Die Japaner vergreifen sich an Goethes Faust und schaffen ihr ganz eigenes Werk hochmoderner Kunst. Geniestreich oder Reinfall?
Bis die Köpfe rollen ...
Knights Contract
Spielerisch wird schon nach den ersten Minuten sehr schnell klar, in welche blutrünstige Kerbe Knights Contract tatsächlich schlägt. Denn wird nicht gerade literarischen Geblubber von sich gegeben, lässt Henker Heinrich ansehnliche Taten sprechen. Die eine Taste gehämmert, verteilt er seichte aber deftig schnittige Hiebe, wird die andere Taste bearbeitet, so sorgen gewaltige Schwünge mit der schweren Waffe für gebrochene Knochen und höllische Schmerzen. Wer gezielt vorgeht, kann diverse und schier unüberschaubare Kombinationen beider Buttons ausprobieren, doch wilde Prügelorgien zeigen ebenfalls eine ordentliche und nicht zu verachtende Wirkung. Heinrich wütet, bis die Fetzen fliegen - das im wahrsten Sinne des Wortes. Dank der herumwirbelnden Körperteile, einer ziemlich rohen Gewalt und dem überschwänglichen Einsatz roter Flüssigkeit ist die Freigabe ab 18 Jahren nicht verwunderlich.
Knights Contract
Des Henkers Mottos greift Heinrich bisweilen auch zu kreativen Tötungsvarianten, zumindest sobald er mit der wohl proportionierten Hexe Gretchen gemeinsam in die Schlacht zieht. Die schmächtige und kämpferisch ziemlich schwache Dame verfügt dank der aufreizenden Kleidung nicht nur über optische Argumente, sondern auch über magische Kenntnisse und kann Heinrich durchaus nicht selten aus der Patsche helfen. Ist der Henker von Feinden nur so umringt, werden diese mit aus dem Boden sprießenden Schneiden genussvoll aufgespießt. Stachelige Würgeranken nehmen ebenfalls die Gegner in ihre Mitte in die Mangel und quetschen den letzten Tropfen Blut aus deren Adern. Mit dem Speer wiederum werden auch fliegende Kreaturen auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, so dass die mächtige Waffe des Henkers das Ziel auch erreichen kann. Wurden die Feinde vorab schon geschwächt, ein farbige Anzeige von grün bis rot gibt entsprechend Auskunft darüber, kann ein endgültiger und Punkte bringender Todesstoß mit einer gewaltigen Sequenz ausgelöst werden.
Knights Contract
Wer nur einen flüchtigen Blick auf einen Spieler und die Szenerie auf dem Bildschirm wirft, erhält den Eindruck des absoluten Chaos. Schnelle, wilde Schnetzelorgien mit ordentlich Blut und dazu eine Kamera, die zwar oft versucht das Geschehen optimal einzufangen, aber sichtlich ihre Mühen hat und dem Gesamten eine recht hektische Note verpasst. Mit der Zeit lernt man aber den Controller mit seinen teils sehr gewagten Tastenkombinationen zu nutzen und schnetzelt sich genussvoll durch unendliche Truppen an Höllenlkreaturen. Gepaart mit weiteren spielerisch aufreizenden Möglichkeiten wie dem Berserker oder der geradezu genussvoll anzusehenden (Gretchen lässt ihre Kleider fallen) Hexenumarmung macht der Titel eine ganze Weile durchaus richtig Spaß. Auch wenn das anfängliche Level, eine nachmodellierte europäische Stadt mit Kathedralen, Türmen und detailreichen Fachwerkshäusern, schon erste Längen aufweist, so entschädigen die schneeweißen Berge, dunkle Höhlen und Lava umsäumte Ruinen - oder die mit wollig weichem Haar umwucherte Burg der Rapunzel!
Nicht ganz das Märchenbuch
Knights Contract
Das Artdesign ist zwar oftmals absolut gängige und vielfach gesehene Fantasy-Kost, und trotz biederer grafischer Technik und mageren Texturen bewiesen die Entwickler bisweilen auch wahrlich Mut und kombinierten, ähnlich wie bei der extrem "vergewaltigten" Story, diverse Mythen und Legenden schamlos miteinander. Lange Gänge, verwirrende Katakomben und nicht immer einleuchtende Wege schmälern aber diesen Höhenflug und sorgen immer wieder für kopfloses durcheinander. Auch die kleinen Rätsel mit Schalter und Türen und ähnlichem, natürlich der Auflockerung dienend, aber dem Spielfluss hindernd, machen nicht immer eine perfekte Figur. Letztendlich ist es aber die laszive Gewaltorgie, die aufgrund des meist eher schmalspurigen Buttongehämmers alsbald ihren Reiz verliert. Nach einigen Stunden fehlt die spielerische wie auch audiovisuelle Abwechslung, und sei es ein grafischer WOW-Effekt. Aufgepäppelt wird das Abenteuer immerhin noch mit einigen Items, welche Gretchen mit zusätzlichen Fähigkeiten wie mehr Lebensenergie oder schnellere Heilung versorgen, sowie der Möglichkeit, die verschieden Zauber mit aus Kämpfen gewonnener Seelenenergie auf eine zweite oder dritte Stufe zu bringen und damit wesentlich mehr Schaden anrichten zu können.
Knights Contract
Spätestens bei den Geschwistern Gretchens sind diese magischen Attacken definitiv auch nötig. Verderinde, Holda, Trendula und Trude - um hier nur einige der Hexen und damit einige der insgesamt acht mächtigen Bossgegnern zu nennen - meinen es ernst und haben sich nach ihrer Exekution der bösen Seite zugewandt. An dieser Tatsache ändert auch Gretchens Betteln und Flehen, sich an das Gelöbnis der Hexen zu halten und den Menschen kein Leid zuzufügen, nichts. Mit mächtigen Waffen, todbringenden Flammen und angsteinflößenden Schlachtrössern ziehen die rachsüchtigen Geschwister in den Krieg und verbreiten Angst und Schrecken. Schweren Herzens wird die Waffe also erhoben und das Böse vernichtet. Der Kampf artet meist in ein taktisches, bisweilen gar rätsellastiges Gefecht aus, in dem Heinrich mitsamt Gretchen oft in die Defensive gezwungen wird und nur selten einen ordentlichen tödlichen Treffer landen kann. Taktieren, beobachten und im günstigen Augenblick die Schneide ziehen - das ist das Grundrezept, aber auch Vorsicht sowie ein Auge stets auf die holde Maid an seiner Seite gerichtet!
