Knights Contract im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Die Japaner vergreifen sich an Goethes Faust und schaffen ihr ganz eigenes Werk hochmoderner Kunst. Geniestreich oder Reinfall?

In Knights Contract, einem deftigen Schnetzelabteuer aus dem Hause Bandai Namco, steckt wahrlich viel Potenzial: Zum einen haben die Entwickler Johann Wolfgang von Goethes Faust als Literaturvorlage hergenommen, zum anderen das Europa des 17. Jahrhunderts auf den Bildschirm gezaubert - das gepaart mit einem offensichtlich flotten, anspruchsvollen Gameplay ähnlich Bayonetta. Dies vermitteln uns zumindest die zahlreichen Videos und Trailer und setzen regelrecht hohe Erwartungen an den Titel. Genau deshalb haben wir uns auch wirklich ordentlich Zeit für genommen und versucht, nicht bei jeder Kleinigkeit den Rotstift zu ziehen, aber ...

Knights Contract Knights Contract Europa, wir schreiben das 17. Jahrhundert. Die schillernde Welt der Aristokraten, Denker und Dichter ist getrübt, ja wenn nicht sogar blutgetränkt durch Machtgier und einer dämonischen Welle, welche Tod und Verderben bringt. Was einst eine schöne Stadt war, ist heute eine Ruine im Fegefeuer untoter Skelettritter und ekelhafter Kreaturen aus der Hölle. Inmitten dieser unwirtlichen Welt taucht Heinrich auf, sein Gesicht wie eine Maske mit Furchen und Narben bedeckt, der stramme Körper dafür aber mit Kraft und Ausdauer gesegnet. Wie immer stellt man sich in einem solch blutrünstigen Gemetzel die Frage, wie ein Mensch eine derart mächtig und schwer wirkende Waffe überhaupt auf dem Rücken tragen, geschweige derart graziös schwingen kann.

Eine Vorlage, das künstlerische Ergebnis

Knights Contract Knights Contract Unser Held hat damit auf jeden Fall mal kein Problem, auch nicht mit Gevatter Tod, denn diesen Herren hat er unglücklicherweise ausgetrickst. Egal ob nun der Buchhalter aus der Hölle den grau, fast gar weißhaarigen Henker zu sich rufen möchte oder nicht, der Muskelprotz kämpft mit der Unsterblichkeit. Egal ob gepfählt, oder zu Hackfleisch verarbeitet, mit einigen Handgriffen, bzw. nervigem Dauergehämmer auf eine Taste des Gamepads holen wir den guten Heinrich immer und immer wieder in die Welt der Lebenden zurück. Geschichtlich ist Heinrich der Henker zahlreicher als Hexen verurteilter Frauen, doch die letzte der hübschen Damen belegte ihn mit der Unsterblichkeit. Nicht zu unrecht, denn als Gretchen 100 Jahre nach ihrer Enthauptung wieder ihm gegenüber tritt, entsteht eine Symbiose, die sich selbst der machtgierige Aristokrat Faust nicht hätte vorstellen können.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Knights Contract Knights Contract Wer in Goethes Faust schon einmal geblättert hat, wird mit ziemlich verwirrten Blick auf den Bildschirm schauen und diese Zeilen lesen. Die Japaner vergriffen sich tatsächlich am genanten Klassiker, doch mit der einstigen Literatur hat Knights Contract fast nur noch die Namen und Personen gemeinsam - wenn überhaupt! Spätestens wenn Rapunzel ihr welliges Haar umschmeichelnd wirft, ist die Ausarbeitung der Geschichte und dessen Verlauf den künstlerische Freiheiten der Entwickler gutzuschreiben. Kunstfanatiker sollten daher einen ordentlichen Bogen machen, doch insgesamt ist der Mix diverser europäischer Legenden, Mythen und Märchen sowie anspruchsvoller Literatur unterhaltsam und protzig inszeniert. Zahlreiche Videosequenzen begleiten euch über das gut zehn bis fünfzehn Stunden umfassende Abenteuer und liefern eine gelungene, wenn auch grafisch nicht sonderlich imposante und epochale Show. Darüber kann man aber durchaus hinweg sehen und ein bis zwei Augen auch mal zudrücken. Allzu gerne haben wir als Heinrich den Pakt mit der schnuckeligen Gretchen geschlossen (die uns in keinster Weise für das Vergehen ihrer Hinrichtung tadelt) und den Kampf gegen ihre Hexenschwestern und letztendlich Faust höchst persönlich ausgefochten. Hinterher ein gar zweischneidiges Schwert, denn die süße Verlockung ist zugleich Segen als auch leider Fluch von Knights Contract.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk