Life is Strange: Life is Strange - Episode 2 im Test: Der Teenie-Simulator geht weiter
Test
Das Leben kann sehr ungewöhnlich sein, wie auch die Fotografie-Studentin Max recht schnell herausfindet. Inmitten der Idylle von Acadia Bay sorgen unheimliche Vision für Angst und Schrecken und zudem eindeckt Max eine unglaubliche Fähigkeit: Sie kann die Zeit manipulieren. Der Auftakt wird endlich in der zweiten Episode von Life is Strange fortgesetzt, doch kann Square Enix die hohen Erwartungen nach dem gelungenen Einstieg erfüllen?
Idyllisch, mit herrlichem Sonnenuntergang ging der erste Ausflug von Max und ihrer Freundin Chloe zu Ende. Life is Strange sorgte für ein unglaublich gelungenes Spielgefühl, obwohl die Entwickler nur kaum außergewöhnliches vollbrachten. Doch die Präsentation mit Einblendungen in Bleistift-Schraffur, der gemütliche Alltag der Studentin, die gerne mal die Gitarre in die Hand nimmt oder einfach im Gras vor dem Campus ausharrt, hatte einen ganz eigenen und unvergesslichen Charme. Max, deren Geschichte man folgt, studiert in ihrer alten Heimatstadt Acadia Bay und darf sogar ihrem Idol und Vorbild lauschen, denn das Ausnahmetalent ist zugleich Dozent an ihrer Universität. Ihr gewöhnlicher Alltag ist gespickt mit den Problemen der Teenager, seien es Fotos auf Facebook, Partys oder Beziehungskisten, die zu Bruch gehen – das Spiel entführt in eine wunderbare Umgebung des Campus und liefert eine unglaublich dichte Atmosphäre, die auch mit alltäglichen Dingen wie SMS und Unterricht zu tun hat.
Angespannten Beziehungen
Quelle: Square Enix
Life is Strange - Episode 2 im Test (2)
Auch die zweite Episode entführt uns in eben diese Idylle, dem herrlichen Gefühl mittendrin zu sein, statt nur dabei. Max fristet weiterhin ihr Leben in der alten Heimatstadt und kümmert sich vor allem um die Beziehung zwischen ihr und einer alten Bekanntschaft und ehemals besten Freundin Chloe. Das rebellische Mädchen hat schon vor langer Zeit das Handtuch geworfen und fristet seitdem ein Hipster-Dasein mit allen Facetten und Problemen – leider ganz zum Leidwesen ihrer Mutter und dem äußerst strengen Stiefvater. Je nach Entscheidungen aus der vorherigen Episode reagiert Chloe angepisst und kann ganz schön bissig sein. Manch einer wird es als zickig auffassen, was aber nicht ganz zu ihrer Lebenseinstellung passt. Aber nicht nur Chloe steht im Mittelpunkt, Max versucht auch Probleme ihrer Mitstudentinnen zu lösen. Ein intimes und ziemlich herabwürdigendes Video über eine Kommilitonin verbreitet sich im digitalen Zeitalter des Internet wie eine Seuche und wirft die betroffene Person in üble Depressionen.
Nicht dass Max schon genug mit sich zu tun hat. Sie kann die Zeit manipulieren und das hilft ihr ungemein im Unterricht oder auch, wenn Situationen langsam aber sicher brenzlig werden. Mittlerweile stellt die Fotografie-Studentin aber auch fest, dass die Manipulation nicht ganz ohne Preis von statten geht und macht sich Gedanken, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Die zweite Episode macht aber viel zu selten sinnvoll Gebrauch von diesem Feature. Es gibt wesentlich weniger Möglichkeiten, Einfluss auf das Geschehen zu nehmen und kleinere Rätsel zu lösen. Auch abseits der Haupthandlung ist wenig geboten, denn zum Beispiel die Fotos für die besonderen Achievements sind recht einfach und logisch zu ergattert und erfordern nur kaum wirklich Mühen. Die zweite Episode fällt deutlich linearer aus. Man hat sich an bereits erkundeten Orten an den Plakaten satt gesehen, kennt die Musiksammlungen der Mitstudenten und es gibt nur wenig zu entdecken, auch in all den neuen Schauplätzen wie einem Imbiss oder dem Schrottplatz.
Viele Dinge bleiben weiterhin offen
Quelle: Square Enix
Life is Strange - Episode 2 im Test (3)
Das Ende der ersten Episode warf viele Fragen auf. Was sind das für Visionen? Wieso kann Max die Zeit manipulieren? Was ist mit der vermissten Rachel Amber passiert und welche Beziehungen bestehen zwischen der ehemaligen Studentin, ihrem Verschwinden und Chloes Stiefvater? Fragen über Fragen, die noch nicht beantwortet werden. Der zweite Ausflug fühlt sich wie ein Zwischenspurt an, um all die mysteriösen aber spannenden Dinge des Krimis etwas aufzuschieben. Denn vor allem um die dunklen Visionen machen die Entwickler noch einen weiten Bogen. Max wird abermals den Sturm, den nahenden Tornado in wenigen kurzen Momenten sehen, doch diese aufblitzenden Bilder können den spielbaren Abschnitten aus der ersten Episode nicht das Wasser reichen.
Quelle: Square Enix
Life is Strange - Episode 2 im Test (5)
Aber eines kann uns der Ausgang der zweiten Episode ziemlich fies vor Augen halten: Die Entscheidungen die Max respektive der Spieler trifft, werden ihren Einfluss auf das Geschehen nehmen. Es wird zu Situationen kommen, die aufgrund vorheriger Konversationen nicht mehr beeinflussbar oder nur noch mit aller Mühe abwendbar sind. Situationen, in denen Max nicht einmal mehr auf die Zeitmanipulation zurückgreifen kann. Der Spieler, der sich stets in Sicherheit wähnte, weil man Entscheidungen mehrfach ausprobieren, ja überdenken konnte, wird knallhart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Auch wenn Life is Strange oft die Möglichkeit bietet, sich anders zu entscheiden, auf lange Sicht wird dies den Lebensweg der jungen Studentin drastisch beeinflussen. Das hält den Spannungsbogen für die kommenden Episoden weiterhin recht hoch!
