NFL Tour im Gamezone-Test

Test Thomas Pfnür

Bei dem Titel handelt es sich um den quasi Nachfolger zu NFL Street, und er bietet uns das gewohnt zugängliche Gameplay.

Release einer Football-Umsetzung zum Superbowl-Wochenende? Besser hätte der Zeitpunkt gar nicht gewählt werden können, denn selbst außerhalb der USA ist das Endspiel der Football-Profiliga von solcher Bedeutung, dass man sich dem Hype darum kaum entziehen kann. Für Electronic Arts natürlich die Chance auch Käufer aus Schichten zu gewinnen, die sich bisher nicht oder nur sehr wenig mit dem Genre auseinandergesetzt haben. "NFL Tour"? Ohne Nummer oder Jahreszahl? Das kann nur bedeuten, dass es hier eine Namensänderung gegeben hat. Und so ist es auch, denn mit dem aktuellen Titel haben wir den indirekten Nachfolger der Last-Gen-Reihe "NFL Street", die in unseren Breitengraden trotz des hohen Funfaktors leider nie über ein Nischendasein hinauskam.

Als Fortsetzung, auch wenn sie namentlich erstmal nicht so zu enttarnen ist, hat man grundsätzlich die Bürde, einiges besser zu machen, als noch die Vorgänger. So natürlich auch "NFL Tour". Fortschritte in Grafik und Technik setzt man bei Umsetzungen für die aktuelle Konsolengeneration sowieso voraus, aber auch Gameplay bzw. Umfang sollten einen Schritt nach vorne machen. Schließlich will man neben dem Spielspaß auch eine gewisse Spieltiefe. Ob dies den Entwicklern auch wirklich gelungen ist, soll der folgende Test zeigen. Also ab an die "Line of Scrimmige" und "hut, hut, hut...".

"Street" wird zu "Tour"

NFL Tour NFL Tour Auch wenn es auf den ersten Blick durch die geschickte Namensänderung nicht ersichtlich ist, aber bei "NFL Tour" handelt es sich mehr oder weniger um den Next-Gen-Nachfolger der "NFL Street"-Reihe. Mehr oder weniger? Ja, denn ein paar Unterschiede gibt es - neben den hardware-bedingten technischen, aber dazu kommen wir später noch genauer - dann doch. Da wären die Spielstätten. Während beim Vorgänger diverse Hinterhöfe und Gassen, gespickt mit Hindernissen, wie etwa Mülltonnen, und auch Goodies, wie etwa Turboboost, herhalten mussten, man also direkt auf der Strasse ein heißes Football-Match durchführte und irgendwie ein gewisser dreckiger, düsterer Flair vermittelt wurde, wird bei "NFL Tour" mehr Style geboten.

NFL Tour NFL Tour Das beginnt bei den Arenen, die nun einem Eishockeyfeld im Freien mit grünem, künstlichen Belag gleichen, mit der obligatorischen Wand als Begrenzung, und endet bei der knalligen Präsentation. Pyrotechnik, Lichteffekte und rockiger Sound lassen einem eher in der Disco als bei einem Footballgame vermuten. Also eins kann man dem aktuellen Ableger nicht vorwerfen, dass es ruhig zugehen würde - und dadurch unterscheidet er sich schon enorm vom letzt jährigen "NFL Street". Weniger unterscheiden tun sich die Titel allerdings im integrierten Gameplay. So werdet ihr auch heuer wieder eine leicht zugängliche Steuerung geboten bekommen, die durch ihre intuitive Belegung selbst Neueinsteigern schnell ins Blut übergehen sollte. Allerdings vermisst man auch die nötige Abwechslung bzw. den nötigen Tiefgang. Sicher die Bedienung der Protagonisten ist bei weitem nicht so überbelegt, wie noch bei "Madden NFL", dafür bietet sie aber auch nicht annähernd die Möglichkeiten.

NFL Tour NFL Tour Zwar verspricht der Publisher die totale Kollisionskontrolle, im Endeffekt handelt es sich hierbei um eine arg abgespeckte Kopie der aus dem realen Ableger bekannten "Hit Stick"-Control, und grundsätzlich funktioniert diese auch annehmbar, doch dem ganzen Titel merkt man einfach die arcadelastige Ausrichtung an. Aber gerade weil dies so ist, gehen einem dann doch die entsprechenden Tricks ab. Ein wirklich tiefgängiges Tricksystem gar fehlt dem Titel komplett. Ok, man kann einen "Wallrun" machen, auch ist es möglich "Monsterjumps" durchzuführen, aber Combos oder einen Gamebreaker sucht man vergeblich. Die Steuerung beschränkt sich stattdessen auf das Drücken der A- und B-Taste mit der man praktisch jede Aktion durchführen kann. Sicher der Gelegenheitsspieler wird jubeln, der Hardcoregamer allerdings aufgrund der fehlenden Abwechslung enttäuscht abwinken.

NFL Tour NFL Tour Selbiges wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass es nur eine oberflächliche taktische Ausrichtung gibt, d. h. die im Spiel integrierten Playbooks bringen weder die nötige Abwechslung, noch sind sie besonders fordernd. Alles ist, wie schon bei "NFL Street", auf die "Action" und weniger auf irgendwelche Planspiele ausgelegt - damit dürfte auch klar sein, dass wirklich Fans der Sportart mit diesem Titel nicht glücklich werden dürften. Ebenfalls wie beim Vorgänger, verzichtet auch "NFL Tour" auf sämtliche Kicks. Kein Kickoff, kein Punt und kein Fieldgoal. Die Entwickler sahen nur den schnellen, oberflächlichen Spielspaß und der ist zweifelsohne auch gegeben - auch oder gerade weil das Gameplay nicht mehr viel mit dem herkömmlichen realen Sport zu tun hat. Selbiges trifft übrigens auch auf die im Spiel angewendeten Regeln zu. Zwar hat man als User die freie Wahl in welches Regelkorsett man sein Spiel zwängen will, allerdings sind selbst hier die Auswahlmöglichkeiten nur auf das nötigste beschränkt.

NFL Tour NFL Tour Etwas mehr Auswahl hat man dann beim Schwierigkeitsgrad, welcher immerhin vier Stufen ermöglicht. Allerdings, um es vorweg zu nehmen, wirklich fordernd wird der Titel zu keinem Zeitpunkt. Selbst im höchsten Level ist es noch ohne weiteres Möglich die gegnerische Mannschaft zu beherrschen. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären: der integrierten KI. Bedingt durch die gesamte Spielausrichtung fällt diese aber bei weitem nicht so ins Gewicht, wie noch beim großen Bruder "Madden NFL". Bei "NFL Tour" ist es trotz der auf sieben Spieler pro Team verringerte Mannschaftsstärke grundsätzlich hektisch und von daher kann man kaum beurteilen, ob sich die Mitspieler nun besonders klug oder besonders dämlich verhalten - zumindest sind keine größeren Aussetzer zu beobachten und alle nicht gesteuerten Mit- und Gegenspieler machen mächtig Wirbel auf dem Platz.

Mageres Menü, magere Umfang, magerer Tiefgang

Sehr aufgeräumt, sehr übersichtlich, sehr wenig. So oder so ähnlich werden wohl bei den meisten Usern die Gedanken sein, wenn sie das Spiel erstmals in die Konsole legen und nach einem kurzen, dafür aber um so knalligeren Intro das karge Menü zu Gesicht bekommt.

NFL Tour NFL Tour "Play Now", Tour-Modus, Freundschaftsspiel, ein paar Minigames und "Xbox Live" bzw. der Online-Modus - mehr gibt es nicht zu sehen. Schon jetzt dürfte vielen klar sein, dass der Titel sicher keine Monate im Laufwerk der Xbox360 rotieren wird, wenn überhaupt dann wird man wohl eher nur sporadisch für das Spielchen zwischendurch zur DVD greifen. Gerade zu prädestiniert sind hierfür die Spielvarianten "Play Now" und "Exhibition". Beide verlangen keine große Einarbeitung, beide bringen den Spielwilligen ziemlich schnell solo oder mit bis zu drei Mitspielern in die Arena und zumindest letztere wurde noch durch Aufgabenstellungen, wie etwa Gewinne mit einem gewissen Punktevorsprung oder Erziele einen "First down" mit mindestens 20 Yards, aufgewertet. Kurz: perfekt für den Gelegenheitsspieler.

Ebenfalls nur recht oberflächlich kommen "Smash & Dash", sowie "Redzone Rush" daher. Minigame-typisch wird hierbei das Spielkonzept nochmals umgeändert. So bekommt ihr beim einen nur Punkte, wenn ihr den Tackles der Verteidigungsreihe möglichst geschickt ausweicht und beim anderen nur, wenn ihr vor dem Touchdown diverse zusätzliche Aktionen erfolgreich ausgeführt habt.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk