Das Prügelspiel der Game Factory kann man nur hartgesottenen Fans der der TV-Serie empfehlen. Alle anderen gehen lieber in Deckung.
Beat'em Ups haben bekanntermaßen auf Sonys Konsolen eine wirklich lange Tradition und vor allem die Tekken-Serie gilt für viele Spieler als absolutes Novum. Das oft kopierte und nie erreichte Gameplay macht die Serie so beliebt und auch die PSP hat schon mit "Tekken: Dark Resurrection" einen Vertreter spendiert bekommen. Mit "Im Bann des Drachen" versucht Neko Entertainment zusammen mit Publisher The Games Factory ein Konkurrenzprodukt auf Playstation 2, Nintendo Wii und Playstation Portable zu etablieren. Doch warum zumindest die PSP-Version absolut keinerlei Chancen auf den Genre-Thron hat, erfahrt ihr im nun folgenden Review zu "Im Bann des Drachen" (engl.: "Legend of the Dragon").
Im Bann des Drachen - Muss ich das kennen?
Das Spiel "Im Bann des Drachen" ist eine Versoftung der mehr oder weniger erfolgreichen gleichnamigen TV-Serie, welche hier in Deutschland vom Spartensender Super RTL übertragen wurde. Die Story hört sich sogar noch ganz interessant an, weswegen ich sie Euch noch einmal kurz zusammenfasse: Ihr schlüpft in die Rolle von Ang, einem jungen Kämpfer aus dem fernen China, welcher nicht im Traum daran gedacht hätte, einmal zum "Goldenen Drachen" ernannt zu werden. Doch Ang hat auch noch eine Zwillingsschwester namens Ling, welche ebenfalls scharf auf den Titel gewesen ist und nun natürlich ziemlich sauer ist, dass sie es nicht geworden ist. Also schwört sie nun all denen, die sie übergangen haben, Rache. Und so beschließt sie, sich auf die Seite des Bösen zu schlagen und dem Zodiac-Meister zu folgen. Dem Mann, der die Weltherrschaft übernehmen will. Ling wird der Schatten-Drache. Fortan kämpft sie gegen ihren eigenen Bruder. Ziel von Ling und dem üblen Zodiac-Meister ist die Ergreifung der Mächte der Wächter der 12 verlorenen Tempel - denn die Legende besagt, dass derjenige buchstäblich unbesiegbar ist, der jemals die Kräfte aller Wächter in sich vereinigen kann - und Ang muss das natürlich verhindern. Und nun seid ihr gefragt...
Nach dem Einschieben der UMD erwartet euch ein eher schlecht als recht zusammen geschnittenes Intro-Video, welches euch schon einmal die verschiedenen Akteure im Spiel vorstellt, jedoch viel zu lang geworden ist. Herzstück des Spiels ist der Story-Modus, welcher den Entwicklern in vielen Punkten aber eher misslungen ist. Ihr startet wie in Soul Calibur auf einer Übersichtskarte und könnt euch in vorgegebenen Bahnen über diese Map bewegen. Zwar erfüllt dieses System seinen Zweck, besonders einfallsreich oder schön umgesetzt kann man das Ganze aber auch nicht nennen. Ziel ist es, die 12 verschiedenen Tempel zu finden und die dortigen Wächter zu besiegen. Diese Wächter sind dann aber auch nicht so einfach zu besiegen, sondern müssen meist mit verschiedenen Combos oder anderen Bedingungen zur Strecke gebracht werden. Und natürlich lauft ihr nicht von Tempel zu Tempel, sondern müsst auf dem Weg dorthin auch immer wieder verschiedene Wegelagerer besiegen, die euch nach dem Leben trachten. Diese Widersacher sind dann auch schon viel einfacher zu erledigen und dienen wohl ausschließlich zu Trainingszwecken. Zwar soll dieser Modus den Großteil der Spielzeit auf sich ziehen, doch aufgrund der langweiligen Aufmachung macht dieser Quest-Mode nur wenig Spaß, auch wenn ihr bei Siegen Edelsteine erhaltet, mit denen ihr eure Fertigkeiten verbessern könnt, macht es das Ganze nicht interessanter.
Und sonst?
Von den Spielmodi her könnt ihr in "Im Bann des Drachen" auf bekannte Kost zurückgreifen - Von normalen Versus-Modi über Zeitattacken bis hin zu Überlebenskämpfen. Alles also schon mal gesehen. Doch was birgt das Spiel den sonst an Motivationsmöglichkeiten? Nun, die Entwickler haben sich etwas ganz innovatives einfallen lassen - ihr dürft nämlich insgesamt sechs Kämpfer sowie sechs Kampfarenen freischalten - gähn. Sicherlich erwartet man von dem Spiel nun auch nicht, dass es Bäume hinsichtlich der Langzeitmotivation ausreißt, aber ein klein wenig mehr Einfallsreichtum hätte "Im Bann des Drachen" dennoch gut getan. Für die Hardcore-Fans der TV-Serie unter euch haben die Entwickler aber auch eine komplette Folge der Serie mit auf die UMD gepresst - zumindest ein Ansatz des guten Willens. Das Besondere in Neko Entertainments "Tekken"-Klon ist aber die Tatsache, dass ihr jeden eurer Fighter während des Kampfes noch einmal transformieren könnt und so ein zweites Alter Ego zu sehen bekommt. Allerdings bedarf es bis zu diesem Zeitpunkt ein wenig Geduld, denn erst nach einer gewissen Zeitinvestition an Schlägen, Tritten und Combos, seid ihr in der Lage die Verwandlung vorzunehmen. Das hört sich in der Theorie vielleicht ganz interessant an, doch leider haben die Entwickler von "Im Bann des Drachen" die Möglichkeiten hinsichtlich der Steuerung der Playstation Portable übergebührlich beansprucht. So artet der eigentliche Kampf leider wieder einmal in sinnloses Tastengehämmere aus, was einen schon nach kurzer Zeit die PSP frustriert abschalten lässt.
Die verschiedenen Kämpfer verfügen über jeweils zwölf verschiedene Kombo-Attacken, die allerdings bei jedem Charakter zum Großteil unterschiedliche Tastenkombinationen erfordern - Das bedeutet, dass ihr eigentlich immer die Anleitung mit den Auflistungen der verschiedenen Combos beim Spielen dabei haben solltet, bis euch der jeweilige Kämpfer in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wie oben bereits erwähnt, können sich eure Schützlinge während des Kampfes noch weiter verwandeln. Der Zeitpunkt dieses Verwandelns richtet sich nach der so genannten KI-Anzeige: Diese Anzeige füllt sich, wenn euer Fighter Angriffe und Combos ausführt. Ihr könnt aber auch etwas KI sammeln, wenn ihr Schläge eures Gegners abwehrt. Wenn diese Anzeige halb voll ist, könnt ihr euch verwandeln. In diesem Zustand kann sich die KI-Anzeige aber nicht weiter füllen. Allerdings müsst ihr beachten, dass alle Spezialangriffe bei ihrem Start einen gewissen Betrag an KI verbrauchen - genauso wie Konter und andere Techniken dies tun.
Die technische Sicht der Dinge
Wie oben bereits erwähnt, ist die PSP mit der Belegung der Steuerung hoffnungslos überfordert. Aber auch die soundtechnische Unterstützung reißt in "Im Bann des Drachen" keinerlei Bäume aus - So gehen die einem die Geräusche, welche die Kämpfer von sich geben, schon nach kurzer Zeit gehörig auf die Nerven. Dies mag vor allem daran liegen, dass die Entwickler keinerlei Vielfalt in diese Soundfiles investiert haben - Genauso sieht es leider bei der musikalischen Untermalung aus: Im Menü dudelt die fernöstliche Musik vor sich hin und auch im Kampf selber gibt es ebenfalls keinerlei erwähnenswerte Qualitätssteigerung hinsichtlich der Songs. Ebenfalls glatter Durchschnitt erwartet euch bei der grafischen Umsetzung von "Im Bann des Drachen": Während die verschiedenen Kampfarenen noch recht ansehnlich in Szene gesetzt wurden, müssen die unterschiedlichen Kämpfer mit matten Comic-Texturen zu Recht kommen. Zwar kann keineswegs von einer hässlichen Präsentation gesprochen werden, doch das hat man auch auf der Playstation Portable schon um Welten besser gesehen. Auch die Ladezeiten bewegen sich im Durchschnitt des Handhelds und betragen vom Menü bis zum Kampf ca. 20 Sekunden.
