Die Wii-Fassung unterbietet das eh schon schlechte Spiel nochmals und enttäuscht auf ganzer Linie!
Schnurgerades Leveldesign und abgeschnittene Story
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Dem möglichst einfachen Gameplay liegt ein schnurgerades Leveldesign zugrunde, das dem Spieler wenig Freiraum gibt und sich zu einem Großteil an Xbox und PS3 orientiert. Meist rennt man durch die schlauchartigen Level, ballert eine Menge Todesser/Spinnen/komische Feen um und sucht am Ende den Ausgang/ein Objekt/einen Endboss. Damit sind fast 80% der Missionen beschrieben, Abwechslung gibt es wenig. Manchmal muss man sich zudem noch unter Harrys Unsichtbarkeitsumhang verstecken und so ungesehen an Wachen vorbeikommen, aber auch das Schleichfeature macht das ansonsten verhunzte Gameplay nicht fitter.
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Viel schlimmer wiegt aber noch, dass das Storytelling so gar nicht funktioniert. Als Kenner von Buch und Film kann man Orte zwar durchaus wiedererkennen und weiß, warum man etwa ins Ministerium für Zauberei einbrechen soll, die Cutscenes und Ingame-Filmchen erklären einem davon aber nur wenig bis gar nichts. Direkt zu Beginn unterlässt es das Spiel etwa, auf Harrys Flucht aus dem Ligusterweg einzugehen, später dann geht es auf Rons Hochzeit weiter - wieder zur Gänze ohne Erklärungen und vor allem ohne die Tatsache, dass es bei der Flucht Todesopfer gegeben hat. Das zieht sich fast durch die gesamte Länge der Kampagne, falls man sie so nennen will. Der Spieler muss akzeptieren, dass Harry Potter 7 weder logisch aufgebaut ist, noch sinnvoll oder zusammenhängend erzählt wird.
Technisch eine Niete
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Der Blick auf die Technik von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 fällt katastrophal aus: Die Figuren der Charaktere sind grob und komplett verwaschen gezeichnet, wirken plump und die Mimik ist unterirdisch. Die virtuelle Hermine hat außerdem gefühlte 30 Kilo zugenommen... Viel schlimmer ist aber noch, dass Ron und Hermine einem wie treudoofe Hunde hinterherlaufen, ohne dass man Einfluss auf sie hat. Will man mal vorschleichen an einer Stelle, wo es nicht von der Story vorgebeben wird, laufen die beiden einem hinterher und verraten beispielsweise einen Angriff aus dem Hinterhalt... Toll gemacht, ihr zwei unnützen Backpfeifen! Den Rest der Zeit stehen sie doof in der Gegend rum, suchen so gut wie nie Deckung und ballern Stupor-Zauber in Richtung Gegnerschar - ist ja auch kein Problem, denn weder können sie sterben, noch haben sie einen anderen Zweck.
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Die Umgebungsgrafik ist noch niedriger, als auf den Next-Gen Fassungen aufgelöst, trist und vor allem repetitiv. Vor allem die Passagen im Ministerium sind ein Lacher: Die Wände glitzern komisch, statt Texturen hat man einen irrwitzigen Glanzfilter über die Grafiken gelegt. Das klingt nicht nur komisch, das sieht auch noch lächerlich aus. Dazu gesellt sich noch eine abartige Kameraführung, die je nach Belieben aus einer 3rd Person- in einer 1st Person-Perspektive umschaltet. Erfreulicherweise kämpft die Wii nicht mit den selben Kameraproblemen wie die anderen Fassungen, weil die Kamera der Wiimote folgt. Einen Kritikpunkt beseitigt, dafür aber nur noch schlimmer gemacht...
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Denn es ist vor allem die Kameraausrichtung und Steuerung, die einem das letzte bisschen Spielspaß raubt. Die ständigen Perspektivwechsel stören, insgesamt fällt es schwer, aus der Bewegung zu zielen und das vollkommen überflüssige Deckungssystem wird so gut wie nie gebraucht. Und selbst wenn: Aus der Deckung kann man nicht zaubern, ist nicht immer geschützt vor Feinden und manchmal kommen Zaubersprüche auch auf verwunderliche Art und Weise durch Wände und Decken... Doof, dass man die Angreifer nicht kaltstellen kann und dann entweder die Beine in die Hand nimmt oder gezwungenermaßen die Passage noch mal spielt - in der Hoffnung, dass der Bug beim erneuten Versuch nicht auftritt.
Da man mit dem Pointer nicht nur zielt, sondern sich auch bewegt, wenn das Fadenkreuz in der Nähe des Bildschirmrandes ist, gibt es hier gezwungenermaßen Probleme. Gerne mal bleibt Harry hängen, kann sich - natürlich immer nur an den wichtigsten Stellen, nicht drehen und wenn mal tatsächlich ein Feind hinter einem steht, braucht das System gefühlte Ewigkeiten, um sich in die richtige Richtung zu positionieren. In Kombination mit dem Stick auf dem Nunchuck ergibt sich eine schreckliche Kameraführung, die "umherwackelt", und eine flüssige Steuerung nicht zulässt. Wenn wir könnten, würden wir dafür 0 Punkte vergeben. Das geht technisch leider nicht, deshalb gibt es hier einen Gnadenpunkt.
