Capcom bringt eine Neuauflage zu Lost Planet auf den Markt, aber nur mit marginalen Neuerungen.
Frisches Modi-Paket für Solisten
Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition
Zusätzlich zur Kampagne bietet die Colonies Edition drei weitere Modi im Solo-Part. Im "Score Attack" Modus bekommt jeder Gegner und jedes zerstörte Objekt eine bestimmte Punktzahl zugeteilt. Beim Abknallen gehen diese Punkte in den Score des Spielers über, wer am meisten Punkte in einem Level sammelt kann sich in einem Online-Ranking mit Spieler aus der ganzen Welt messen. Der "Trial Battle Mode" erspart es einem, sich durch die Horden an massenhaft dummen Gegnern durchballern zu müssen und stellt uns hintereinander jeweils nur vor die Boss-Gegner des Spieles: Die teilweise wirklich fordernd sind! Der "Off Limit Mode" ist letztlich eine Art Arkade-Modus, in dem wir mit übermachtigen Waffen, unbegrenzter Munition und mit erhöhter Geschwindigkeit die Level abgrasen können. Mehr neuartiges wird leider nicht geboten.
Zu langsam für Multiplayerfun
Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition
Überhaupt ist das Spieltempo zumeist ungewohnt langsam, was angesichts der Tatsache, dass man ja permanent durch Schnee stapft für die Atmosphäre des Soloteils auch in Ordnung ist. Der Multiplayer wirkt dadurch aber eher wie eine Zeitlupenveranstaltung, da alle anderen auch eher behäbig durch die weiße Wüste wandern. Am ehesten kann noch der CoOp-Mode glänzen, denn gemeinsam riesige Aliens zu erlegnen ist kurzfristig ganz witzig. Uninnovativ und aufgrund des geringen Spieltempos auch größtenteils schlicht langweilig sind die restlichen VS-Modi. Alle stapfen irgendwo durch die Gegend, es gibt keine taktische Finesse, denn schließlich ist ja steuerungs- und bewegungstechnisch alles auf Massenvernichtung in dem Solomodus ausgelegt und richtige Freude und Spannung kam bei den Mehrspielerduellen einfach nicht auf. Das die Langezeitmotivation von Lost Planet damit wirklich in den Keller geht ist schwer zu verdauen, denn die Solokampagne ist kurz, der Multiplayer relativ uninteressant und mehr gibt es halt nicht...Außer natürlich der Optik.
Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition
Hier setzt jedoch die Neuauflage des Shooters an und möchte Verbesserungen einbringen. Insgesamt sechs neue Online-Modi bietet uns die Colonies Edition, erstmals ist es nun im "Akrid Hunter Modus" auch möglich, Akride selbst zu steuern, mit denen man sich auf die Jagd nach den Menschen macht. "Akrid Egg Battle" und "Egg Bandit" spielen sich relativ ähnlich: Es geht dabei darum, Akrid-Eier zu stehlen und sie in die eigene Basis zu verfrachten. Im Bandit Modus, kriegt man dazu je nach Dauer der Ei-Eroberung Punkte. Ein weiterer Punktebasierender Modus ist "Point Snatcher", darin sammelt man die Thermalenergie der feindlichen Söldner auf. Mit "Counter Grab" liefert Capcom ein Flaggen-Eroberungs-Modus an, in dem wir die sogenannten "Datenposten" erobern und halten müssen. Der letzte Modus ist der wohl einzige, der als wahrlich neu oder gar innovativ bezeichnet werden kann: "VS Annihilator": Dabei verfolgen die Teams das Ziel, die gegnerischen Vital Suites zu zerstören während sie die eigenen beschützen müssen. Vital Suite (VS) sind übrigens die Mech-ähnlichen Exoskelette. Wirklich Spielspaß kommt dabei aber nur wenig auf, zu zäh spielt sich das ganze. Dazu liefert Capcom noch vier neue Karten für Online-Matches: Crossfire City, Are 921, Lost Arena und Assault Space. Schmankerl der Online-Features: Als Xbox-Live Spieler kann man nun auch zusammen mit Games for Windows - LIVE Spielern entweder im Co-Op oder gegeneinander spielen.
Walking through a Winterwonderland
Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition
Lost Planet war seinerzeit genau der optische Showcase-Titel, den NVidia gerne mit einer 8800er Karte gebündelt sah. Diese oder ATI's 2900-Flagschiff sollte es aber auch sein, denn wenn man all die schönen Effekte sehen möchte, die die Nummer 10 so mit sich bringt, muss es ab 1280*1024 schon etwas mit einem gewissen Punch sein. Wer eine kleinere Karte hat, kann all die HDR (High Dynamic Range Lightning) -Spielereien, das 16-fache AA oder auch sonst alles abschalten und Lost Planet wird immer noch nicht völlig das Auge beleidigen, aber das Schneetreiben, die auf dem Eis gleißende Sonne oder die gewaltigen Akriden werden nur einen Bruchteil von dem zeigen, wozu sie wirklich im Stande sind. Die DirectX9-Version befindet sich ebenfalls auf der DVD und sieht im Vergleich auf den ersten Blick erkennbar weniger beeindruckend aus, ist aber immer noch sehr schön, auch wenn man gut erkennt, wie ausgiebig HDR-Lightning genutzt wurde und das es wirklich ein Menge bringt. In die Kategorie "bei 3 Promille klang es nach einer guten Idee" fällt auf jeden Fall die automatische, das Spiel pausierende Warnung, dass die gewählten Einstellungen die vorhandene Hardware überfordern, sprich die Framerate gerade in den Keller ging. Hey, ich habe diese Einstellungen gewählt und ich entscheide, ob es mir zu sehr ruckelt oder nicht! Quit bugging me! Zum Glück kann diese Schnapsidee ausgeschaltet werden...
Lost Planet: Extreme Condition - Colonies Edition
Beim Sound ist alles schön, nur ist er teilweise zu dünn. Wenn ein mehrere Meter hohes Stahlungetüm aus allen Rohren feuert, sollte das Geräusch entsprechend sein. Leider musste ich bei meiner Anlage die Bässe sehr weit hoch drehen, so dass der Rest des Sounds schon übersteuerte, bevor die Waffen endlich zufriedenstellende Geräusche von sich gaben. Von diesen kleinen Mängeln in der Aussteuerung allerdings abgesehen wurde auch an der Audiotechnikfront ganze Arbeit geleistet. Der semi-klassische Soundtrack passt sich gut den Situationen an, ob es nun ein hektisches Feuergefecht gibt oder ein Marsch durch eine fast verlassene Schneelandschaft ansteht. Die Steuerung, oder vielmehr die Anzeige dieser, ist dagegen der klare Fall eines Videospielports, wie er nicht sein sollte. Alle Hinweise und Erklärungen während des Spiels zeigen das Xbox-Pad und dessen Tastenbelegung, völlig unabhängig davon, ob überhaupt ein solches Pad angeschlossen ist. Die Tastenbelegung, mit der sicher der größte Teil der PC-Egoshooterfans steuern wird, bleibt außen vor. Die gute Nachricht ist allerdings, dass Capcom der Tastatur keine Fesseln anlegte und alles frei belegbar ist. WASD oder Cursortasten, allein eure Wahl und sobald diese getroffen ist, steuert sich Lost Planet mit allen Varianten sehr anständig und ohne Probleme.
