Zum einjährigen Jubiläum schickt Valve nun endlich auch die Xbox-Spieler auf einen actiongeladenen Ausflug nach City 17.
Einwandfreie Konsolen-Umsetzung
Half-Life 2
Abgesehen von der genialen Physikengine glänzt "Half-Life 2" auch mit einer sehr guten Grafikengine. Das Kind hört auf den Namen "Source" und ist für die sensationellen Effekte und die unglaublich gut aussehenden Charaktere verantwortlich. Dabei kocht Valve auch diesmal nur mit Wasser und versucht sich an keinen neuartigen technischen Experimenten, wie es vor kurzem id Software mit Doom 3 gemacht hat. Die Umsetzung auf die Xbox war sicherlich eine große Herausforderung, denn die PC-Version glänzte vor allem mit sehr hochauflösenden Texturen, welche in dieser Form auch auf der Xbox einfach nicht machbar gewesen sind. Natürlich sehen die Pixeltapeten nun aus nächster Nähe nicht mehr so detailliert, ja sogar fast schon matschig aus und auch die Umgebung muss mit ein paar Polygonen weniger auskommen. Trotzdem hat man es erfolgreich geschafft, die sensationelle Technik des großen Bruders zu großen Teilen auf die Konsole umzusetzen: Die eindrucksvollen Wasserspiegelungen, die wegweisenden Gesichtsanimationen und das maßgebliche Schauspiel mit der Gravitation sind vollständig erhalten geblieben. Dafür muss man auf der Konsole mit etwas längeren und häufigeren Ladepausen auskommen. Ganz ähnlich wie beim ersten Teil auf dem PC sind die Levels nun nicht mehr vollständig im Speicher, sondern werden von relativ kurzen Nachladepausen unterbrochen und nachgeladen. Störend sind diese nach kurzer Zeit nicht mehr und wer das PC-Vorbild nicht kennt, wird noch weniger Probleme damit haben. Lediglich der erste Ladebildschirm direkt nach dem Einschalten steht deutlich länger auf dem Bildschirm als man es von anderen Genrevertretern gewohnt ist. Geruckelt wird nur an ganz wenigen Stellen, meist direkt nach einer der kurzen Ladepausen - wer nicht hochkarätig penibel in dieser Hinsicht ist, wird auch die kurzen Ruckler ohne Probleme wegstecken können. Die Steuerung wurde ebenfalls sehr vorbildlich auf die Xbox übertragen. Dank einer großzügigen Autoaim-Funktion nehmt ihr auch ohne Maus und Tastatur die Gegner fachgerecht ins Fadenkreuz. Und wenn es an gewissen Stellen etwas zu kompliziert werden sollte, darf man auch hier jederzeit Abspeichern und wird beim Laden des Spielstands auch direkt an dieser Stelle wieder abgesetzt.
Half-Life 2
Auch auf der Konsole sind es natürlich die beispiellosen Gesichtsanimationen, welche jede nur denkbare Gefühlsregung von eurer schönen Partnerin Alyx und aller anderen Charaktere sofort und auf sehr eindrucksvolle Weise sichtbar machen. In dieser Hinsicht haben die Leute von Valve mit einer enormen Detailverliebtheit und Präzision gearbeitet, sodass große Teile der Spielatmosphäre und Begeisterung in Sachen Grafik schon alleine durch die menschlich wirkenden Akteure entstehen. Diese sehr zeitaufwendige Handarbeit wurde von den Entwicklern aber auch bei der Gestaltung der Levels weiterverfolgt und lässt einen an manchen Stellen vor Begeisterung nur kopfschüttelnd vor dem Monitor sitzen. In den für die Story wichtigen Räumen, wie zum Beispiel dem Labor von Dr. Kleiner, kann man viele Minuten damit verbringen sich den liebevoll ausgeschmückten Raum in jedem einzelnen Detail anzusehen. Dieser Effekt tritt aber auch an anderen Stellen auf und man erwischt sich im Laufe des Spiels immer wieder dabei, wie man die Umgebung einfach nur aufgrund ihrer Schönheit untersucht und bis ins Letzte Detail genießt.
Half-Life 2
Obwohl hier auf effektreiche Licht- und Schattenspielereien zu großen Teilen verzichtet wurde, wäre es eine regelrechte Verschwendung möglichst schnell durch die einzelnen Kapitel zu rennen, da es so enorm viel zu sehen und erleben gibt. "Half-Life 2" lebt nicht nur von seiner spielerischen Vielfalt, sondern auch von der ständig gebotenen Abwechslung in grafischer Hinsicht. Wo die Konkurrenz von id Software noch auf immer gleich aussehende Gänge einer vergleichsweise langweiligen Raumstation setzte, tischt euch Valve in jedem Kapitel ein neuartiges Optikschmankerl auf. Von weitläufigen Sandstränden und Küstenstraßen bis hin zu mit technischem Schnickschnack voll gestopften Forschungseinrichtungen ist alles dabei. Auch wenn das Gameplay sehr linear aufgefallen ist, so hat man doch zumindest in optischer Hinsicht ein enormes Freiheitsgefühl, da man sich sehr oft unter freiem Himmel bewegt und die Inszenierung auch ohne übermäßige Lichtspielereien sehr realistisch rüberkommt. Abgerundet wird das ganze mit vielen schmucken Effekten, welche durch professionelle Shader-Programmierung möglich wurden. Ganz besonders die Wassereffekte sollte man an dieser Stelle ansprechen, selbst beim Referenzprodukt "Far Cry" sah das kühle Nass nicht so schön und zum Greifen nah aus.
Edle Klänge wie in alten Zeiten
Half-Life 2
Das Sounddesign von "Half-Life" war bereits im Vorgänger eine Klasse für sich. Knackige 3D-Soundeffekte und eine sehr subtil eingesetzte Hintergrundmusik, welche nur zum Untermalen besonders wichtiger Szenen verwendet wurde trugen einen Großteil zur packenden Atmosphäre bei. Aus diesem Grund hat man sich wohl auch sehr rege an den Waffen- und Interfacesounds des Vorgängers bedient, denn viele vertraute Geräusche und Sprachsamples werden Kenner des Vorgängers auch hier wieder finden. Actiongeladene Szenen werden stellenweise mit fetziger Musik unterlegt, ansonsten begleitet euch eine mindestens genauso packende Stille, die hin und wieder von den nahenden Schritten und Schreien eurer Gegner unterbrochen wird. Die deutsche Version wurde übrigens vollständig und sehr vorbildlich lokalisiert, alle Bezeichnungen und Dialoge wurden mit sehr viel Sorgfalt und von talentierten Sprechern übersetzt. Da man in spielerischer Hinsicht keinerlei Kürzungen vorgenommen hat, ist die deutsche Version mindestens genauso gut gelungen wie die englische - ein Kauf der Importversion wird somit unnötig. Ganz besonders deshalb nicht, weil sich das Spiel durch die Sprachwahl im Konsolen-Setup, kinderleicht und vollständig auf Englisch umstellen lässt.
