Passend zu den Plastikinstrumenten rocken nun die Plastikfiguren die Wohn- und Kinderzimmer der Nation.
LEGO Rock Band
Entwickler TT Games bewies wie auch schon bei den zahlreichen LEGO Plattformabenteuer ein glückliches Händchen für witzige Kinderspiele, die letztendlich aber auch älter gewordene Spielkinder begeistern können. So sorgen eine Handvoll ganz spezieller Herausforderungen für besonders viel Lacher. Es gilt die Jungfrauen des Adels zu begeistern, die Oger vor einer Burg zu verscheuchen, trockene Felder zu bewässern und mit einem ordentlichen Subwooverpower auch ein Haus zum Einsturz zu bringen. Leider werden die meisten Songs eher gewöhnlich auf den durch LEGO-Themen inspirierten Konzertbühnen gespielt und nur wenige Titel können mit solch witzigen Hintergrundvideos aufwarten. Grund hierfür ist schlichtweg auch die Tatsache, dass diese speziellen Events auf die jeweiligen Songs angepasst sind. Bei "Monsters" flüchtet man zum Beispiel vor einem T-Rex, wobei witzige Parodien auf Jurassic Park das Zwerchfell belasten. Dem Bauleiter wird letztendlich geholfen, indem mit ordentlichem Schalldruck ein Haus zum Einsturz gebracht wird, was vormals Dynamit und ähnliches nicht zustande brachte. Dabei handelt der Song von Explosionen und ein jedes Mal, wenn die Thematik textlich aufgegriffen wird, geht eine Mauer in zig LEGO-Steine zu Bruch.
LEGO Rock Band
Die Karriere macht mit seinen witzigen Parodien, der lieblichen Präsentation und den künstlerischen Möglichkeiten im Eigenheim & Büro so einiges her und bietet wesentlich mehr Interaktionsmöglichkeiten als das Original. Doch stößt letztendlich die bunte Grafik, der kitschige Charme der Plastikfiguren und auch die kinderfreundlichen Geschichten nicht immer auf Gegenliebe. Daher ist es recht positiv, dass sämtliche Songs für einen, zugegeben recht hohen, Obolus exportiert werden dürfen. Und falls sich dennoch einige Gitarrengötter und Drumhäuptlinge an das LEGO Abenteuer wagen, so werden auch diese gut und gerne bis zu zehn Stunden unterhalten, bis der Abspann tatsächlich über den Bildschirm flimmert. Doch damit findet das Spiel noch nicht sein Ende - es gilt sicherlich noch viele übrig gebliebene Events sowie die Endlos-Setliste zu meistern!
... und dennoch nicht vollwertig!
Während der Sound einmal mehr erstklassig aus den Boxen dröhnt und vor allem in Dolby Digital wieder so richtig Spaß macht, weil man sich dank grölendem Gesang der Fans während einer guten Bühnenperformance wieder inmitten eines realen Konzertes fühlt, musste die Technik ein wenig Federn lassen. Anfänglich wirken die Bühnenbauten etwas detailarm und an die Qualität eines "Guitar Hero" vermag die bunte Klötzchenoptik nicht heranzureichen. Doch schon nach einigen Runden legen sich die Bedenken, da die LEGO-Figuren ihren spielzeug-hölzernen Einsatz bringen und reichlich Bauten das Kind im Manne wecken. Nur die grölenden Konzertbesucher hätte TT Games etwas variantenreicher gestallten können. Nicht selten tummeln sich vor der Bühne maximal 2-3 unterschiedliche Figuren mit derselben Frisur und demselben Outfit! Ein Blick in den ausufernden Editor für die Band- und Crewmitglieder verrät, wie variantenreich das eigentliche LEGO Universum sein kann und dass es unzählige Varianten zwischen Hosen, Hemden und Haaren sowie kompletten Kostümen gibt!
LEGO Rock Band
Deutlicher aufs Gemüt schlagen da eher die Tatsachen, dass sich zahlreiche Übersetzungsfehler eingeschlichen haben und vor allem dass einige Modi dem Rotstift zum Opfer fielen, dessen Begründung sicherlich auch in der familientauglichen Ausrichtung der Software zu suchen ist. Bis auf das freie Spiel mit bis zu vier Teilnehmern und dem Karrieremodus findet sich einzig allein der Onlinemusikladen im Hauptmenü - anderweitige Aktivitäten über das Internet sind schlichtweg nicht möglich. Evtl. wollte Harmonix aber auch das Problem der zahlreichen "Guitar Hero" Spiele vermeiden, deren Fanbasis sich auf jedes einzelne Spiel verteilt, welche aber nicht kompatibel untereinander sind. Wer bei "Rock Band" online spielen möchte, kann nach wie vor die Songs exportieren und mit dem offiziellen zweiten Teil Onlineduelle austragen. Ärgerlich ist es aber dennoch, da somit einer der wichtigsten Elemente der Bandsimulation abhanden kommt. Wer findet denn wirklich bis zu drei weitere Freunde, die sich musikalisch vor dem Fernseher zum Affen machen? Onlinepartner für die Karriere und ähnliches finden sich schneller! Weiterhin beherbergt auch der Onlinestore gewisse Einschränkungen, da dort nur Songs erscheinen, die auch für jüngere Ohren geeignet sind. "I'm A Bitch I'm A Lover" von Alanis Morissette wird wohl nie seinen Weg in den LEGO Store finden, genauso wie "Fire Water Burn" der Bloodhound Gang oder gar Songs von Dimmu Borgir bzw. Creadle of Filth. Solche Maßnahmen dienen aber auch dem Jugendschutz und sind akzeptabel, da der Titel auch eher rockige und taugliche Chartmucke offeriert.
