Kann das asiatische Prügel-Epos im Jadereich an Biowares Rollenspiel-Hits der letzten Jahre anknüpfen?
Vom Schüler zum Großmeister
Jade Empire
Natürlich erhaltet ihr für das Erledigen von Quests und das Bestehen zahlloser Kämpfe auch jede Menge Erfahrungspunkte. Diese führen unweigerlich irgendwann zum Aufstieg eures Charakters - ein System, dass man so in eigentlich allen Rollenspielen vorfindet. Jade Empire geht aber auch hier deutlich einfachere Wege und reduziert die Möglichkeiten des Charakterausbaus auf ein Minimum. Jeder Levelaufstieg erlaubt es euch auf die zentralen Charakterwerte "Körper", "Seele" und "Geist" zusätzliche Punkte zu verteilen. Ein stärkerer Körper bringt natürlich deutlich mehr Gesundheit und stärkere Angriffe mit sich, ein paar Punkte für die Seele werten euren so genannten "Fokus" auf und erlauben längere Aktionen im bereits erwähnten Zeitlupe-Modus und mehr Angriffe mit Waffen, während ein stärkerer Geist zusätzliches Chi (Mana) beschert und euch länger in der Dämonenform verweilen lässt sowie den Einsatz von Magie erleichtert. Neben der Aufwertung dieser drei einzigen Charakterwerte dürfen auch die für den Kampf sehr wichtigen Stile in Sachen Stärke, Geschwindigkeit oder Wirkungsdauer verbessert werden. Mehr Möglichkeiten stehen leider nicht zur Verfügung, sogar simple Action-Rollenspiele bieten hinsichtlich des individuellen Charakteraufbaus mehr Umfang. Lediglich die vielen verschiedenen Stile und deren Ausbau laden zu Experimenten ein, auch wenn man zum Durchspielen mit zwei bis drei ausgebauten Stilen bereits bestens auskommt.
Jade Empire
Wie beim preisgekrönten "Knights of the old Republic" lässt euch auch Jade Empire im Spielverlauf die Wahl zwischen Gut und Böse, nur heißt das Ganze hier "Weg der offenen Hand" beziehungsweise "Weg der geschlossenen Faust". Hauptsächlich wird eure Gesinnung durch Wahl der passenden Antworten während der zahlreichen Dialoge entschieden, wobei die "guten" Antworten immer ganz oben in der Liste der Auswahlmöglichkeiten zu finden sind. Wer sich einem der beiden Wege anschließt, bekommt an einigen wenigen Stellen besondere Quests angeboten und darf hin und wieder ganz spezielle Edelsteine in sein Drachenamulett einsetzen. Das magische Drachenamulett ist nämlich eine weitere Möglichkeit auf die Entwicklung eures digitalen Ebenbildes Einfluss zu nehmen. Denn ein Inventar und damit auch die Möglichkeit magische Gegenstände und Waffen auszurüsten, hat Jade Empire leider nicht zu bieten. Ihr findet im Spielverlauf jedoch eine ganze Menge vieler verschiedener Edelsteine, welche die drei zentralen Charakterwerte in verschiedener Weise beeinflussen. Solange ein Juwel in das anfangs mit lediglich drei Fassungen ausgestattete Drachenamulett eingesetzt ist, profitiert ihr von seiner Wirkung und dürft euch beispielsweise über mehr Gesundheit und verbesserten Trefferschutz freuen. Im Laufe des Spiels können weitere Fassungen für das Amulett gefunden werden, wodurch noch mehr Juwele gleichzeitig verwendet werden können. Allzu viel Gewicht hat dieses Spielelement allerdings nicht, auch wer nur hin und wieder einen Blick auf das Amulett und die Verteilung der Juwelen wirft, kommt bestens im Spiel voran. Die traurige Abwesenheit eines Inventarsystems resultiert natürlich auch in ein stark begrenztes Handelssystem, weshalb euch die paar wenigen Läden lediglich überflüssige Juwelen abkaufen und nur in seltenen Fällen wirklich nützliche Ware in Form von Bonus-Stilen und hilfreichen Juwelen auf Lager haben.
Märchenhafte Grafik und aufwendiger Sound
Jade Empire
Die technische Seite von Jade Empire ist schlichtweg umwerfend. Die mit asiatischer Mythologie gespickte Welt ist derart schön in Szene gesetzt worden, dass man an vielen Orten einfach nur zum Genuss der Grafik stehen bleibt und die Kamera um die weich gezeichnete Optik kreisen lässt. Auch die teilweise sehr skurrilen Gegner wie beispielsweise der Pferde- oder Krötendämon sind allesamt echte Hingucker und entstammen der Feder äußerst talentierter und kreativer Designer. Das faszinierende Spiel mit dem Sonnenlicht steht an vielen Orten im Vordergrund und es ist immer wieder schön einzelne Staubpartikel, diverse Spiegelungen und Glanzeffekte in der Umgebung zu entdecken. Bioware hat aus der Kritik an "KotoR" gelernt und für dieses Spiel das technische Maximum aus der Xbox herausgeholt. Noch schöner wird das Ganze während der einfach gestrickten aber optisch dafür umso aufwendigeren Kampfszenen: Zwar bleibt die Kamera in seltenen Fällen auch mal in einer ungünstigen Position hängen, doch gerade aus nächster Nähe sind die mit jeder Menge Spezialeffekten aufgepeppten Prügeleien eine echte Augenweide. Natürlich hat sich ist bei solcher Pracht auch der ein oder andere Ruckler eingeschlichen, jedoch stören diese kurzzeitigen Frameraten-Probleme den optischen Gesamteindruck so gut wie überhaupt nicht. Auffälliger sind da schon die Ladepausen, welche den Spielfluss relativ häufig unterbrechen und an einer Stelle im Spiel (Der Kampfarena) leider unerträglich oft auftreten.
Jade Empire
Der extrem hohe Standard in Sachen Grafik wurde auch bei der Vertonung des Spiels fortgeführt: Jeder Dialog ist von talentierten Sprechern komplett in Deutsch gesprochen worden und kommt, bis auf einige Ausnahmen, immer glaubhaft beim Spieler an. Bis auf einige wenige Charaktere, die in der alten Sprache des Jadereiches zu euch sprechen, sind alle Gespräche sehr aufwendig realisiert und vor allem lokalisiert worden, was die Hintergrundgeschichte des Spiels und die dazugehörige Atmosphäre perfekt rüberbringt. Auch musikalisch wird für eine ordentliche Stimmung gesorgt, bis auf das irgendwann verbrauchte Kampf-Thema ist die musikalische Seite des Spiels hervorragend ausgefallen.
