NHL 11 im Gamezone-Test

Test Thomas Pfnür

Mit dem aktuellen NHL 11 hat Electronic Arts nochmals einen enormen Schritt Richtung Realität gemacht.

EAs "NHL" - was soll man zu dieser Sportspielreihe eigentlich noch sagen? Ich persönlich kam mit ihr 1992 in Berührung, als eine Umsetzung namens "NHLPA Hockey 93" in Deutschland unter anderem für Segas Mega Drive erschien. Die damalige digitale Realität bestand darin, Pixelfigürchen, die sich über den Bildschirm recht steif bewegten, zu beobachten und sich bei einem simplen Einzelspiel oder innerhalb eines oberflächlichen Playoff-Modus auf Torjagd zu begeben. Und trotzdem, schon vor knapp 20 Jahren zog das Spielprinzip und der Flair jeden Sportfan, vor allem aber auch mich, irgendwie in den Bann. Doch genug der Vergangenheit. Die damalige Nostalgie, das damalige Neue ist mittlerweile einer virtuellen Perfektion gewichen. Fast zwei Jahrzehnte hatte EA Sports Zeit aus "NHL" ein technisches, spielerisches und inhaltliches Spieleschwergewicht zu machen. Mit Erfolg. Jahr für Jahr sahnt die Umsetzung Preise ohne Ende ab und kann vor allem auch uns Spieler immer wieder begeistern. "NHL 11" versucht dies natürlich erneut. Übrigens als Monopolist, denn auf PS3 und Xbox360 wird es heuer nur die Eishockeyumsetzung von Electronic Arts geben.

Über 200 Gameplay-Neuerungen...

NHL 11 NHL 11 Darf man den Aussagen von EA Sports glauben, dann finden man im neuesten Ableger der Eishockeyumsetzung über 200 Neuerungen bzw. Erweiterungen innerhalb des Gameplays. Da liest man dann im Begleitmaterial zur Testversion, dass sich das Dekesystem geändert hat, der "Hit Stick" erweitert wurde, der Hüftcheck nun möglich ist, die Bullysteuerung überarbeitet wurde und noch vieles, vieles mehr integriert ist, um damit ein noch authentischeres Spielgefühl zu vermitteln. Doch ist das jetzt alles nur das übliche PR-Gerede? Fakt ist, dass schon mit "NHL 10" ein sehr realistisches und tiefgängiges Gameplay geboten wurde. Fakt ist aber auch, dass der aktuelle Ableger sich tatsächlich noch etwas intensiver als sein Vorgänger anfühlt und spielt. In den vollen Genuss dieses neuen Spielgefühls kommt ihr allerdings nur, wenn ihr euch auf die tiefgängige, umfangreiche bzw. entsprechend lernintensive Sticksteuerung, einen Schwierigkeitsgrad jenseits von "Allstar" und dem Spielstil "Hardcore" einlasst. Ohne jegliche CPU-Unterstützung und gegen die klügste KI innerhalb des Genres Sport, ist man dann sogar richtig froh, auf einige der Erweiterungen, wie etwa den intuitiv ausführbaren Hüftcheck oder die nun sehr taktischen Bullys, zurückgreifen zu können. Sehr schön auch, dass die Neuerungen nicht herausstechen, sondern sich absolut sinnvoll ins bereits Bestehende einfügen. Dafür schon ein dickes Lob an die Entwickler. Ganz anders ist die Betrachtungsweise, wenn man sich zum gemeinen Gelegenheitsspieler oder Neueinsteiger zählt. Dann wird man kaum auf hohe Anforderungen setzen, schließlich will man Spaß und keinen Frust. Genau für jenes Klientel bietet die "NHL"-Reihe schon seit Jahren die Möglichkeit auf eine deutlich übersichtlichere und vor allem zugänglichere "Klassische Steuerung" oder sogar auf die extrem minimalistische "NHL 94-Steuerung" umzuschalten. Positiv: Der bereits erwähnte Spielspaß ist garantiert. Negativ: Von den meisten Neuerungen wird man dann allerdings überhaupt nichts mitbekommen.

NHL 11 NHL 11 Von den meisten, aber eben nicht von allen. Die nochmals überarbeitete Physik-Echtzeit-Engine bekommt zum Beispiel absolut jeder mit. Letztes Jahr stand hier noch das Bandenspiel im Vordergrund, 2010 gehen die Entwickler noch einen Schritt weiter. "...Ihr gleitet auf das Tor zu. Versucht eine Lücke zu finden. Ihr setzt zum Schuss an. Plötzlich, von der Seite ein nicht all zu starker Check. Ihr taumelt. Das Gleichgewicht ist dahin. Ihr findet euch auf dem Eis wieder. Der Puck trudelt weiter..." - und die Aktion ist beendet!? Weit gefehlt. "NHL 11" bietet euch erstmals die Möglichkeit Schüsse, Pässe oder andere Aktionen eben auch im Liegen auszuführen. Aber nicht genug damit. "...Ihr könnt euch vom Eis wieder erheben. Sprintet hinter dem Verteidiger her, der sich den Puck geschnappt hat. Auf Höhe der eigenen blauen Linie könnt ihr ihn stellen. Er setzt zum mächtigen Schlagschuss an. Ihr versucht ihn daran zu hindern. Zu Spät. Holzsplitter fliegen durch die Luft. Doch der Puck kommt nicht weit. Ohne Schläger, aber mit viel Mut stürzt ihr der Hartgummischeibe hinterher. Ein kleiner Kick mit dem Schlittschuh und schon hat euere Verteidigung wieder alles im Griff...". Nicht nur, dass der aktuelle Ableger von EAs Eishockeyumsetzung Schläger zerbrechen lässt, nein, auch die darauf folgenden Aktionen sind absolut sinnvoll und packend integriert. Wow. Geht mehr Realismus überhaupt noch? Wir würden spontan und in unserer Euphorie einfach mal behaupten: Nein.

WHL, OHL und QMJHL - Buchstabengewirr oder doch mehr?

NHL 11 NHL 11 Größte Neuerung innerhalb des Umfanges dürfte wohl die Integration des Modis "Hockey Ultimate Team" sein. Analog zu "FIFA" und "Madden NFL" gibt es nun auch in der Eishockeyumsetzung von Electronic Arts die Kartenbasierte Spielvariante. Über 4000 Sammelkarten mit u. a. Spielern aus insgesamt 10 realen Ligen, aber natürlich auch mit Trikots, sowie Trainings- und Vertragsinhalten wurden hierfür ins Spiel eingebaut. Durch Siege bei Spielen gegen die CPU oder gegen menschliche Gegner könnt ihr euch Pucks, das eigentliche Zahlungsmittel innerhalb von "Hockey Ultimate Team", erarbeiten. Diese Pucks wiederum müssen dann für den Kauf von Kartenpaketen eingesetzt werden. Besonders Ungeduldige können dies allerdings auch abkürzen und reale Währung, also Euros, für entsprechende Packs auf den jeweiligen Marktplätzen ausgeben. Durch die, wie auch immer, erhaltenen Karten könnt ihr schlussendlich euer Team verbessern und so in der Community einen immer größeren Stellenwert einnehmen.

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