Es gibt Sportarten, die wollen in Deutschland über ein Nischendasein nicht hinauskommen. Football gehört zu dieser Kategorie, wie auch Rugby, Cricket und eben Baseball. Interessant ist aber, dass gerade diesen Sportarten dann recht häufig sehr gute Videospieladaptionen spendiert werden. Auch MLB 14 - The Show unterstützt diesen Trend und zeigt sich als eine der besseren Umsetzung zur Sportart Baseball.
Mal wieder: Was ist Baseball?
Für all jene die noch nichts oder eher wenig mit der so gerne als kompliziert bezeichneten Sportart Baseball zu tun hatten, hier nochmals ein kleiner Exkurs dazu.
Baseball ist eine Ballsportart, Baseball ist eine Mannschaftssportart, Baseball ist amerikanisch und Baseball ist in den Staaten vor allem ein Familienereignis mit Grillen vorm bzw. Fast Food im Stadion.
Das Spielfeld beim Baseball besteht aus dem so genannten In- und Outfield, in welchen sich die Spieler der beiden Mannschaften verteilen. Ein Spiel setzt sich aus neun Haupt- und falls nötig diversen Extra-Innings zusammen. Innerhalb der Innings wechseln sich die beiden Teams jeweils am Schlag bzw. auf dem Wurfhügel ab. Ein Unentschieden gibt es nicht, weshalb so lange gespielt wird, bis ein Sieger ermittelt wurde – übrigens ohne jegliche zeitliche Begrenzung.
Quelle: Sony
MLB 14 (3)
Grundsätzlich basiert Baseball auf dem Duell Pitcher (Werfer) gegen Batter (Schlagmann). Während also der Pitcher versucht durch gekonnte Würfe möglichst viele Strikes (nicht korrekt berührte Bälle) zu erzielen bzw. nur schwache Schläge zuzulassen, um damit seinen sich auf dem Outfield befindlichen Teammitgliedern die Möglichkeit zu geben, den Ball direkt zu fangen oder schnell auf eine der vier Bases zu spielen, hat hingegen der Batter als Herausforderer das Ziel den Ball so gut zu treffen, dass er möglichst viele Male (Bases) erreichen kann. Punkte gibt es, wenn ein Spieler die Home Plate überquert ohne vorher "ausgestellt" worden zu sein, also später eine Base erreicht als der Ball. Befördert der Schlagmann den Ball, unerreichbar für die Verteidigung, aus dem Spielfeld, natürlich innerhalb der zulässigen Grenzen, und ermöglicht sich somit einen ungehinderten Lauf zum Home Plate, dann nennt man das Homerun. Wohl ein Begriff, den selbst der größte Sportbanause schon mal gehört haben wird.
Sicher, Baseball bietet, wie andere Sportarten auch, natürlich noch viel mehr Details und Feinheiten, um allerdings mit der Umsetzung von Sony überhaupt etwas anfangen zu können, sollte diese kleine Einleitung eigentlich erstmal genügen. Konsole an, Controller in die Hand und "Play Ball".
Zugang trotz Forderung, wie geht denn das?
Quelle: Sony
MLB 14 (5)
Einer der großen Pluspunkte der MLB-Serie von Sony war es schon seit jeher, dass einem die Möglichkeit gegeben wird, sich langsam ins Spiel zu finden. Nicht das Gameplay will über euch bestimmen, sondern ihr bestimmt über das Gameplay. Im Speziellen bedeutet das, dass euch MLB unzählige Möglichkeiten gibt, Einstellungen bezüglich der Steuerung, der Anforderung und im Endeffekt somit am Schwierigkeitsgrad vorzunehmen. Was wollt ihr spielen, wie wollt ihr es spielen und mit wem wollt ihr spielen – praktisch jeder Aspekt kann und sollte von euch gewählt werden. Wer z. B. nur batten (Schlagen) will, sich nur als Pitcher (Werfer) sieht oder überhaupt keine Lust hat die Spieler im Outfield zu steuern, der kann dies mit MLB ohne Probleme tun. Für Einsteiger und bei einer Umsetzung zur Sportart Baseball, welche außerhalb der Staaten bekanntermaßen ja als Regelmonster und unheimlich kompliziert verschrien ist, ein geradezu perfekter Ansatz. Der spielerische Zugang ist somit auf jeden Fall vorhanden und wer ohne Zurückhaltung, vielleicht sogar auch mit der gewissen Lust mal eine neue Sportart kennenzulernen, an diesen Titel herangeht, der wird überrascht sein, welchen Spaß ein Baseballspiel vorm heimischen Bildschirm machen kann.
Trotzdem ist und bleibt MLB eine Simulation und will dies auch zu keinem Zeitpunkt wirklich verbergen. Dementsprechend werden auch Kenner der Thematik nicht vernachlässigt. Wenn man sämtliche Hilfen ausschaltet und sich um alle Bereich von der Taktik über die Aufstellung bis hin zum Steuern aller Spieler selbst kümmern will, dann wird die Baseballumsetzung enorm fordernd. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die KI, schon ab der mittleren Schwierigkeitsstufen, alles andere als dämlich verhält. Gerade wenn man als Pitcher vom Mound (Wurfhügel) sich im Duell gegen einen CPU-gesteuerten Batter befindet, muss man das je nach Stärke des Spielers unterschiedlich vorhandene Wurfrepertoire äußerst variantenreich einsetzen, um überhaupt eine Chance zu haben. Was Sony mit ihrer Sportspielumsetzung also schon seit Jahren, und unserer Meinung auch sehr großen Erfolg, versucht, ist, diesen Spaß den Baseball machen kann, zu euch Spielern, und zwar abhängig nach euren Fähigkeiten, zu transportieren.
Quelle: Sony
MLB 14 (10)
Problem von MLB 14 – The Show ist nur, dass dies auch schon der Vorgänger und der Vorgänger des Vorgängers mehr oder weniger in absolut identisch guter Form geschafft haben. Das aktuelle MLB krankt vor allem an einem: Der fehlenden Identität. Den entscheidenden Unterschied zu den anderen Ablegern gibt es nämlich nicht. Ja, ihr findet jetzt das Player Lock Feature, was euch die Möglichkeit gibt die Action auf dem Feld noch etwas intensiver zu spüren. Ja, auch ein sogenanntes Quick Counts wurde integriert, was es euch nun erlaubt ein Spiel über neun Innings in kürzerer Zeit zu absolvieren. Und ja, die über 50 neuen Animationen führen zu etwas mehr Realismus beim Feldspielerverhalten. Trotzdem bleibt es auch dabei, dass MLB 14 spielerisch viel bekannte Kost bietet und gerade Besitzer des direkten Vorgängers kaum große Gameplayänderungen erwarten brauchen.
Road to the Show und Online-Franchise
Quelle: Sony
MLB 14 (11)
Ähnliches beim Umfang. Auch hier fällt sofort auf, dass vieles bereits aus dem Vorgänger bekannt ist und Neuerungen eher in den Details zu suchen sind. Trotzdem kann die Baseballumsetzung auch im aktuellen Ableger wieder mit enorm viel Inhalt aufwarten. Lizenztechnisch heißt das, wo MLB auf der Verpackung steht, ist auch wirklich MLB, und zwar komplett, enthalten. Und so findet ihr auf der BD dementsprechend alle aktuellen 29 Teams, die aktuell aktiven Spieler und natürlich die aktuell genutzten Spiel- bzw. Trainingsstätten der Major League Baseball. Aber nicht nur. Auch die amerikanische Minor League mit ihren diversen Unterligen, wie etwa die Texas League, ist nahezu vollständig, was Teams und deren Spieler angeht, auf den Datenträger gepresst worden. Bezüglich Originalinhalten ist MLB 14 also mehr oder weniger ein FIFA im Baseballgewand.
Aber auch was die Spielmodi betrifft, braucht sich The Show kaum hinter anderen Sportspielen verstecken. Es gibt natürlich die Möglichkeit ein Einzelspiel gegen einen oder sogar mehrere Freunde auszutragen, sich im umfangreichen Trainingsmodus an allen Schlag- bzw. Wurfarten auszuprobieren oder einfach eine etwas zeitintensivere Season zu spielen.
Mittlerweile ein absolutes Muss für Umsetzungen aus dem Genre Sport ist der Karrieremodus. Nur logisch, dass auch hier Sonys Baseballableger mit einigem aufwarten kann. In der Spielvariante Road to the Show etwa spielt ihr die Laufbahn eines selbst erstellten Spielers von einer der unteren Ligen bis in die MLB nach. Hauptaufgabe ist es natürlich, wie kann es anders sein, durch besonders gute Aktionen auf dem Spielfeld oder durch gezielte Trainingsarbeit, nicht unwichtig sind hier teilweise auch die Tipps der Coaches, euren Spieler rollenspielartig Stück für Stück zu verbessern. Größte Neuerung dürfte wohl die Integration eines Showcase-Games sein, bei welchem ihr euch vor den Scouts der amerikanischen Profiliga präsentieren dürft und bei entsprechend guter Leistung auch mit einem Draft zu einem Baseballteam der MLB spekulieren könnt. Natürlich wird das Ganze im entsprechend amerikanisch bunten und schrillen Stil präsentiert bzw. moderiert. Überhaupt ist der optische und inhaltliche Aufbau von Road to the Show auch in MLB 14 an Abwechslung kaum zu überbieten. Langweilig wird es euch hier sicher nie.
Quelle: Sony
MLB 14 (12)
Wer lieber die Geschicke eines gesamten MLB-Teams aus der Sicht des General Managers lenkt, sich um Trainingspläne, Zu- und Abgänge von Spielern, Aufstellungen und eben um das große Ganze kümmert, der wird mit der Karriereart Franchise absolut glücklich werden. Unter anderem auch deshalb, weil diese Spielvariante in MLB 14 erstmals online spielbar ist. Inhalt und Ablauf geben sich hierbei weitestgehend identisch zum Offline-Pendanten, einziger größerer Unterschied: Die Gegner kommen aus der Community und nicht vom Datenträger. Insgesamt können wir nach unserer Testsession sagen, dass der Onlinemodus sehr gut funktioniert. Auf den angebotenen Servern ist einiges los und sich einer Liga anzuschließen ist unproblematisch. Auch laufen die einzelnen Spiele nahezu Lagfrei und störende Verbindungsprobleme treten kaum auf. Wie gehabt also, denn auch in der Vorjahresversion gab es hierzu kaum Kritikpunkte. Viele Déjà-vus übrigens auch beim restlichen Umfang bezüglich der Spielvarianten über PSN. Einzelspiel, diverse Ranglisten etc., etc., vieles in einem MLB 14 kommt einen schon sehr bekannt vor.
Technik mit kleinen Schwachstellen
Quelle: Sony
MLB 14 (4)
Dieses "Kennt man schon", "Wie beim Vorgänger" oder "Nahezu unverändert" zieht sich dann auch in den Bereich Technik. Schlecht ist das aber erstmal nicht, denn schon der Vorgänger hat in optischer und akustischer Hinsicht durchaus den einen oder anderen Glanzpunkt gesetzt. Und, um es vorwegzunehmen, MLB 14 macht dies genauso. So bekommt ihr etwa Stadien geboten, die im Fall der MLB-Teams nicht nur den Originalen gut nachempfunden, sondern ganz nebenbei auch noch mit vielen Details geradezu liebevoll vollgestopft sind. Werbebanner, Anzeigetafeln, Leinwände, gut designte Zuschauer, eine belebte Auswechselbank, sich aufwärmende Spieler, Snackverkäufer, realistische Stadionsprecher und passender Jubel – was braucht man mehr, um ins Spielgeschehen hineingezogen zu werden? Ebenfalls ein wahrer Genuss, optisch, wie spielerisch: Die Wettereffekte. Deutlich weniger Begeisterung lösen da die matschigen Texturen und das bei einer PS3 mittlerweile kaum mehr wegzudenkende Flimmern aus.
Auf dem Feld selbst zeigen euch die Spieler absolut flüssige und meist passende Bewegungsabläufe. Gerade die Hauptakteure Pitcher und Batter sind hierbei besonders gut in Szene gesetzt. Bei den Feldspielern hingegen kann man dann aber doch die eine oder andere steife Animation beobachten. Auch Clippingfehler, etwa das "Durchtauchen" der Spielfeldbegrenzung oder der Mitspieler, kommen vor, wenn auch selten.
Quelle: Sony
MLB 14 (7)
Trotzdem ist das Alles auch Kritik auf extrem hohem Niveau und so manch anderer Sporttitel, eigentlich eher der entsprechende Entwickler, sollte beim Betrachten der gebotenen Optik eines MLB 14 vor Neid erblassen. Noch mehr, wenn er die Präsentation sieht. Besser, realer und TV-ähnlicher geht es praktisch nicht mehr. Übrigens gilt das auch für die Moderation. Das Reportergespann analysiert das Spielgeschehen meist korrekt, hat auch die eine oder andere Begebenheit der Vergangenheit parat und lockert manche Situation durch einen lustigen Spruch geschickt auf. Allerdings kranken auch sie am typischen Kommentatorenproblem von Sportspielen: Das gesprochene Wort wiederholt sich viel zu schnell.
Und noch ein Kritikpunkt könnte sich für manch einen zum größeren Stolperstein entwickeln. Sonys Sportumsetzung bleibt sich auch in der aktuellen Umsetzung treu und kommt nach Deutschland ohne Lokalisierung. Menü, Textmeldungen und natürlich die Moderation sind komplett in Englisch. Leute ohne entsprechende Sprachkenntnisse werden wohl ziemlich schnell die Lust an diesem Titel verlieren, was schade ist, weil sie dadurch sicher ein gutes Sportspiel verpassen werden.
