... aus dem Hause Ubisoft stellt eine Arcade-Flugsimulation ganz in der Tradition eines Blazing Angels dar.
Mit Heroes over Europe kredenzen uns Ubisoft und Transmission Games diese Tage ein weiteres Game anhand dessen wir in den Lüften über Europa den Zweiten Weltkrieg neu erleben können. Versprochen werden uns haarsträubende Dogfights beim Kampf um die Lufthoheit sowie ein fordernder Multiplayer-Mode für bis zu 16 Spieler gleichzeitig. Im Grunde jedoch ist es aufgebaut wie ein Blazing Angels oder ähnliche Games, zumindest kommt es einem Anfangs so vor, denn so richtig entfalten kann sich das Game erst mit den späteren Missionen, dann aber umso gewaltiger.
Heroes over Europe
Wie üblich muss die erste der gebotenen Missionen als Tutorial herhalten, derweil ist es ein Leichtes das Flugzeug vom Boden abheben zu lassen und in der Luft zu kontrollieren. Zwar haben wir die Wahl zwischen einer Arcade- und einer Simulationssteuerung, doch die ist weit davon entfernt so komplex und anspruchsvoll zu sein wie das kürzlich erschienene IL-2 Sturmovik Birds of Prey. Man merkt recht schnell, dass Heroes over Europe hier den entgegengesetzten Weg einschlägt. Wählen wir die Arcade-Steuerung ist das Flugzeug praktisch komplett mit dem linken Stick zu kontrollieren, wohingegen wir im Simulationsmode beide Sticks nutzen müssen, da hier das Seitenleitwerk separat gesteuert wird. Trotzdem ist es fast unmöglich das Flugzeug abschmieren oder trudeln zu lassen. Was den Titel von Games wie Blazing Angels abhebt ist der sogenannte "Zielschuss", dabei handelt es sich um eine Art Bullettime mit Flugzeugen. Halten wir einen Gegner nämlich lange genug im Fadenkreuz, beginnt sich eine Trefferanzeige aufzubauen. Ist diese zu wenigstens 50% gefüllt können wir den Zielschuss auslösen und das Spiel zoomt extrem zum Gegner heran während das Geschehen in Zeitlupe versetzt wird. Nun liegt es am Spieler das Fadenkreuz auf einen der lethargischen Punkte des Feindes zu setzen und im richtigen Moment abzudrücken. Ist dies gelungen zerstört es das Gegnerflugzeug augenblicklich. Das kommt einem Anfangs etwas seltsam vor wird aber später zu einem tragendem Gameplay-Element des Games.
Heroes over Europe
An Waffensystemen verfügen unsere Flugzeuge grundsätzlich über mehrere Maschinengewehre und je nach Typ zusätzlich noch über Raketen, Bomben und mitunter sogar Torpedos die man gegen Schiffe einsetzt. Anders als in ähnlichen Spielen erleben wir nicht die Geschichte eines bestimmten Piloten sondern wechseln im Verlauf des Spiels zwischen mehreren Staffeln diverser im Krieg verzettelter Nationen hin und her. Bis auf die Deutschen, die spielt man nicht, denn sie stellen die Ausgeburt des Bösen dar. Und das lässt man den Spieler auch spüren, denn der Titel ist recht propagandistisch aufgemacht und schrammt manchmal schon knapp am guten Geschmack vorbei. So wird der Deutsche im Siegerbild am Ende jeder Mission als kleines Schwein in Uniform hinter seiner Bratwurst dargestellt, wohingegen die Engländer durch einen großen roten Löwen mit Maschinengewehr symbolisiert werden. Doch auch im Spiel selbst wird nicht mit harten Sprüchen gespart, was man lustig finden kann, oder auch nicht. Lustiger Weise aber hat man die erste Mission im Spiel "Sitzkrieg" getauft, obwohl natürlich der Blitzkrieg gemeint ist, was irgendwie deplaziert wirkt, wo sonst doch auch kein Blatt vor dem Mund genommen wird und von der Verbrecherbande in Berlin die Rede ist oder von dem unsäglich hässlichem Deutschland.
Heroes over Europe
Technisch muss man sich während der Einsätze um nicht viel kümmern, vieles geht vollautomatisch oder ist schlicht nicht vorhanden. Die Fahrwerke werden vollautomatisch eingezogen, das jeweils aktuelle Ziel wählt sich automatisch aus und auch unsere Flügelmänner können wir nicht befehligen, sie handeln ebenfalls frei Schnauze. Etwas befremdlich aber wirkt anfangs die Kamera, die sich nur selten direkt hinter dem Flugzeug befindet sondern sich gerne leicht seitlich davon positioniert, daran gewöhnt man sich aber schnell und zudem verdeckt so das eigene Flugzeug praktisch nie den anvisierten Gegner. Andere Kameraperspektiven als die Verfolgende gibt es nicht, also keine Cockpitsicht oder Ähnliches. Ebenfalls wirken sich Schäden am Flugzeug nicht auf das Flugverhalten aus oder verringern unsere Leistung, sind aber optisch schön dargestellt. Auch kann es zu brennen beginnen, allerdings löscht sich das Feuer nach einer gewissen Zeit von selbst. Trotzdem gibt es einen Schadensbalken, ist der entleert geht das Flugzeug schlagartig kaputt. Auch etwas unrealistisch ist das Verhalten bei einer Kollision in der Luft. Dann nämlich verlieren wir für mehrere Sekunden die Kontrolle und das Flugzeug dreht sich wild im Kreise, woraufhin wir wieder übernehmen und weiterfliegen können, insofern wir in den entsprechenden Sekunden nicht irgendwo zerschellten.
Wirklich toll hören sich die Waffensounds an und schon nach kurzer Spielzeit kann man an diesen erkennen welches Flugzeug man benutzt. Ebenfalls recht gelungen ist die klassische Musikuntermalung während der Einsätze, die sich zwar dezent im Hintergrund hält aber immer im richtigen Moment für Stimmung sorgt. Auch die Funksprüche zwischen den Piloten darf man als gelungen bezeichnen, lediglich die abgeschossenen Feinde wiederholen sich gerne.
