoire an Songs mit auf die Tournee nehmen, um die Fans so richtig einzuheizen. Hier punktet "World Tour" nicht nur aufgrund des Umfangs mit etwa 80 Songs, sondern vor allem seiner Massentauglichkeit. Man muss als Rock- und Metalfan schon ein ganz schön verquertes Gehör haben, um dem Titel nichts abgewinnen zu können. Zahlreiche Klassiker wie Michael Jacksons "Beat it", Billy Idols "Rebel Yell", der The Eagles Song "Hotel California" oder der absolute Grölsong "Livin' on a Prayer" von Bon Jovi sorgen für ein abwechslungsreiches aber auch angenehmes Musikaufgebot. Dazu gesellen sich einige Songs der Moderne sowie Titel aus der härteren Fraktion, um auch den Technikern was in die Hände zu geben. "Scream Aim Fire" von Bullet for My Valentine hat definitiv das Zeug, den Schrubbelkönig "Through the Fire and Flames" zu schlagen. Nur gelegentlich kommt nicht zu unrecht der Gedanke auf, dass man nicht alle Spieler gleichermaßen bedienen konnte. Manche Songs sorgen auf dem Schlagzeug aufgrund eines immerwährend gleichen Rhythmus geradezu für gähnende Langeweile. Während die Gitarristen zum Beispiel bei "Beat it" durchaus Spaß haben und der Sänger zu einer bekannten und wohlklingenden Melodie trällert, legt der Drummer seinen Part im Schlaf hin. Das Massenphänomen hat also auch den Nachteil, dass man selbst vor "Fahrstuhlmucke" nicht zurückschreckt und herzlich lahme Stücke offeriert. Nichts desto trotz offeriert uns Activision eine solide, umfangreiche und durchwegs gelungene Setliste, die sich nicht vor der Konkurrenz verstecken braucht.

Guitar Hero World Tour Guitar Hero World Tour Wem das nicht genug ist, der stöbert im Onlinestore und kauft sich dort neues Material ein. Bekanntermaßen steht dort das neue Metalica Album gegen Bares zum Download bereit, aber auch weitere Interpreten bieten ihre Werke an. Ähnlich "Rock Band" werden die Titel übersichtlich präsentiert und passende Informationen über Schwierigkeitsgrad sowie eine akustische Vorschau erleichtern die Kaufentscheidung. Die tatsächliche Auswahl ist aber ziemlich mager und reicht bei weitem nicht an das erschlagende Angebot der Konkurrenz heran. Hier muss auf jeden Fall noch einiges nachgeholt werden, um dem Kunden zufrieden zu stellen. Ebenfalls ärgerlich, dass alter Download-Content nach wie vor nicht kompatibel ist! Abhilfe gegen die geringe Auswahl schafft aber GHTunes, dem Onlinemarktplatz für private Musiker. Dort werden zahlreiche Titel angeboten, die mit dem in "World Tour" integrierten Tonstudio erstellt wurden. In diesem können Musiker eigene Songs aufnehmen, diese mixen und das finale Produkt der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Liest man sich aber die Bedingungen für GHTunes mal aufmerksam durch, finden sich auch einige Knebelpassagen. Die Rechte an den Schöpfungen werden durch den Upload abgegeben und liegen nicht mehr beim ursprünglichen Künstler. Wer also in den nächsten Monaten seine Kreation gespielt von Tokio Hotel im Radio hört, braucht sich nicht wundern.

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