Die einstige Kultschmiede Rare hat sich mit Kameo vollständig rehabilitiert und zeigt, wie ein ordentlicher Starttitel aussieht.
Zauberhaftes Königreich
Kameo - Elements of Power
Zusätzliche Spieltiefe bekommt das Ganze durch die verschiedenen Upgrades, welche man für die einzelnen Elementarkrieger kaufen kann. "Kampfkraut" und "Trümmerschleuder" freuen sich beispielsweise im Laufe des Spiels über stärkere Schläge und "Flex" geht mit einem völlig neuen Angriff auf seine Feinde los. Bezahlt werden diese nützlichen Verbesserungen mit so genannten Elementarfrüchten, welche überall in der Welt von Kameo verstreut sind. Oft müsst ihr sogar einigen Einwohnern bei ihren alltäglichen Problemen helfen oder besonders gut versteckte Höhlen freilegen und erforschen. Dies lädt natürlich zu gelegentlichen Streifzügen durch das Königreich ein und lockert die relativ linear ablaufende Suche nach den verschwundenen Kriegern und Verwandten angenehm auf. Da man sich mit vielen Personen unterhalten kann und die Entwickler auch viele geheime Bereiche verbaut haben, trägt die Suche nach zusätzlichen Belohnungen in Form von Elementarfrüchten, Goldmünzen und anderen Geheimnissen einen großen Teil zur Langzeitmotivation bei.
Kameo - Elements of Power
Außerdem stehen ein paar Ausflüge direkt an die Front des Trollkrieges auf dem Programm: Zwischen den einzelnen Befreiungsaktionen in optisch unterschiedlichen Gebieten liegt das verzauberte Königreich der Elfen. Und genau dort findet auch der Krieg mit den Trollen statt, in dessen gigantische Schlachten ihr auch selbst eingreifen könnt. Diese zusätzlichen Aufgaben tragen nicht nur zur spielerischen Abwechslung bei, sondern demonstrieren auch sehr eindrucksvoll die technischen Qualitäten der Konsole. In diesem Zusammenhang ist auch einer der ersten Trailer des Spiels entstanden, in dem man Kameo durch eine unglaublich große Menge Trolle reiten sah. Diese Szene ist tatsächlich so im Spiel vorhanden und man wird dabei nicht ohne Grund an die Massenschlachten aus "Herr der Ringe" erinnert: die gleichzeitig dargestellte Menge an 3D-Figuren übersteigt alles, was man bisher in einem Videospiel gesehen hat. Spielerisch sind diese kurzen Einlagen aber weitaus weniger sensationell, denn meist gilt es hierbei einen magischen Schrein vor einem Angriff zu bewahren, was in der Regel aber sehr schnell und einfach von der Hand geht.
Vollausstattung in Sachen Umfang
Kameo - Elements of Power
Wer Angst davor haben sollte, sich in der ziemlich groß ausgefallenen Märchenwelt von Kameo zu verlaufen, kann beruhigt sein. Das Spiel unterstützt, leitet und hilft euch bei absolut jedem großen und kleinen Problem. Neben der einblendbaren Karte, welche jederzeit auf das nächste Ziel hinweist, stehen euch vor allem "Ortho" und sein "Omnikon" zur Seite: Dieses magische Buch verkörpert mehr oder weniger das Startmenü, in dem ihr euch über bisherige Erfolge und die zusätzlichen Fähigkeiten der Elementarkrieger informieren könnt. Auf Knopfdruck gibt das "Omnikon" aber auch hilfreiche Tipps von sich, welche nicht nur bei schwierigen Puzzles, sondern auch bei den dicken Endgegnern weiterhelfen können. Um nicht zu viel auf einmal zu verraten, bekommt ihr erst mit der Zeit genaue Hinweise - wer also nach einiger Zeit von alleine auf die Lösung kommt, wird nicht mit übereifrigen Lösungstipps des Spiels genervt. Außerdem verfügt Kameo über ein sehr vorbildliches Checkpunkt-System, welches fast an jeder Ecke und vor jeder Türe automatisch abspeichert. Wenn Kameo also einmal sterben sollte, kommt überhaupt kein Frust auf, da ihr innerhalb von ein paar Sekunden wieder an der brenzligen Stelle angelangt seid.
Kameo - Elements of Power
All diese sehr vorbildlichen und fairen Hilfen sind allerdings auch der Grund dafür, dass man Kameo in ca. 10 Stunden durchgespielt hat. Danach ist jedoch nicht unbedingt sofort Schluss, ein paar zusätzliche Aufgaben und Herausforderungen im Königreich der Elfen halten noch etwas länger bei Laune. Außerdem wären da natürlich noch die bei jedem Xbox 360-Spiel integrierten Erfolge, welche dank Xbox Live auch im Internet und eurer persönlichen Gamercard abgespeichert werden. Nur wer sich besonders anstrengt, wird auch die maximal möglichen 1000 Punkte absahnen können. Alle erspielten Höchstpunktzahlen und Bestzeiten werden zudem bei Xbox Live gespeichert und können in verschiedenen Tabellen mit anderen Spielern und Freunden verglichen werden. Der enthaltene Koop-Modus hört sich allerdings nach weitaus mehr an, als er tatsächlich ist: Hierbei darf man nämlich ausschließlich per Splittscreen in den Kampf ziehen, zudem ist dann nicht das ganze Spiel verfügbar, sondern nur einzelne, ausgewählte Schlachten. Was hierbei den großen Anreiz zum Spielen geben soll, ist fraglich und lässt diesen Mehrspielermodus leider zum dürftigen Beiwerk verkümmern. Aber mal ganz ehrlich: Wozu braucht ein von "Zelda" inspiriertes Action-Adventure, welches von vorn bis hinten auf ein umfangreiches Soloabenteuer ausgelegt ist, unbedingt einen Koop-Modus? Kameo ist und bleibt ein Spiel für Einzelspieler und das ist unserer Meinung nach auch gut so!
Die Grafik der nächsten Generation
Kameo - Elements of Power
Natürlich muss man bei der Grafikwertung für einen NextGen-Titel besonders aufpassen, da die Grafik selbstverständlich besser als alles bisher von Videospielen gewohnte ausgefallen ist, auf dem neuen System aber sicherlich erst einen glanzvollen Anfang darstellt. Wenn man das bombastische Xbox 360-Kameo mit den Screenshots er eigentlich geplanten Xbox-Version vergleicht, sieht man auf den ersten Blick, was die nächste Konsolengeneration auf dem Kasten hat: Jede Textur ist absolut hochauflösend und mit protzigem Bump-Mapping überzogen, zudem sprüht die Spielwelt geradezu vor Partikeleffekten und aufwendigen Details. In fast jeder Szene fliegen beispielsweise Staubkörnchen oder Glühwürmchen durch die Luft, während die zahlreichen und mit feinem Fell überzogenen Charaktere ohne den Anschein eines Ruckelns durchs Bild schreiten. An einigen Stellen scheint es fast so, als hätte Rare absichtlich etwas zu sehr auf die Detail- und Effekttube gedrückt, nur um so richtig schön mit Microsofts neuer Hardware angeben zu können. Und das ist ihnen auch auf ganzer Line gelungen, denn noch nie war eine Spielwelt derart voll gestopft mit Details und grafischen Spielereien, die man bisher nur von vorgerenderten Intros her kannte. Den regelmäßigen Höhepunkt erreicht dieses verblüffend gut ausgefallene Grafikfeuerwerk während der Bosskämpfe, denn dann konzentriert die Konsole ihre dicken Optikmuskeln fast ausschließlich auf die pompösen Effekte und jongliert die Polygonmassen der Endgegner so schön wie noch nie zuvor über den Bildschirm.
Kameo - Elements of Power
Die Kultfirma Rare steht aber nicht nur für Kultspiele wie "Donkey Kong Country" und "Perfect Dark", sondern auch für einige der besten Charakterdesigns der gesamten Spielebranche. Auch bei Kameo haben Rares Künstler ganze Arbeit geleistet und den zehn verschiedenen Elementarkriegern ein absolut einmaliges und liebevolles Aussehen verliehen. Die putzigen Tierchen sind über dies hinaus auch noch sehr detailliert animiert worden und haben besonders im Kampf manch lustige Bewegung auf Lager. Ganz besonders hat es uns dabei das "Kampfkraut" angetan, welches als boxendes Exotenpflanze wohl einer der coolsten, aber auch skurrilsten Charaktere des ganzen Spiels ist. Die Vertonung ist von ähnlich hoher Qualität, denn neben einem aufwendig produzierten Orchester-Soundtrack sind es vor allem die Stimmen und Geräusche der verrückten Protagonisten, die noch lange nach dem Spiel in Erinnerung bleiben werden.
Kameo - Elements of Power
Leider hat sich auch einer der größten Kritikpunkte bei der technischen Umsetzung versteckt. Denn wie schon viele andere Action-Adventures zuvor, leidet auch Kameo unter einer ziemlich störrischen Kamera, welche nicht immer das macht, was man von ihr verlangt. Oft ist es nötig die Sicht manuell richtig auszurichten, was unter Umständen während hitziger Bosskämpfe zum Problem werden kann. Ein weiteres Malheur ist den Machern bei der Steuerung von "Greifer der Tiefe" unterlaufen: Der glitschige Bursche steuert sich zwar an Land sehr gut, doch sobald man mit seiner Hilfe in die wunderschön gestalteten Unterwasser-Level aufbricht, ist das Chaos perfekt. Die Bewegung im Wasser ist derart kompliziert und unintuitiv ausgefallen, dass wohl nur die fingerfertigsten Spieler damit gut zu Recht kommen werden. Glücklicherweise muss man sich nur innerhalb eines Spielabschnitts damit herumplagen, aber trotzdem hätte man hier vieles besser machen können.
An dieser Stelle noch ein Hinweis auf die Technik: Unsere mehr als positiven Erfahrungen mit Kameos Grafik haben wir zu großen Teilen auf einem HDTV-Beamer gesammelt, denn nur auf einem hochauflösenden Endgerät kommt die Wahnsinnsgrafik dieses Spiels erst so richtig zur Geltung. Erst dann erkennt man die liebevoll gezeichneten Texturen mit all ihren Details und kann buchstäblich jeden einzelnen Grashalm und Wassertropfen in der Spielwelt erkennen. Trotzdem sind die Resultate auch auf einem handelsüblichen Fernseher durchaus in Ordnung: die Effekte und Gegnermassen bleiben schließlich erhalten, lediglich die zahllosen Details sind deutlich verwaschener und lassen sich nicht mehr so gut erkennen.
