Ein 80er Jahre Serienklassiker muss in neuem Gewand erneut für volle Kinokassen sorgen - da darf das Spiel dazu nicht fehlen.
In Miami gibt's auch nicht immer Sonnenschein
Miami Vice: The Game
"Miami Vice" war seinerzeit ein wahrer Trendsetter. Nicht nur das die TV-Landschaft um eine gute Actionserie reicher war, auch u.a. Modetrends oder Musiken erfreuten sich mehr oder weniger großer Beliebtheit. Partiell kopierte man auch sehr gerne das Gehabe der Hauptdarsteller und auch das Nachahmen des Live Styles wurde für den einen oder anderen zum Lebensinhalt. Und diesen Flair hat man versucht für die Neuverfilmung ebenso einzufangen wie auch für das Spiel. Ob es im Film geglückt ist, bleibt erst einmal dahin gestellt. Für das Spiel kann jedoch schon jetzt gesagt sein, dass der Wurf nicht ganz so 100%tig gelungen ist. Dabei hängt dieser Umstand weniger damit zusammen, dass Miami Vice neue Gesichter bekommen hat. Die Jungs hat man so weit cool und lässig gestaltet, wie man sie für einen solchen Krimiableger erwarten würde. Aber das allein reicht einfach nicht um einen guten Titel kredenzen zu können.
Betrachtet man die technische Seite des Miami Vice Auftritts, vermag man auch zu denken, dass eine Zeitreise stattgefunden hat. Allerdings ging das gründlich in die Hose, denn selbst die Wiederholungen der alten Serie zeigen, dass 1984 nicht so schwammig und trist war wie sich das Spiel heute präsentiert. Eigentlich hätte allein das Stadtbild Miamis eine gute Kulisse abgeben können; Leider hat man aber maßgebliches Potential verschwendet. So bleibt es dabei, dass sich die Umgebungen auf Lagerhäuser, Clubs, Flughallen & Co. beschränken und in sich in sehr ähnelndem Designs über den Bildschirm flimmern. Vorherrschendes Grau, gespickt mit Braun und versuchtem Licht- und Schattenspiel machen nun einmal das Zockerauge nicht wirklich glücklich. Ebenfalls eine triste, braune und sumpfige Brühe - im wahrsten Sinn des Wortes - präsentiert sich beim Ausflug in die Everglades. Es ist generell witzig eine Tour mit dem Speedboot zu machen, dabei Dealer über die Klinge springen zu lassen und wichtige Graspäckchen einzusammeln. Wenn dabei aber ein wirklich schönes Stück Natur ausschaut wie eine gelblich-braune Masse, die nach nichts aussieht, dann macht auch Speedboot fahren keinen Spaß mehr. Und obendrauf wird der eher unschöne grafische Auftritt mit immer wieder nette Grafikblitzer als auch leichten Flimmereinlagen garniert, die das Erscheinungsbild eher weniger aufmöbeln und ziemlich sicher für Augenfrust sorgen.
Miami Vice: The Game
Auch die Protagonisten sorgen nicht unbedingt für einen Freudentaumel. Zwar ist ihre Gestaltung durchaus im oberen Mittelfeld anzusieden, aber ihre Bewegungskapazitäten rangieren dann doch eher unter ferner liefen. Etwas behände, steif und Traktor mäßig lassen sich Tubbs oder Crockett manchmal nur widerwillig manövrieren. Gerne nehmen die Helden dann auch mal Gegenstände mit bzw. bleiben an selbigen hängen, so dass man eine optimale Zielscheibe für seine Widersacher darstellt. Da hilft dann auch das eigentlich gute "in Deckung gehen und um die Ecke schauen" Feature nichts mehr. Die Grundidee dahinter ist lobenswert, keine Frage. Sie zeigt sich aber in der Ausführung wenig flexible und wird so manches Mal aufgrund plötzlich auftretender imaginärer Hindernisse getrübt. Nur allzu menschlich dagegen dann die Einschränkungen, wenn man sich selbst mit seinem eigenen Kopf - vom virtuellen Helden versteht sich - die Sicht verschränkt. Da kann aber der geschaffene wenn auch ungelenke Bewegungsapparat nicht wirklich was dafür. Vielmehr zeigt sich hier einmal mehr die Schwäche der etwas dezent heftig verunglückten Kamera. Steuert man Crockett oder Tubbs generell aus der Thrid Person Ansicht, wird dies schon allein dahingehend zum Verhängnis, da sich die Kamera in keinster Weise manuell nachstellen lässt. So wird der Versuch sich einen Rundumblick zu verschaffen zum puren Abenteuer. Zwar steckt hier der Versuch hinter die entsprechenden Feature zu benutzen, von wegen "lehn dich an die Wand und spick um die Ecke". Aber da sich hier gern und oft aufgrund der verwinkelten Umgebungen kein wirklicher Überblick ergibt, stellt sich hier mehr Frust als Freude ein. Auch immer mal wieder auftauchende Treppenhäuser und Treppenschluchten werden so zur miesmutigen Falle, da man mit dem Cop nicht um die Ecke gucken kann ohne die Figur nicht komplett in die zu schauende Richtung zu stellen. Alternativ lädt euch dann die entsprechende Stelle mal nicht dazu ein die Deckungsoption zu nutzen, so dass ihr keine andere Wahl habt als volle Breitseite zu erscheinen. Nicht selten steht ihr damit dann gleich wieder in der gegnerischen Schusslinie.
Was ist Physik und viele Wiederholungen
Für viele ist es inzwischen sehr wichtig geworden, dass Entwickler beweisen, dass sie mit einer Physikengine umgehen können bzw. die Vorzüge einer selbigen zumindest ein bisschen in ein Spiel integrieren. Wer das auch bei Miami Vice erwartet, sollte das Spiel dann besser ins Regal zurückstellen. Stocksteif und wie im Boden verankert stehen Kisten, Stühle, Sofas und allerlei Alltagsgegenstände mehr in den Level und bewegen sich kein Stück. Nicht einmal das gegen rumpeln des Protagonisten veranlasst einen Drehsessel oder einen Karton sich zu rühren. Um es mit einem Zitat aus der berühmten Glocke des Herrn Schiller zu sagen: "Festgemauert in der Erden..." steht alles wie eine Eins. Und wenn sich der Stuhl schon nicht bewegen lässt, lädt er Crockett oder Tubbs wenigstens dazu ein einen Hechtsprung über selbigen zu machen. Im Übringen können solche Handlungen nicht frei vorgenommen werden - gilt auch für das in Deckung gehen; Das Spiel verrät einem an passender Stelle, ob ein Hechtsprung, eine Tür, das Verstecken oder Ähnliches genutzt werden kann oder nicht.
Schon gar nicht mehr zum Aufregen würdig sind dagegen hübsch anzusehende Einschusslöcher, die vor allem in Fenster- oder Autoscheiben äußerst dekorativ daher kommen. Obwohl sie heftigem Beschuss ausgesetzt waren, glänzen sie nach wie vor und denken nicht daran zu zersplittern. Dafür sterben unsere Gegner mit gekonnten rückwärtigen Sprungeinlagen, bleiben in totem Zustand sogar sitzen (obwohl kein Stuhl da ist) oder fallen einfach in sich zusammen. Und bevor sie das tun, verspritzen sie ihren roten Lebenssaft beinahe schon literweise; Sieht man es positiv, hat man so zumindest ein bisschen Farbe fürs Spiel.
Auch nicht wirklich gekonnt erscheint der Sound, wenn gleich hier zumindest akustisch mehr Bewegung drin ist als in der optischen Darstellung. Prinzipiell haben die Mannen schon einmal verschiedene Synchronsprecher gewinnen können. So erhalten die Figuren in der recht breiigen Grafikmasse ein wenig Individualität. Auch die musikalische Begleitung, im Menü ebenso wie in den Level, dümpelt ohne nennenswerte Ereignisse vor sich hin und fällt gesamt eher wenig bis gar nicht auf. Die Musik ist eben da und es ist o.k.. Ohne nennenswerte Höhen und Tiefen sind auch die Waffengeräusche. Schießen als auch Nachladen erscheint so weit authentisch und gibt wenig Anlass zu meckern - aber auch nicht zum Loben. Zu oft schon hat man dieses stereotype Bumm und Klick gehört.
Miami Vice: The Game
Unsere Widersacher hingegen verfügen über einen sehr geringen Sprachschatz und beschränken sich gerne in einer steten Wiederholung auf einige wenige Sätze. Dazu gehören solchen geistreichen Aussagen wie "da ist er" oder "macht ihn fertig". Gern genommen auch "stirb, du Bullenschwein" und wie eine hängende Schallplatte dann bitte gleich wieder von vorne. Zu den wenigen sprachlichen Ergüssen gesellt sich auch eine überdurchschnittliche Dummheit in Sachen Aktionismus. Die Jungs sind so sehr davon getrieben uns das Fell über die Ohren zu ziehen, dass sie wie obercoole Ganstarapper (die auch leider gar nicht zum Stil vom Miami Vice passen) in der Landschaft stehen und super lässig aus der Hüfte schießen, ohne dabei aber wirklich zu zielen. Zudem bleiben sie auch an Ort und Stelle stehen, wenn sie nachladen müssen - ideales Futter für unsere Zielvorrichtung, die aber gerne mal schwankt und dank der etwas ungenauen Steuerung viel Fingerspitzengefühl benötigt. Getreu dem Motto "one Shot - one kill" braucht ihr viel, viel Übung, damit ein gekonnter Kopfschuss auch wirklich sitzt. Eine gewisse Schnelligkeit ist bei diesem Vorhaben auch ratsam, denn manches Mal peilen es die Kameraden dann doch, dass man hinter einem Auto oder einem Mauervorsprung für einen Moment sicherer ist. Allerdings wird es den Kumpels dann schnell langweilig im Versteck und so stehen sie wieder eiskalt in mitten der Landschaft und warten darauf von uns ins Polygonnirwana geschickt zu werden.
Ganz am Rande sei noch erwähnt, dass die Steuerung - abgesehen von den etwas dezent übertriebenen Wackeleinlagen beim Zielen - wenig Probleme macht. Alle möglichen Funktionen offenbaren sich Schritt für Schritt. Gesamt funktionieren die Handhabungen recht intuitiv und zeigen sich auch durchaus einsteigerfreundlich.
