Mit dem aktuellen NHL 11 hat Electronic Arts nochmals einen enormen Schritt Richtung Realität gemacht.
NHL 11
Community ist ein gutes Stichwort, denn auch bei der etwas erweiterten Spielvariante "EA Sports Hockey League" geht es nur darum sich innerhalb der Onlinewelt von PSN bzw. Xbox Live einen Namen zu machen bzw. Erfolge einzufahren. Ihr erstellt euch einen eigenen Spieler, versucht mit selbigen entweder über die Free-Agent-Liste in ein bestehendes Team zu kommen oder erschafft kurzerhand einen eigenen Verein - mit Name, Logo bzw. Trikot - und spielt schlussendlich in Onlinematches um die begehrte EASHL-Meisterschaft. Grundsätzlich könntet ihr hier auch einen auf Alleinunterhalter machen, das würde der Modus durch die Möglichkeit der CPU-Unterstützung absolut zulassen, wirklich Sinn macht das Ganze aber trotzdem erst, wenn euer Team aus 6 von Usern gesteuerten Protagonisten besteht. Wichtig allerdings: Teamplaying. Wenn ihr das beherzigt und dann noch mit euren Mitstreitern von mal zu mal ein Training absolviert, denn selbiges ist nun innerhalb von "EA Sports Hockey League" ebenso möglich, dann sollte den ersten Titelgewinnen eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Witzig auch, dass jeden Monat die besten Teams der EASHL geehrt und dann im Bereich "Liga-Geschichte" aufgelistet werden. So kann man sein Selbstbewusstsein auch aufpolieren.
NHL 11
Aufpoliert bzw. erweitert wurden auch nochmals die integrierten Lizenzen. Neben den bereits hinlänglich bekannten Ligen NHL, AHL, DEL (leider mit Daten vom letzten Jahr), Eliteserien, SM-Liiga, Extraliga und National League wurde heuer erstmals auch die CHL, kurz für Canadien Hockey League, aufgenommen. Für den Fall, dass jemanden diese Bezeichnung kein Begriff ist, hier ein kleiner Exkurs: Bei der CHL handelt es sich um einen Zusammenschluss der drei wichtigsten kanadischen Jugendligen. Mitglieder sind die Western Hockey League (WHL), die Ontario Hockey League (OHL) und die Québec Major Junior Hockey League (QMJHL). Die darin eingesetzten Spieler sollten nicht jünger als 15 und nicht älter als 20 Jahre sein. Es gibt jeweils eine ganz normale Saison an dessen Ende ein Turnier steht. Hierbei spielen dann die Meister der Ligen plus der Veranstalter des Turniers den so genannten Memorial Cup aus. Auf "NHL 11" bezogen, um auf das eigentliche Thema zurück zu kommen, bedeutet dies, dass ihr alle Originalmannschaften, alle Originalspieler und alle Originalspielmodis jener Canadien Hockey League auch in der aktuellen Umsetzung von EA Sports wiederfinden werdet - und zwar ohne Ausnahme. Einen besonderen Stellenwert nimmt die CHL bzw. ihre Mitgliedsligen innerhalb der Spielvariante "Be a Pro" ein. Erstmals habt ihr dort nämlich die Möglichkeit eure Karriere nicht in der AHL, sondern eben als Steppke in einer der Jugendligen der Canadien Hockey League zu beginnen. Wie in der Realität könnt ihr so den beschwerlichen Weg über alle Ligen bis hin zum Stanley Cup Gewinn oder gar die Aufnahme in die Hall of Fame durchmachen. Die persönliche Karriere war ja schon immer das Highlight innerhalb der "NHL"-Reihe, aber heuer toppt dieser Modus nochmals das bisher Gekannte. Machen wir es kurz: Mehr Realität, mehr Tiefgang geht einfach nicht.
Tiefgang bietet übrigens der gesamte Umfang, denn auch der Rest, mag er auch komplett unverändert sein, kann wohl die meisten Sportfans begeistern. Ob dies nun die Managerkarriere "Be a GM", welche leider immer noch nicht in einer der europäischen Ligen spielbar ist, oder der weniger zeitintensive "Saison-Modus" ist, ob dies nun das "Playoff" oder das simple Einzelspiel ist, alles bietet so viel Spielspaß, dass wohl jedes Spielernaturell seine Aufgabe finden wird. Einzig das Fehlen von witzigen, kurzweiligen Minispielen könnte man den Entwicklern ankreiden. Aber vielleicht kommt die ja nächstes Jahr.
Schläger brechen, Banden krachen - das ist NHL pur
NHL 11
Kaum verwundert wird es, dass sich die Technik auch in "NHL 11" wieder auf allerhöchstem Niveau befindet. Wenn man in punkto Grafik und Sound überhaupt etwas kritisieren will, dann ist es wohl die fehlende Weiterentwicklung. Weiterentwicklung ist vielleicht das falsche Wort, sagen wir lieber: Der fehlende Unterschied. Aber wahrscheinlich standen die Entwickler in den letzten 12 Monaten genau vor derselben, ziemlich berechtigten Frage, wie wir Tester auch: Was soll man denn an einem nahezu perfekt aufgebauten Titel noch verbessern? Nichtsdestotrotz hätten wir von "NHL 11" dann doch mehr erwartet. Einfach die praktisch identische Technik des Vorjahres in den Nachfolger zu stecken und das Ganze als neues Spiel zu verkaufen, hat halt immer einen etwas faden Beigeschmack.
NHL 11
Keinen faden Beigeschmack hat allerdings die eigentliche Qualität des Gebotenen. Das Spiel läuft meist sehr flüssig und ein störendes Flimmern, irgendwelche Clippingfehler oder sonstige optischen Bugs findet man praktisch überhaupt nicht. Schön auch, dass die Bewegungen der Spieler selbst absolut realistisch auf den Bildschirm gezeichnet werden. Sogar noch einen Tick realistischer als im Vorgänger. Bedingt durch die bereits beschriebenen Gameplayänderungen, gibt es nämlich auch diverse neue Animationen, die dem Ganzen noch mehr von diesem "real life" einhauchen. So könnt ihr in "NHL 11" erstmals das Brechen bzw. den Verlust eines Schlägers beobachten oder auf dem Eis liegende Spieler bei den verrücktesten Aktionen zusehen. Doch nicht genug damit. In den diversen Unterbrechungen werden Zwischensequenzen ohne Ende abgespielt, Statistiken eingeblendet oder ein Kameraschwenk auf die auch 2010 wieder komplett in 3D gehaltenen Zuschauerränge gefahren. Alles ist sehr stimmig gehalten und zieht euch auf Dauer richtig ins Spiel hinein. Trotzdem bleibt es dabei: Neu ist das Alles nicht, viel mehr werden Besitzer des Vorgängers aufgrund der doch kaum vorhanden Unterschiede vielleicht sogar sehr enttäuscht sein.
