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Infamous im Gamezone-Test

Ein wenig GTA, eine Prise Mirror's Edge und ein paar Superkräfte, auf die Marvel-Helden eifersüchtig wären: Fertig ist inFamous.
Michael Sosinka

Infamous Infamous Die Story hält dennoch sehr gut bei Laune, obwohl sie erst spät in Gang kommt und nur wenige Charaktere vorstellt. Da hatte zum Beispiel ein GTA IV viel mehr zu bieten. Dafür punktet inFamous mit einem motivierenden Moralsystem, das dazu führt, dass sich die Stadt entsprechend unserer Taten nachhaltig verändert, Fable 2 lässt grüßen. An gewissen Stellen muss man entscheiden, ob man den Menschen hilft oder sie ausnutzt. So stellt sich die Wahl, ob wir zuschauen, wie sich Polizei und Verbrecher gegenseitig abschlachten, um danach den Rest zu erledigen, oder wir greifen sofort ein und helfen den Gesetzeshütern. An anderer Stelle können wir für eine Belohnung den Auftrag erfüllen, oder wir bringen den Questgeber um und holen uns sofort den Gegenstand von Wert. Eine Anzeige symbolisiert die derzeitige Gesinnung, wobei nur besonders gute oder böse Spieler belohnt werden. Wer manchmal hilft und manchmal terrorisiert, bekommt keine speziellen Ingame-Belohnungen in Form von Kräften oder Aufträgen.

Düstere Stimmung

Infamous Infamous Das Spiel geht sogar noch weiter, da es uns frei gestellt ist, verwundete Zivilisten zu heilen oder benommene Feinde zu fesseln. Alternativ lassen sie sich nämlich auch aussaugen. Abhängig davon, wie wir uns an vielen Schlüsselmomenten entscheiden, reagieren die Bewohner anders auf uns. Entweder sie fürchten Cole, oder sie verehren seine Taten. So klatschen uns Passenten zu, machen Fotos oder kommen angerannt, um auf ein Verbrechen aufmerksam zu machen. Im TV wird darüber hinaus von unserer aktuellen Taten berichtet. Empire City wirkt ohnehin sehr lebendig, da man das Elend auf den Straßen richtig mitfühlen kann. Der umher liegende Dreck, zerstörte Fahrzeuge, sowie Menschen, die verzweifelt am Boden kauern und Mülltonen nach Essen durchsuchen, erzeugen eine unwohle Stimmung, die man mit guten Taten beispielsweise stark verbessern kann. So wirkt die Stadt irgendwann viel freundlicher. Nur die vereinzelten Autofahrer bewegen sich irgendwie völlig unbeteiligt durch die Straßen. Das stört den Gesamteindruck ein wenig.

inFamous Behind the Scenes #2
Infamous Infamous Aus diesem Grund fühlt man sich tatsächlich wie ein richtiger Held, oder eben ein Antiheld. Das Verhalten kommt allerdings auch dem Wiederspielwert von inFamous zu Gute, da man dadurch unterschiedliche Nebenaufträge erhält und auch einige Kräfte sind exklusiv der guten oder bösen Seite zugeordnet. Die Story ist davon jedoch nur peripher betroffen. Bei der Spielzeit kann man nicht meckern. Erledigt man alle Nebenaufträge, wird man bis zu 20 Stunden im Empire City unterwegs sein, sich aber das eine oder andere Mal über wiederholenden Missionen ärgern. Aufgrund der Rollenspiel-Elemente, der sehr motivierenden Spielmechanik und dem Verlangen alle Stadtteile zu 100 Prozent zu erobern, hat man glücklicherweise keine Probleme mit fehlender Motivation. Leider verfügt inFamous über keinerlei Multiplayer-Modi, weswegen man nicht mit einem Freund auf den Dächern herum blödeln darf. Übrigens ist inFamous auch ein Spiel, das jeden belohnt, der alle Winkel einer Welt erforscht, da es 350 Explosions-Scherben zu finden gibt. Diese führen dazu, dass sich unsere Elektrizitätsanzeige nach und nach erweitert.

Empire City, (k)ein schöner Ort

Infamous Infamous Technisch gesehen hat Empire City einiges zu bieten: Der Klonfaktor der Passanten hält sich in Grenzen, bunte Neonschilder bringen ein wenig Farbe ins Spiel, die verdreckten Straßen mit all ihren Details wissen zu gefallen und die angenehm aufgelösten Texturen lassen sich für ein Open-World-Spiel durchaus sehen. Obwohl sich Empire City nicht mit Liberty City messen kann, dafür sehen sich viele Bezirke ein wenig zu ähnlich, gehört die Stadt zu den besseren, virtuellen Welten. Da hat man schon weitaus langweiligere Spielareale gesehen. Leider hat das Spiel mit ständigen Pop-Ups und diversen Clipping-Fehler zu kämpfen, die deutlich ins Auge stechen. Auch Probleme mit der Schattendarstellung, die sich vor allem in der Kanalisation bemerkbar machen, geben kein sehr schönes Bild ab. Dafür läuft das Spiel nahezu flüssig und überzeugt mit den geschmeidigen Animationen des Hauptdarstellers.

Infamous Infamous Wenn es dann ins Gefecht geht, kracht und explodiert es an jeder Ecke. Jeder Sith-Lord wäre auf die Elektro-Blitze von Cole neidisch. Bis auf die Autos und kleinere Objekte zeigt sich Empire City leider in weiten Teilen unzerstörbar. Auf imposante Partikeleffekte muss deswegen weitestgehend verzichtet werden. Insgesamt schwankt die Optik irgendwo zwischen gut und sehr gut, ohne jemals staunende Blicke zu ernten. Immerhin müssen wir uns über hässliche Kantenbildung und Tearing keine Sorgen machen, selbst Ladezeiten treten nur in den seltensten Fällen auf. Positiv anzumerken ist auch die gesamte Soundkulisse der Stadt, welche die düstere und dreckige Stimmung unterstützt. Heimische Spieler freuen sich darüber hinaus über eine nahezu vorbildliche deutsche Sprachausgabe, die nur an wenig Stellen etwas zu emotionslos klingt. Gleichzeitig muss man auf englische Sprecher komplett verzichten. Hier will Sony allerdings per Download nachhelfen.

Meinung
  • Avatar Michael Sosinka Autor Ein wenig GTA, eine Prise Mirrors Edge und ein paar Superkräfte, auf die jeder Marvel-Held stolz wäre, fertig ist ein gelungenes Open-World-Spiel in einer düsteren, von Angst, Hunger, Gewalt und Seuchen regierten Stadt. Trotz der ausweglosen Lage kommt sogar der Humor nicht zu kurz. Die Entwickler von Sucker Punch haben sich bei allerlei anderen Spielen bedient und einen einzigartigen Mix erschaffen, der mit brachialer Action, einer stimmigen Welt, einem coolen Helden und halsbrecherischer Akrobatik überzeugt. Jeder einzelne Superkraft hat ihren Sinn und lässt sich taktisch prima einsetzen, während ein Moralsystem dafür sorgt, dass die Bewohner den Spieler lieben oder fürchten. Leider hat inFamous bei all dem Lob seine Schwächen, die bei Open-World-Spielen leider zu oft in Erscheinung treten: Die Aufträge wiederholen sich in ihrer Art und auch die Story kommt nur sehr langsam in Fahrt. Darüber hinaus muss man mit einigen Grafikschwächen leben, während die deutsche Sprachausgabe dafür aber sehr überzeugend wirkt.

Infamous (PS3)

Wertung:

8.6/10
Pro & Contra
lebendig wirkende Stadtoffene SpielweltEmpire City sieht nicht austauschbar ausdüstere und dreckige Atmosphäreviele und vor allem nützliche SuperkräfteRollenspiel-Elementedas Moral-SystemPassanten reagieren auf Spielerdurchdachte Steuerungsehr dynamische Klettereinlagenflott inszenierte Kämpfesehr faires Checkpoint-SystemSpielzeit (16-20 Stunden)flüssige Bildrateschön anzuschauende Lichteffektetolle Animationenkaum Ladezeitenhoher Wiederspielwert
Story kommt nur langsam in Fahrtkeine einprägsamen Nebendarstellergewisse Missionen wiederholen sichPop-Ups und Clippingfehlerteils zu gut gemeinte Kletterhilfekeine Mehrspieler-Modiwenige Gegnertypenkaum Boss-Kämpfekeine steuerbaren Fahrzeuge

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