Der Titel bietet uns einen riesigen Umfang, opulent inszenierte Schlachten und einen taktischen Anspruch für Profispieler.
Der Echtzeit-Modus
Medieval 2: Total War
Wenn ein Strategiespiel taktischen Anspruch hat, dann ist es Medieval 2: Total War. Das beginnt schon mit der Schlachtreihen-Aufstellung vor Beginn des Kampfes. Nachdem ihr in den Echtzeit-Modus gewechselt seid, gilt es also die eigenen Reihen aufzustellen. Will ich die Kavallerie in die Mitte oder doch an die Flanken stellen, wohin sollen die Belagerungsgeräte und was mache ich eigentlich mit den Bogenschützen? Danach geht es dann direkt in die Schlacht, wobei ihr entweder eine Festung verteidigt, angreift oder einer anderen Armee gegenüber steht. Um eines vorwegzunehmen, wer blind auf den Feind zustürmt wird trotz weit überlegener Armee immer verlieren. Wer Filme wie Braveheart oder Troja gesehen hat, weis eigentlich was zu tun ist: Den Feind von der Seite mit der Kavallerie versuchen zu flankieren, während die Artillerie und die Bogenschützen die gegnerischen Reihen vor dem eigentlichen Angriff schwächen. Werdet ihr selbst angegriffen, gilt es natürlich die Bogenschützen ins hintere Feld zu bringen, um mit Speerträger die Offensive des Gegners im Keim zu ersticken. Ähnliches gilt für die Eroberung von Festungen. Hier müssen zuerst die Mauern mit Belagerungstürmen und Leiter eingenommen werden, bevor ihr mit dem Rammbock das Tor sprengen könnt. Dabei gilt es auch die eigenen Geräte vor dem Pfeilhagel der Gegners zu schützen. Ein Mittel wäre beispielsweise, dass billige Einheiten das Feuer auf sich lenken. Um eine Stadt oder Festung endgültig unter Kontrolle zu bringen, muss der Marktplatz oder zentrale Punkt mindesten drei Minuten lang gehalten werden. Alternativ reicht es auch aus jede Feindliche Einheit zu töten.
Medieval 2: Total War
Die hier beschriebenen Taktiken sind aber recht rudimentär und funktionieren in dieser Form höchstens zu Beginn des Spiels. Im weiteren Verlauf müsst ihr euch schon ausgefeiltere Strategien überlegen, wobei Geduld und das Abwarten des richtigen Zeitpunktes von enormer Wichtigkeit sind. Eine größere Schlacht kann dadurch schon länger als eine Stunde dauern. Zum Glück haben die Entwickler auch eine Zeitraffer-Funktion in das Spiel eingebaut, da teilweise während eines Kampfes große Entfernungen zurückgelegt werden müssen. Neben der Beachtung richtigen Formationen, Wetterverhältnissen, Landschaftsgegebenheiten und der richtigen Truppenzusammenstellung, ist auch die Moral der eigenen Truppe wichtig. Ist eine Armee hoffnungslos unterlegen oder stirbt der General, desertieren die Soldaten schon mal und laufen weg. Aber auch der Faktor Müdigkeit ist von Bedeutung. Um eine Schlacht mit möglichst wenigen Verlusten zu gewinnen, ist äußerst viel taktisches Geschick gefragt. Am besten ihr kauft euch in der Bücherei einen Wälzer über historische Schlachten und übernehmt die dortigen Strategien. Keine andere Serie schafft es die mittelalterliche Kriegsführung so akkurat umzusetzen, denn genau so muss das Mittelalter ausgesehen haben. Leider hat es Creative Assembly nicht geschafft die Seeschlachten in den Echtzeit-Modus zu bringen. Diese werden vom CPU berechnet. Bleibt zu hoffen, dass sich dieses Manko bei zukünftigen Add-Ons ändern wird.
Medieval 2: Total War
Da während der Schlachten tausende von Einheiten über den Monitor huschen, ist ein übersichtliches Interface und eine präzise und einfach Steuerung Pflicht. Zum Glück macht Medieval 2: Total War auch hier keine größeren Fehler. Die unter Kommandoleiste ist nicht überladen und lässt schnelle Taktikwechsel und das übersichtliche Auswählen von einzelnen Einheitenverbänden zu. Auch auf dem Schlachtfeld sind einzelne Truppentypen aufgrund der riesigen Banner gut voneinander zu unterscheiden. Im Pause-Modus könnt ihr zudem in aller Ruhe Befehle geben und die Lage einschätzen. Dennoch kommt es oft dazu, dass ihr die Übersicht verliert und etwas Hektik ausbricht, da meist an mehrer Stellen gekämpft wird. Dennoch hat es Creative Assembly geschafft die Probleme einigermaßen in den Griff zu bekommen, obwohl gerade die Kamera nicht immer perfekt justiert werden kann. Ein weiterer Kritikpunkt ist die KI des Gegners, denn obwohl der Feind in der Regel immer schnell auf eure Angriffe reagiert, kommt es auch vor, dass Einheiten regungslos in der Gegend herumstehen. Des Weiteren versammelt sich ein Großteil der verteidigenden Streitmacht fast immer im Mittelpunkt der Stadt, was mit der Zeit ermüdend wirkt, da man sich schnell auf diese Situation einstellen kann und so der Sieg zur Formsache wird.
Abseits der Kampagne
Medieval 2: Total War
Neben den Hauptkampagnen, bietet Medieval 2: Total War weitere Spielmodi an. So könnt ihr z.B. an historischen Schlachten teilnehmen, bei denen der Runde-Modus komplett entfällt und auch eigene Schlachten können anhand verschiedenster Parameter aufgesetzt werden. Zudem bietet sich ein Online- und LAN-Modus an, in dem ihr gegen Freunde oder Spieler aus aller Welt antreten könnt, um zu zeigen, wer der größere Feldherr ist. Trifft man auf einen ebenbürtigen Gegner, entstehen unglaublich spannende Gefechte. Der Umfang von Medieval 2: Total War ist erschreckend große und dürfte für viele Monate an den Bildschirm fesseln.
Grafik & Sound
Medieval 2: Total War
Heranzoomen und die Schlacht genießen. Das würde man am liebsten bei Medieval 2: Total War machen, denn die Einheiten sind herrlich animiert und mit vielen Details überzogen. Während bei anderen Strategietiteln ein Soldat wie der andere aussieht und lediglich über ein oder vielleicht zwei Angriffsanimationen verfügt, bewegen sich die Polygonkämpfer bei Medieval 2: Total War weitaus realistischer. Auch die Städte und Festungen sind ordentlich gelungen. So zerbröseln Mauern realistisch, während der Feuerpfeilhagel die Nacht mit schönen Lichteffekten erhellt. Die Kinnlade kann schon mal herunterklappen, wenn sich zwei riesige Armeen mit tausenden von Soldaten gegenüberstehen. Hollywoods Schlachtenepen lassen grüßen. Da die 3D-Engine unglaublich viele Figuren auf einmal flüssig darstellen muss, leidet leider auch die Umgebungsgrafik etwas darunter. Diese wirkt etwas zu steril und monoton. Obwohl es viele verschiedene Grafiksets gibt, treffen sich die Armeen meist auf ziemlich kargen Feldern.
Das Soundpaket ist ebenfalls gut gelungen. Die deutsche Sprachausgabe klingt zufrieden stellend, wenn auch nicht perfekt, die mittelalterlichen Klänge wirken sich positiv auf das Szenario aus und die Geräuschkulisse während der Kämpfe könnte direkt auf den Schlachtfeldern der 13. Jahrhunderts aufgenommen worden sein: Pfeile zischen an euch vorbei, Soldaten stürmen schreiend auf den Feind zu und Schwerter kreuzen sich mit einem lauten Klirren.
