Hard West bietet eine Mischung aus Wild-West-Thematik, Fantasy-Elementen, XCOM-Gefechten und moralischen Entscheidungen - weitere Einzelheiten im Test.
Bei Hard West handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel, das euch in die Ära des Wilden Westens versetzt und mit einer abgedrehten Fantasy-Story aufwartet. Dazu gesellen sich eine Reihe von Spielelementen aus XCOM und moralische Entscheidungen. Das interessante Konzept wurde letztes Jahr mithilfe einer erfolgreich durchgeführten Kickstarter-Kampagne finanziert. Inzwischen ist die Entwicklung des PC-Titels abgeschlossen und Hard West steht seit dem 18. November über Steam, GOG oder Humble Bundle zu einem Preis von knapp 20 Euro zur Verfügung.
Hard West mit teuflischer Story-Kampagne
Quelle: CreativeForge
Das Spiel verfügt über keinen Endlosmodus oder Mehrspielerkomponente. Hard West bietet stattdessen einen amüsanten Story-Modus mit acht Szenarien, die jeweils aus einer in sich geschlossenen Mini-Kampagne bestehen. Jedes Szenario unterhält für ein bis zwei Stunden und rückt einen anderen Hauptcharakter in den Vordergrund. Den Handlungsfaden hält der Tod höchstpersönlich in der Hand, um mit seiner ausdrucksvollen (englischen) Stimme regelmäßig auf die Hauptfiguren einzugehen. Im ersten Szenario übernehmt ihr die Rolle eines Goldschürfer-Gespanns aus Vater und Sohn, die im Wilden Westen nach Reichtum suchen. Dabei kommt ihnen der Teufel in die Quere und es entwickelt sich eine wahnwitzige Geschichte über brutale Inquisitoren, durchgeknallte Kultisten und gefährliche Dämonen. Auf typische Wild-West-Romantik verzichtet Hard West, denn auch die späteren Szenarien setzen auf verrückte Story-Details und erzählen parallele Handlungslinien und die düstere Vorgeschichte des teuflischen Dramas. Die interessante Story wird leider recht trocken präsentiert, denn alle Figuren außer dem Tod sind stumm.
Im Spielablauf tummelt ihr euch hauptsächlich auf schön präsentierten Übersichtskarten, um neue Orte zu erforschen, Händler und andere Charaktere aufzusuchen oder Nebenaufgaben zu lösen. Die Ereignisse im Spiel werden in Textkästen anschaulich beschrieben. Meist gilt es dabei, verschiedenartige Entscheidungen zu treffen: Helft ihr einem verirrten Wandersmann mit einer Geldspende? Wagt ihr euch in eine ungesicherte und einsturzgefährdete Mine? Wollt ihr beim Kartenspielen betrügen? Die Entscheidungen sorgen für eine vorsichtige, mutige oder böse Vorgehensweise und wirken sich auf die weitere Handlung im Spiel aus. Wer das Risiko nicht scheut, wird mit Schätzen, seltenen Gegenständen oder neuen Charakteren für die eigene Party belohnt. Im Gegenzug müssen mutige Spieler auch mal den Verlust eines Begleiters hinnehmen.
Die abwechslungsreichen Kampagnen-Ziele sind das Salz in der Hard West-Suppe, denn jedes Szenario bietet ein eigenständiges Konzept: In einer der Geschichten leitet ihr beispielsweise eine Expedition und müsst Arbeitskräfte für gefährliche Aufgaben anheuern. Dabei gilt es darauf zu achten, nicht zu viele Helfer bei der Jagd oder der Schatzsuche zu verheizen. In einer der anderen Mini-Kampagnen sollt ihr geheime Entwürfe aufspüren und eine Massenpanik enträtseln, ohne dabei selbst den Verstand zu verlieren. Durch die unterschiedlichen Grundvoraussetzungen wirkt jedes Szenario frisch doch es gibt auch ein Problem: Nach jedem Auftrag verschwinden die liebgewonnenen Charaktere und ihr müsst wieder von Null beginnen.
Spezielle Fähigkeiten dank Kartentricks
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In Hard West spielen Aufträge rund um den schnöden Mammon eine große Rolle, denn für die Ausrüstung vom Schlage einer vierläufigen Schrotflinte, müsst ihr natürlich eine Menge eurer sauer verdienten Kröten auf den Tisch legen. Daneben gibt es auch viele Items wie Heilgegenstände, Bomben oder Talismane zu kaufen. Letztere sorgen für die Verbesserung der Charakterwerte, beispielsweise in puncto Verteidigung, Reichweite oder Zielgenauigkeit. Das System ist solide, bietet aber nicht besonders viel Tiefgang, vor allem weil es keine Charakterklassen im Spiel gibt. Alle Figuren können alles tun, alles lernen und alle Gegenstände verwenden. Glücklicherweise gibt es aber noch eine Möglichkeit zur Spezialisierung: Die Charaktere verfügen über ein Inventar für Spielkarten, die als Belohnungen für abgeschlossene Quests oder Ereignisse verteilt werden. Die Karten aktivieren anschließend passive Boni und meistens auch einen zusätzlichen Effekt für den Kampf. Kombinationen aus mehreren Karten sind besonders empfehlenswert, ein Full House sorgt beispielsweise für die Regeneration der Lebenspunkte eines Charakters.
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Eure Waffen, Fähigkeiten und Kartentricks kommen bei Hard West in rundenbasierten Taktik-Gefechten zum Einsatz. Die Kämpfe erinnern an die Auseinandersetzungen in XCOM und werden auf kleinen, hübsch aufgebauten Maps in einer isometrischen Perspektive ausgetragen. Unsere vier Gruppenmitglieder verfügen dabei über jeweils zwei Aktionsunkte die zum Schießen, Nachladen, Bewegen oder für spezielle Schachzüge wie beispielsweise den Einsatz von Heilkräutern genutzt werden dürfen. Achtet beim Kampf außerdem auf die Deckungssymbole, um eure Charaktere wie in XCOM vor feindlichem Feuer zu schützen. Darüber hinaus können die Figuren durch einfaches Dagegentreten auch mal einen Tisch zur Deckungsmöglichkeit umfunktionieren. Versteckte Feinde können außerdem - ebenfalls wie in XCOM - anhand ihres Schattenwurfs anvisiert werden. Immerhin gib es auch eine Besonderheit: Glückspunkte manipulieren die Chancen auf einen Treffer und sorgen dafür, dass sich die Gefechte in Hard West nicht ewig hinziehen. Die Glückspunkte sind übrigens auch für den Einsatz der Karten-Effekte notwendig. Diese Spezialkräfte sind teilweise übermächtig, denn "Kreischen" sorgt beispielsweise dafür, dass der gewählte Charakter allen Gegnern in Sichtweite drei Schadenspunkte verpasst, schwächere Feinde sind danach bereits besiegt. Besonders lustig ist die Fähigkeit "Querschläger", die Kugeln an anderen Objekten abprallen lässt und so einen Treffer über mehrere Ecken ermöglicht. Von coolen Ideen dieser Art hätten wir gern noch mehr gehabt und auch bei der Anzahl der Gegnertypen zeigt sich Hard West ziemlich kleinlich. Meistens bekommt man es mit schießwütigen Cowboys und nur selten mit fiesen Dämonen (die übrigens auch mit Pistolen und Gewehren ausgestattet sind) zu tun. Hier wurde leider Potenzial verschenkt, denn aus den zahllosen Fantasy-Elementen der Story hätten die Entwickler sicher noch ein paar aufregendere Feinde basteln können.
Planungsphase: Gewaltlos zum Ziel oder Spaßbremse?
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In manchen Levels erwartet euch zu Beginn eine Art Planungsphase, was aber leider nicht besonders viel Spaß macht. Dabei dürft ihr lediglich die Umgebung sondieren, kleinere Missionsziele erfüllen, oder einfach nur eine besonders gute Gefechtsposition suchen. Egal was ihr in der Planungsphase davor angestellt habt, am Schluss wird die Situation mit Waffengewalt geklärt. So ist es auch ziemlich sinnlos, im Vorfeld Feinde zu bedrohen und für einige Runden Kampfunfähig zu machen. Denn nur ein paar Runden später bleibt euch eh nichts anderes übrig, als sämtliche Gegner mit euren Schießeisen zu bezwingen. Wir vermissen variierende Lösungswege, strategische Entscheidungen oder Fallen, die man den Gegnern stellen könnte. So vereint Hard West einige tolle Ideen und Spielelemente, verpasst allerdings auch viele Möglichkeiten. Die Aufgaben der Übersichtskarte und die moralischen Entscheidungen haben uns prima gefallen. Die Kämpfe machen ebenfalls Spaß, doch auf die Dauer fehlt hier Abwechslung und strategischer Tiefgang. Mit XCOM kann Hard West demnach nicht konkurrieren, aber zu einem Preis von knapp 20 Euro können sich Genre-Fans auf ein solides Taktik-Abenteuer freuen.
